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„Erst, wenn wir den Weg durch die Dunkelheit wagen, können wir dessen gewahr werden, was Licht wirklich bedeutet.“

Licht und Schatten sind zwei Gegensätze, die uns in unserem äußeren Erleben und genauso in uns selbst ständig umgeben. Diese zwei Pole sind Teil der Natur, genauso, wie es keine Münze ohne zwei Seiten geben kann. Trotzdem wollen wir uns immer wieder auf die helle Seite konzentrieren und flüchten oft vor den dunklen Seiten in uns selbst, die wir nicht mögen oder aushalten wollen. Wir stellen etwas ins „Licht“ oder in den „Schatten“. Das Spannende daran ist jedoch, dass wir durch diese Flucht vor der Dunkelheit nicht wirklich ins „Licht“ gelangen können. Ganz im Gegenteil, wir erkennen aufgrund unserer verzerrten Wahrnhmung oder Verdrängung nicht, dass unsere Wahrnehmung von „Licht“ sogar das Dunkle fördert. Das EINE bedingt das ANDERE. Wenn wir uns mit der Dunkelheit nicht auseinandersetzen wollen, verschwindet sie natürlich auch nicht.

Verdrängen oder distanzieren heißt nicht integrieren und auflösen.

Unsere Außenwelt ist dann ein Spiegel unser inneren Schatten: wir kämpfen gegen etwas oder jemanden, jemand macht uns wütend, neidisch, aggressiv oder ruft Angst in uns auf. Wir schließen daraus, dass der Mensch oder dieser „Umstand“ dafür verantwortlich ist.       Der „Träger“ einer für uns sehr wesentlichen Botschaft für mehr Licht wird dann als „Feind des Dunklen“ umgedeutet, weil die Erkenntnis aus seiner Botschaft viel zu schmerzhaft und unbequem für unser Selbstbild wären. Doch begegnen wir uns eigentlich nur immer wieder selbst: was wir innerlich nicht integriert und aufgelöst haben, nimmt im Außen Gestalt an. Man nennt diesen Schatten, dem wir immer wieder vermeintlich „begegnen“, diesem dunklen Gruß aus unserer Seele und unserem Herzen auch Projektion. Wir werden DEM im Außen begegnen, was wir selbst sind und auch nur für dazu passende Erkenntnisse offen und bereit sein.

Den Mechnismus der Dunkelheit erkennen.

Woran können wir erkennen, dass wir selbst oder Andere die dunklen Seiten des Selbst in den Schatten stellen und nur die bequemen und angenehmen Seiten ins Licht rücken?

Frau oder Herr Sonnenschein: Menschen die sich ständig präsentieren wie auf der Bühne, verdrängen krampfhaft ihre dunklen Seiten: sie zeigen anderen ausschließlich die Schokoladenseite, sind täglich extrem gut „drauf“ und demonstrieren jedem Menschen: Ich genieße ständig und immer die Sonnenseite des Lebens, mir geht es blendend!

Tief in ihrem Inneren sieht es oft anders aus. Doch gerade dadurch entstehen immer größere Schatten innerhalb dieser Personen. Zerrissenheit und Depression kann die Folge sein. Niemand darf ihr wahres Selbst sehen (sogar sie selbst nicht), weil sie sich selbst so nicht annehmen können. Ihre Schmerzen, ihre dunklen und traurigen Seiten werden oft durch krampfhafte „Überaktivität“ betäubt und mit großer Anstrengung verdeckt! Diese Menschen werden auch nur für Menschen, Informationen und Nachrichten offen sein, die ihnen helfen, das schöne Schaufenster ihrer Lebensgeschichte zu wahren.

Die tiefe Wurzel für dieses Verhalten ist eine nicht geheilte tiefe Wunde in der Kindheit (Flucht als Überlebensmodus).

Frau oder Herr Rechtmacher(in): Das sind Menschen, die ständig mit allem einverstanden sind, keine Widerworte geben und die Harmonie betonen. Diese Menschen versuchen, die hellen Seiten in zwischenmenschliche Beziehungen zu beschützen und ignorieren ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle oder Widerstände. Was sie dabei oft vergessen: Manchmal müssen wir kurzfristig Disharmonie erzeugen, um langfristig Harmonie zu gewährleisten. Der Schatten wird sonst immer größer. Sie vergessen außerdem ihren ureigenen Beitrag zu einem „Wir“ in Beziehungen und einem gelungenen, ehrlichen Mieinander. Die fehlende innere und äußere Stellungnahme wird durch Anpassung ersetzt. Man möchte nicht auffallen oder sich abheben und „dazugeören“. Somit werden kristische Stimmen ignoriert und die eigene Wahrnehmung wird „passend“ gemacht.

