Warum sind Menschen eigentlich so leicht manipulierbar und für Manipulationen anfällig?

Warum wir für Manipulation anfällig sind

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 17 Oktober 2014

Am Wochenende hatte ich ein Erlebnis, das mich sehr schockiert hat. Mir ist dort vor Augen geführt worden, wie schnell Menschen manipulierbar sind und wie einfach selbst große Gruppen von Menschen einer Täuschung unterliegen können und diese erst sehr spät bemerken. Dieses Thema ist keinesfalls Geschichte! Manipulation ist eine alltägliche Gefahr. Wir haben weder aus alten Erfahrungen des zweiten Weltkrieges für immer und ewig gelernt, noch ist unsere Welt von diesen narzisstischen kranken Köpfen und ihrem Größenwahnsinn befreit!

Wir alle sind für Manipulation anfällig!

Beispielsweise ergaben Untersuchungen, dass einer der effektivsten Wege, uns zum „Kaufen“ anzuregen, die Unterstützung Prominenter ist. Wenn ein Produkt von einem bekannten Menschen befürwortet wird, verändert sich bei den meisten Menschen unbewusst die innere Haltung dazu sofort und es entsteht ein unkritischer Vertrauensvorschuss. Für uns Menschen ist das Bedürfnis „dazu zu gehören und nicht sozial ausgegrenzt zu sein“ oft zentral wichtig. Prominente vermitteln unserem Gehirn das Gefühl Vertrautheit und Identifikation. Doch warum ist das so?

Einiges lässt sich auf die Entwicklung unseres Gehirns zurückführen. Der Mensch hat sich in sehr kleinen Stämmen und Gruppen entwickelt, in denen wir uns untereinander bestens kannten. Diese Gruppen boten Schutz, Stabilität und Identifikation. Jeder musste sich auf den anderen verlassen und wir waren aufeinander angewiesen. Ohne diese Gruppe waren wir nicht überlebensfähig. Es gab aufgrund der Intimität und Nähe keine Versteckspielchen. Unser Verstand nimmt aufgrund unserer Entwicklungsgeschichte an, dass wir die Wahrheit von Täuschung unterscheiden können. Jeder Stammesführer, der die Gruppe ausnutzte oder zu ihrem Nachteil handelte, wurde schnell enttarnt und verstoßen bzw. umgebracht. Täuschung war ausgeschlossen.

Heute ist es anders! Nur ist unser Gehirn nicht mitgewachsen. Wir haben keine tägliche Nähe und Vertrautheit zu unseren „Anführern“ oder selbsternannten Machern, Wortführern und Meinungsbildnern. Wir leben nicht mehr in kleinen Stämmen, sondern inmitten von Millionen von Menschen mit persönlichen und wirtschaftlichen Interessen und Zielen. Wir bekommen von den meisten Menschen ausschließlich eine Fassade zu Gesicht. Täuschungen sind alltäglich. wir werden immer wieder in die Irre geführt und für egoistische Motive von Hochstablern, Diktatoren, Narzissten, Egoisten, Fundamentalisten und komplexbeladenen Menschen benutzt und aktiviert.

Wenn man sich ein wenig mit unserem Gehirn und unserem „Ego“ beschäftigt, fallen weitere Anfälligkeiten für Manipulation oder Fehlentscheidungen auf. Unser Ego versucht ja täglich immer wieder krampfhaft, unserem Bild von uns gerecht zu werden und Komplexe zu verdecken. Es gibt bestimmte Motive des Egos, die „Trigger“ dafür sein können.

Gier oder Sucht: Man ködert Menschen mit Geld, Luxus, Besitz, Sex oder anderen Konsumgütern oder attraktiven Vorstellungen, nutzt Notlagen und Abhängigkeiten aus bzw. macht sie abhängig.

Angst und Drohung: Man ängstigt Menschen oder droht mit Konsequenzen, die Panik, Verlust oder Schrecken auslösen und lähmt sie somit, besonnen zu handeln bzw. bringt sie dazu, etwas zu tun, was sie eigentlich nicht wollen.

Ausgrenzung und Beschuldigung: Man verbreitet Unwahrheiten über Personen, spielt sie gegeneinander aus und prangert sie an. Dadurch erzeugt man Ausgrenzung. Jeder möchte lieber den Schuldigen bekämpfen, anstatt selbst beschuldigt zu werden: das „weiße-Westen-Prinzip“!

Schmeichelei, Anerkennung, Status und Bestätigung: Man schmeichelt Menschen, hebt ihr Selbstgefühl, gibt ihnen Privilegien, bevorzugt sie, pudert ihre Eitelkeit, fördert die Selbstüberschätzung oder gaukelt ihnen Gefühle vor und macht sie somit emotional gefügig.

