So stärkst Du die Eigenverantwortlichkeit von Mitarbeitern!

Sieben Rezepte für mehr Eigenverantwortlichkeit

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 27 Februar 2020

Teil 2: Sieben Rezepte für mehr Eigenverantwortlichkeit von Mitarbeitern
Mit diesen sieben Rezepten gelingt es Dir, Deine Mitarbeiter in Ihrer Eigenverantwortlichkeit zu unterstützen.

1) Stärken- und Bedürfnisprofileprofile der Mitarbeiter erstellen

Ein individuelles Persönlichkeits- und Stärkenprofil schafft Klarheit. Es hilft Dir, genau einzuschätzen, inwieweit Aufgaben verantwortlich übernommen werden können und wo eine Entwicklung nötig oder möglich ist. Du wirst nicht alle Bedürfnisse befriedigen können, aber es ist notwendig, die optimalen Bedingungen Deines Teams zu kennen, um Kompetenzen effektiv zu nutzen. Das, was Dir normal, offensichtlich oder leicht erscheint, ist für manche Mitarbeiter weder offensichtlich, noch leicht.

2) Zum Ziel fragen

Kommen Mitarbeiter mit Problemen, hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder gibst Du direkt Hilfestellung oder Du stellst eine Gegenfrage. Gut gemeintes „Gutmenschentum“ fördert Bequemlichkeit und Unselbstständigkeit. Lasse den Mitarbeiter in seiner Verantwortung, anstatt Verstärker der Opferrolle zu sein. Unterstütze niemanden, der vor Verantwortung flüchten will oder sich nicht messbar machen möchte.

Leite durch W-Fragen innere Suchprozesse ein:

• Was genau ist das Problem?
• Was soll konkret erreicht werden? Was ist die Lösung?
• Was haben Sie bisher getan?
• Was brauchen Sie?
• Wie würden Sie vorgehen? Was könnten Sie tun?
• Woher könnten Sie die Information erhalten?
• Was sollten Sie beachten?
• Wie lange brauchen Sie für die einzelnen Schritte?
• Wann und womit starten Sie?

3) Sicherheit und Spiegelung geben

Oft fühlen sich Mitarbeiter unsicher bei der Erfüllung ihrer Aufgaben. Fühle Dich in die jeweilige Gefühlslage hinein und unterstütze mit Erklärungen, Nachfragen, Feedback und Lob. Fehler sind eine logische Konsequenz, wenn Mitarbeiter selbst Entscheidungen treffen. Gehe behutsam mit diesen Situationen um und schaffe eine wertschätzende Atmosphäre. Lippenbekenntnisse sind in Bezug auf Fehlertoleranz tödlich. Mitarbeiter spüren das genau und werden sich nicht mehr trauen, Verantwortung zu übernehmen. Übe Zurückhaltung anstatt Verurteilung und staune, was passiert. Ein eigenverantwortliches Selbstverständnis ist für manche Menschen eine echte Herausforderung. Erweitere Entscheidungsspielräume angemessen und schrittweise und drücke Dich nicht davor, in wesentlichen Verantwortungsbereichen nach wie vor Entscheidungen zu treffen.

4) Prozesse gemeinsam optimieren

Versuche unter Einbeziehung aller Betroffenen die Abläufe schrittweiße zu optimieren. Dazu zählen die Ordnung am Arbeitsplatz, Verbesserung von Raumkonzepten, das systematische Aufräumen und Sortieren, Kategorisieren, die Zusammenarbeit einzelner Abteilungen, die Optimierung von Prozessen und Transparenz von Zahlen. Jeder hinterfragt sich selbst, bringt sich ein und trägt Verantwortung für den idealen Arbeitsplatz. Gemeinsam werden Fragen diskutiert, Lösungen erarbeitet und umgesetzt. Diese kontinuierliche Verbesserung wird jeden Tag gelebt und ausgeführt. Das erfordert viel Selbstdisziplin, aber es lohnt sich. Wenn man seinen Arbeitsplatz und „sich selbst“ regelmäßig aufräumt, kann man nicht nur produktiver arbeiten, sondern fühlt sich auch besser.