Sie machen sich unsichtbar für andere Menschen und sich selbst. Das kann irgendwann zu körperlichen Symptomen führen, weil Bedürfnisse ignoriert werden. Im System (Familie, Perternschaft, Gesellschaft) fördern diese Menschen eine Systemstörung, weil das System nur dann gesund sein kann, wenn der gesunde Energiefluss durch Ehrlichkeit und Transparenz gewährleistet ist.

Die tiefe Wurzel für dieses Verhalten ist Selbstunsicherheit (Nur, wenn ich mich anpasse und gehorche, bin ich liebenswert).

Frau oder Herr Sauber: Das sind Menschen, die immer alles richtig machen und sich nie etwas zu schulden kommen lassen. Der Kopf gibt den Ton und an Empathie fehlt es. Sie tun alles dafür, um die Umwelt davon zu überzeugen, dass sie ehrenswerte Bürger sind. Sie sind nach außen perfekt, rechtschaffend, fleißig, korrekt, wertekonform, fehlerfrei, höflich, sauber. Oft verdrehen diese Personen ihre „Realität“ genau so, dass dieses Image bestätigt werden kann: Ich bin die Sonne und nur andere Menschen haben dunkle Seiten. Sie setzen sich perfekt in Szene, damit andere Menschen nur die glänzende Seite sehen. Unbezahlte „Richtertätigkeit“ und Denunziation im Umgang mit ihren Mitmenschen stehen im Vordergrund. Eigene Fehler werden vertuscht.

Dadurch verlieren sie sich aber selbst, weil sie nicht zu sich stehen. Sie verzichten auf tiefe und echte Beziehungen zu Menschen. Es gelingt ihnen niemals, sich zu öffnen. Hinter dem korrekten Schaufenster ist niemand in der Tiefe zu Hause. Unbewusst verbreiten Menschen mit dieser Prägung den kollektiven Mechnismus des Dunklen (sie sind Verbündete), onwohl sie in der persönlichen Wahrnehmung genau das Gegenteil tun.

In einem „erhellten“ Miteinander ist es wesentlich, dass unterschiedliche Perspektiven und Wahrnehmungen akzeptiert und wertgeschätzt werden. Ein gesundes System kommt durch Gleichschaltung ins Stocken.

Die tiefe Wurzel für dieses Verhalten ist die fehlende Erfahrung von bedingungsloser Liebe (Ich bin nur wertvoll, wenn ich gewisse Bedingungen erfülle).

Frau oder Herr Stark und Mächtig: Das sind Menschen, die um alles in der Welt ihre Macht und Kontrolle über das Geschehen behalten müssen. Schwäche gibt es nicht und darf es nicht geben. Sie ignorieren ihre Ängste und laufen davon, wenn es innerlich instabil wird, weil sie diese Gefühle nicht aushalten können. Ängste, Schwäche, Verletzlichkeit, Selbstzweifel oder Kontrollverlust müssen auf jeden Fall vermieden werden. Die zerbrechliche und sensible Seite wird abgespalten. Oft brauchen diese Menschen andere Menschen, um das Gefühl von Macht, Stärke und „Potenz“ gespiegelt zu bekommen.

Man spielt sich beispielsweise als „Retter“ „Allwissender“ auf und stellt sich über andere Menschen – kann sogar zu einer massiven Gefahr für sie werden. Dieses grandiose ICH, der „Allmächtige/Größenwahnsinnige“, ist ein falsches Selbst, dass die inneren Zwiespälte und Schatten weiter wachsen lässt und das „kleine Kind“ in uns immer kleiner werden lässt, weil wir es in die Ecke drängen. Sich „einlassen“ ermöglicht es uns überhaupt erst, Nähe und Liebe in Beziehungen zu teilen. Da diese Personen das nicht können, sind sie nur auf einem sehr oberflächlichen Level beziehungsfähig und setzen Ignoranz, Macht und Kontrolle über Empfindung. Ein einseitiges Streben nach Macht über sich selbst und/oder Andere fördert Trennung (das Dunkle). Das Helle wird durch Liebe und Verbindung genährt.

Die tiefe Wurzel für dieses Verhalten ist ein nicht vorhandener Zugang zum wahren Selbst und die fehlende Erfahrung von Liebe/Akzeptanz für das, was ich wirklich bin. (Ich muss eine gewisse Erwartung erfüllen, um liebenswert zu sein.

Eins verbindet alle Beispiele: Wir werden blind für unser wirkliches ICH und leben mit einer Fälschung von uns, weil wir nur die eine Seite in uns erkennen und akzeptieren. Unser krampfhaftes Bestreben, im Licht zu sein, blockiert uns den Weg zum Licht.

