Das Thema vegane Ernährung wird immer populärer. Wie stehst Du zu Veganismus?

Was ist eigentlich vegane Ernährung?

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 22 März 2018

Mittlerweile leben etwa 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan, Tendenz steigend. Wiederkehrende Lebensmittelskandale, teils dramatische Zustände in der Massentierhaltung, Berichte über Tierversuche in der Kosmetikindustrie, Informationen über den voranschreitenden Klimawandel und die Präsenz des Themas in den modernen Medien tragen zu einem Anstieg der vegan lebenden Menschen bei.

„Veganismus ist eine ethisch begründete Einstellung und Lebensweise, welche die Nutztierhaltung und den Konsum tierlicher Produkte völlig ablehnt. Menschen, die sich vegan ernähren, vermeiden somit den Konsum von Fleisch, Milch, Eiern, Gelatine und anderen tierlichen Lebensmitteln. Weiter gefasst achten Veganer/innen bei Kleidung (Leder, Wolle) und anderen Gegen- ständen des Alltags auf Tierproduktefreiheit (Waschmittel, Putzmittel, Kleinbildfilme, Kleber, Farben etc.).“
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Veganismus

Der Schöpfer des Wortes vegan war Donald Watson, der 1944 die Vegan Society gründete. Diese Vegan Society entstand als Abspaltung der Vegetarian Society, also der englischen Vegetarier-Gesellschaft. Um die Abgrenzung zum Vegetarier klarer zu ge- stalten, erfand er die Wortneuschöpfung „vegan“ (deutsch: Veganer), das aus dem Anfang und dem Ende von „vegetarian“ zusammen gesetzt wird. Sich vegan zu ernähren oder vegan zu leben ist eine Entscheidung, die immer mehr Menschen für
sich treffen. „Vegan“ ist mittlerweile fast schon ein Modewort geworden.

Allein in Deutschland leben schätzungsweise 600.000 Veganerinnen und Veganer. Welche Idee steckt dahinter? Welche Risiken könnten durch eine vegane Ernährung bestehen?

Warum ernähren sich Menschen vegan?

Der häufigsten Gründe für vegane Ernährung sind ethisch motiviert. Vegetarier essen kein Fleisch und keinen Fisch, weil sie nicht für das Töten von Tieren mitverantwortlich sein möchten. Doch auch die Produktion von Milch und Eiern kommt nicht ohne das Töten und Quälen von Tieren aus. Ganz im Gegenteil. Milchkühe werden z.B. nach wenigen Jahren geschlachtet, sobald ihre Milchleistung nachlässt. Die Kühe werden künstlich geschwängert, damit sie Milch geben. Ihre männlichen Nachkommen werden zu Kalbsfleisch verarbeitet, während die weiblichen Nachkommen häufig Milchkühe werden.

Bei der Züchtung von Legehennen, werden die männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen aussortiert und lebendig in den Schredder geworfen. Die Tiere erfahren während der Haltung, des Transports und der Schlachtung viel Leid. Das gilt sogar für Biotierprodukte und deren Tierschutzstandards. Es gibt noch weitere Gründe, die Veganer anführen, wie z.B. die Lösung von zentralen Umweltproblemen oder Heilung von Krankheiten (wie z.B. Resistenzen und Zivilisationskrankheiten) oder Gesundheitsförderung.

Natürlich gibt es auch Gegenargumente. Ich führe hier nur eine kurze Übersicht an, wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, findet im Internet dazu umfangreiche Berichte.

– Manche Menschen argumentieren, dass auch Pflanzen Lebewesen sind.
– Aus gesundheitlicher Sicht wird argumentiert, dass es nicht natürlich oder gesund ist, sich rein pflanzlich zu ernähren.
   Es könnten Mangelerscheinungen auftreten. Dazu finden wir viele Studien, die genau das Gegenteil beweisen.
– Es wird oft angeführt, dass das Töten Teil der Natur sei. Dazu ist zu sagen, dass wir natürlich Teil der Natur sind. Ist es jedoch
   natürlich, Tieren schlimmes Leid zuzumuten, damit wir im Konsum leben können? Ist Konsum und unverantwortlicher
   Umgang mit der Schöpfung Teil der Natur?