Sicherheit, Versprechungen und Wegnahme von Verantwortung: Man macht Menschen Versprechungen, wiegt sie in Sicherheit, gaukelt ihnen vor, alles wäre zu ihrem Besten geregelt, benutzt ihr Vertrauen und schaltet so ihre inneren Warnsysteme ab.

Verpflichtung und Verantwortung, Ehrgeiz, Konkurrenz: Man überschüttet Menschen mit Anforderungen und Erwartungen und packt sie bei Verantwortungs- Leistungs-und Verpflichtungsgefühl. Zusätzlich stellt man Macht- und Konkurrenzkämpfe auf.

Einschüchterung: Man schüchtert Menschen stark ein, betont ihre Fehler, ihre Herkunft, Geschichte und Mängel bzw. wunden Punkte, behandelt sie unwürdig.

Wo liegt Deine eigene Anfälligkeit? Auf welche „Trigger“ reagiert Dein Ego?

Hast Du Geldsorgen oder andere Sorgen, die Du loswerden willst? Sehnst Du Dich nach Reichtum und Erfolg? Fühlst Du Dich benachteiligt? Fühlst Du Dich zu „Besserem“ berufen? Fühlst Du Dich allein und ausgegrenzt? Möchtest Du dazu gehören? Hast Du Angst, Ansprüchen nicht gerecht zu werden oder fehlerhaft zu sein? Möchtest Du niemanden enttäuschen? Möchtest Du Dich in Harmonie und Sicherheit fühlen? Sehnst Du Dich nach Anerkennung? Möchtest Du große Herausforderungen meistern und das Unmögliche möglich machen? Möchtest Du etwas Besondere sein oder leisten? Möchtest Du der Beste sein und alles perfekt machen? Möchtest Du stark sein? Schämst Du Dich für etwas? Möchtest Du Dich endlich geliebt fühlen?

Unmanipulierbarkeit ist trainierbar!

Zunächst einmal ist es wichtig, die Trigger Deines Egos zu erkennen und die Verletzungen oder Bedürfnisse zu erkennen bzw. zu heilen, die dahinter liegen. Im nächsten Schritt ist es wichtig, sich rechtzeitig vom Ego zu „distanzieren“, wenn jemand diesen Trigger berührt: „Das ist nur meine Prägung, ich kann mich davon lösen! Ich bin NICHT Opfer meiner Prägung!“ Wir alle haben eine „innere Alarmglocke„. Es ist notwendig, ein Gespür für diese inneren Signale zu entwickeln und diese ernst zu nehmen. Im Zustand der Gegenwärtigkeit oder Achtsamkeit können wir in unserer starken Mitte bleiben und uns vom Ego distanzieren.

Auf diese Weise werden wir in einen Zustand gelangen, in dem wir äußerer Manipulation nicht mehr schutzlos ausgeliefert sind. Wir gehen bewusst, beobachtend und besonnen mit Manipulationsversuchen um und können uns rechtzeitig schützen, Position beziehen und aussteigen. Beobachten bedeutet nicht „Hinnehmen“, sondern spüren, sehen, hören und aktiv werden. Innere Störgefühle aufgrund von Ungereimtheiten oder Verletzung unserer inneren Werte bzw. Inkongruenzen in Bezug auf das Verhalten und die Ausstrahlung von Personen können wir dann viel schneller enttarnen und aufdecken. Wir sind frei und nicht mehr abhängig von den Motiven unseres Egos.

Versuche mehr Kontakt zu Deinem „Selbst“ zu finden. All das trägst Du in Dir selbst: Wertschätzung, Liebe, Achtung, Mut, Ruhe und Stärke. Den Weg dorthin findest Du durch Achtsamkeitstraining, Meditation, Konzentration (z.B. ZEN Buddhismus), Koordinationstraining, Gegenwärtigkeitsübungen und Ruhe. Dort verbesserst Du den Kontakt zu Dir selbst und erzeugst Selbstvertrauen. SPÜRE Menschen, achte nicht nur auf den Inhalt ihrer Worte! Beobachte, wie Du auf ihre Aussagen reagierst, achte auf ihre Motive, die sie einsetzen.

Wenn Du Manipulation spürst, wird es Zeit, Dich so schnell wie möglich davon zu lösen. Decke die Manipulation auf, hindere die Person an ihrem Vorhaben. Wir alle tragen Verantwortung für uns selbst, aber auch für unsere Gesellschaft. Je mehr Menschen achtsam und mit wachem Bewusstsein durch das Leben gehen, desto weniger anfällig ist unsere Gesellschaft für Manipulation. Das bedeutet nicht, dass Du ab sofort nurnoch kritisch durch die Welt gehen solltest. Verallgemeinere Deine Erfahrung nicht und übertrage sie auf alle Menschen. Konzentriere Dich weiterhin gelassen auf den guten Kern und sei gleichzeitig wachsam …

Headerbild © Mopic (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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