5) Folgen verdeutlichen

Kommt ein Mitarbeiter seiner Eigenverantwortlichkeit nicht nach, suche das Gespräch. Dies sollte der Reflexion dienen und nicht als Vorwurf empfunden werden. Welche Konsequenzen hat das Verhalten nach sich gezogen? Lenke den Blick außerhalb des Tellerrands und mache deutlich: Wer Verantwortung wegdelegiert lässt zu, dass andere entscheiden, denen das eigene Anliegen im Zweifel total egal ist. Erläutere Vorteile: Eigenverantwortliches Handeln stärkt die eigene Freiheit und das Selbstwertgefühl. Es ist erhebend, mitzugestalten oder zu entscheiden, in welche Richtung sich Projekte entwickeln. Wer zu sich und seiner Meinung steht, strahlt Stärke aus, die das Umfeld in aller Regel mit Akzeptanz belohnt. Menschen, die für sich selbst und ihren Arbeitsbereich Fürsorge übernehmen, schenken sich mehr Ausgeglichenheit und Zufriedenheit.

6) Sinn und Zielorientierung geben

Wenn Menschen in ihrem Handeln Sinn erkennen und wissen, wo die Reise hingeht, sind sie motiviert, Verantwortung zu übernehmen. Oft ziehen Teams nicht wirklich an einem Strang, weil verbindliche Absprachen fehlen und Zielformulierungen schwammig formuliert sind. Äußere Deine Erwartungen klar und unmissverständlich. Fixiere Ziele und Strukturen schriftlich und dokumentiere Ergebnisse. Biete jedem die Chance, das eigene Handeln in einem großen Ziel oder einer übergeordneten motivierenden Idee eingebunden zu sehen. So erhöht sich das Gefühl der eigenen Einflusskraft und den Wunsch, mitgestalten zu wollen. Bringe Deine Mitarbeiter in Kontakt mit positiven Ergebnissen und Veränderungen und feiert gemeinsam spürbar die erreichten Erfolge.

7) Sich selbst den Spiegel vorhalten

Wie viel Eigenverantwortlichkeit kannst Du tatsächlich zulassen? Bietest Du Raum für Entfaltung? Wenn Du Dir selbst etwas vormachst, geht der Schuss nach hinten los: „Das sagt er immer und am Ende wird doch jeder Schritt kontrolliert“. Biete Mitarbeitern nicht nur kleine Häppchen an und gehe auch einmal ein Risiko ein, selbst, wenn es unangenehm wird. Es ist notwendig, Erfahrungen zu sammeln und auch einmal auf die Nase fallen. Der Weg zur Lösung kann unterschiedlich sein. Gut gemeinte Ratschläge verhindern den Aufbau von Lösungskompetenz. Viele Führungskräfte ziehen Bestätigung daraus, wenn sie den „Feuerlöscher“ spielen können oder einmal wieder die „Kohlen aus dem Feuer“ holen müssen.

»Es kostet Mut, sich nicht einzumischen, loszulassen und sich zurückzunehmen, auch, wenn es schleppend läuft«

Genau dieser Mut wird sich nach der ersten „Verschlimmbesserung“ doppelt bezahlt machen. Selbstvertrauen und Eigenverantwortung Ihres Teams werden wachsen.

Fazit: Eigenverantwortlichkeit kann nur aus eigenem Vermögen heraus entstehen und ist durch das Individuum selbst geprägt. Du als Führungskraft stellst die Weichen und gestaltest ein ideales Erfahrungsfeld dafür. Das, was Mitarbeiter tun, tun sie auch aus Verbundenheit zur Führungskraft. Verantwortungsmanagement ist Beziehungsmanagement. Gerne gebe ich Dir auch persönliche Hilfestellung bei der Umsetzung der sieben Rezepte in den Führungsalltag…

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Bild #50563476 © Minerva Studio / Adobe Stock

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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