Wie können wir wahres Licht schaffen?

Wir nehmen die Dunkelheit an und stellen uns ihr mutig, anstatt sie zu bekämpfen oder zu flüchten. Wir bringen Licht in alle dunklen Ecken und verwandeln sie dadurch. Oft werden wir überrascht sein, wie schnell sich die Angstgespenster unserer Vorstellung dann auflösen. Wir brauchen Stärke dann nicht künstlich im Außen herzustellen oder zu demonstrieren, wir sind im Inneren stark. Wir können Kontrolle aufgeben, weil wir mit Schmerz und Verletzlichkeit umgehen können. Wir brauchen keinen verzerrten Spiegel mehr, weil wir uns voll und ganz akzeptieren. Wir müssen Harmonie nicht bewahren, sondern wir harmonieren uns immer wieder innerlich selbst, weil wir unsere inneren Signale ernst nehmen und Gegensätze ausgleichen. Wir ignorieren unsere dunklen Seiten also nicht, sondern setzen uns bewusst damit auseinander.

Wir begegnen anderen Menschen echt und nicht mit einem künstlichen Ich. Ebenso brauchen wir keine Äußere Referenz für unsere Orientierung, sondern wir entwickeln mehr und mehr Vertrauen zu unserer inneren Empfindung.

Stelle Dir, vor, Du würdest eine Taschenlampe auf alle dunklen Seiten halten.

Zunächst einmal erschreckst Du, dann beginnst Du klar zu sehen, aufzuräumen, Ordnung zu schaffen und befreist Dich selbst.

Die Formel lautet: Erkennen – nicht ablehnen – ändern!

Plötzlich erkennst Du, dass Deine innere/oder einen andere Dunkelheit ein großes Geschenk für Dich bereit hält: Reife, Wachstum, Selbstwertgefühl und eine Quelle der Ruhe, Liebe und Freude. Das Erforschen der Dunkelheit nährt Dein Licht.

Hilfreiche Fragen:

  • Wie könntest Du in Zukunft die Widrigkeiten und die dunklen Seiten in Dir selbst nutzen, um Dich selbst von Blockaden, Zerrissenheit, innerer Unruhe, Misserfolg und Unzufriedenheit zu erlösen?
  • Wo hast Du bisher versucht, die Dunkelheit zu ignorieren?
  • Welche Seiten Deines ICH`s verdrängst Du? Was darf nicht sein? Was dürfen andere Menschen nicht sehen?
  • Wovor hast Du wirklich Angst? Wer löst Angst in Dir aus?
  • Was könntest Du gewinnen, wenn Du Dich öffnest? Welche Begrenzung könnte sich auflösen?
  • Was verhinderst Du durch Deine Flucht vor Dir selbst? Was verlierst Du dadurch?
  • Lebst Du in einer erfüllten Liebesbeziehung? Wie verhinderst Du das? Was kann sich ändern?
  • Wo erkennst Du Menschen oder Systeme, die dem Mechnismus der Dunkelheit unterworfen sind? Wo wird Dunkelheit in den Schatten gestellt und das Licht überbetont?
  • Wo unterliegst Du vielleicht einer Täuschung durch andere Menschen? Bist Du bereit, diese zu erkennen und aufzulösen?
  • Kennst Du Menschen, die eine Quelle für das Licht sind? Woran bemerkst Du das? Welche eigene innere Reise haben diese Menschen gemacht, um sich selbst zu erkennen? Was könntest Du davon lernen?

Wenn wir ein Bewusstsein für Licht und Dunkelheit erlangen, können wir einen langen inneren und äußeren Kampf beenden. Wir bekämpfen nichts mehr- Wir transformieren. Letztendlich übernehmen wir dadurch Verantwortung für uns selbst und Andere und richten uns völlig neu aus, weil unser Blick sich verändert. Wir sind nicht mehr Opfer der Umstände, sondern können aktiv etwas tun, weil wir nicht mehr damit beschäftigt sind, Schutzmauern zu bauen.

Du kannst etwas verändern, weil Du den Blick auf die Realität wagst und sie nicht mehr zu Deinen Gunsten bzw. zu Deinem Schutz künstlich veränderst. Was für ein ungenutztes Potenzial steht Dir plötzlich zur Verfügung? Wichtig: Allem, was Du nicht mehr haben willst, musst Du zunächst begegnen, damit es sich auflösen kann. Alles, was Du bekämpfst, wird größer. Alles, was Du beiseite schiebst, verfolgt Dich. Es gibt keine Abkürzungen im Leben, genauso wenig, wie es nur Licht gibt oder nur Glück. Das Leben ist BEIDES! Je mehr Du das integrierst, desto schneller entsteht das Gefühl der Einheit.