Ernährung:

Es gibt hilfreiche Verzehrempfehlungen für Veganer. Die wissenschaftlich fundierte vegane Ernährungspyramide des VEBU hilft dabei, die Empfehlungen für eine gesundheitsfördernde vegane Ernährungsweise in die Praxis umzusetzen. Die nachfolgenden Mengenempfehlungen beziehen sich auf einen Verbrauch von ca. 2000-2500 kcal pro Tag:

1. Mindestens 2 Liter Wasser/ Tee pro Tag oder andere alkoholfreie, kalorienarme Getränke
2. Mindestens 3 Portionen frisches Gemüse (1 Portion ist 1 Hand voll) pro Tag
3. Mindestens 2 Portionen frisches Obst pro Tag/Trockenfrüchte
4. 3 Portionen Getreide und Kartoffeln pro Tag
5. 2 Portionen Hülsenfrüchte und weitere Proteinquellen pro Tag
6. 100-300ml Milchalternativen aus Soja, Hafer, Nüssen oder Getreide pro Tag
7. 30-60g Nüsse und Samen pro Tag
8. 3-5 EL Pflanzliche Öle und Fette pro Tag
9. 1 TL Meeresalgen pro Tag
10. Die körperliche Aktivität sollte mindestens 30 Minuten pro Tag betragen.
11. Sonnenlicht (mindestens 15 Minuten pro Tag) für Vitamin D (in den sonnenarmen Monaten zwischen Oktober und März
      kann die Vitamin-D-Versorgung durch entsprechend angereicherte Produkte oder Supplemente (mindestens 20 µg/Tag)
      gesichert werden.
12. Bei veganer Ernährung sollte die sichere Versorgung mit Vitamin B12 durch Nahrungsergänzungsmittel abgesichert
      werden (10 µg/Tag).
13. Um den Bedarf an Kalzium zu decken, sollten gezielt kalziumreiche pflanzliche Lebensmittel (z. B. dunkelgrünes Gemüse,
      Nüsse, Samen, Tofu), kalziumreiche Mineralwässer (> 400 mg Ca/l) sowie mit Kalzium angereicherte Produkte verzehrt
      werden (z. B. Milchalternativen).

Es gibt alternative Lebensmittel, die Veganer als Ersatz zu tierischen Bestandteilen in Gerichten zu sich nehmen können. Ich habe einige Beispiele zusammengestellt:

statt Eiern: Sojamehl (in Gebäck als Bindemittel), Tofu (als „Rührei“)
statt Fleisch: Avocado, Austernpilz, Seitan, Tempeh, Texturiertes Soja, Tofu und Yuba
statt Tiermilch: Getreidemilch, Hafermilch, Kokosmilch, Mandelmilch, Reismilch, Sojamilch
statt Gelatine: Agar Agar, Fruchtpektin, Johannisbrotkernmehl, Guarkernmehl
statt Käse: veganer „Käse“ aus Soja, Seidentofu, Seitan, Hefeschmelz
statt Honig: Zuckerrübensirup, Agavensirup, Ahornsirup
statt Sahne: Sojasahne, Hafersahne

Und die Gesundheit?

In der veganen Ernährungspyramide kann man erkennen, dass eine vegane Ernährungsweise grundsätzlich positiv für
die Gesundheit ist. Veganer und Vegetarier leiden laut einigen Studien wesentlich seltener an Zivilisationskrankheiten wie z.B. Übergewicht, Herzproblemen, Diabetes und Bluthochdruck. Eine rein vegane Ernährung birgt jedoch die Gefahr der Mangel- ernährung. So kann es zu einem Mangel an Eiweiß, Eisen, Jod, Zink und Calcium kommen. Auch das für die Blutbildung wichtige Vitamin B12 kommt ausschließlich in tierischen Produkten vor und muss häufig durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden.

Bei schwangeren und stillenden Frauen, aber auch bei Säuglingen und Kindern sollte besonders auf eine ausreichende Nährstoffversorgung geachtet werden. Der Veganismus eignet sich durchaus als Dauerkost. Allerdings sollte eine echte Sachkenntnis vorhanden sein, um die Lebensmittelauswahl bewusst treffen zu können, dann lässt sich ein Nährstoffmangel vermeiden. Einige Lebensmittelhersteller für vegane Lebensmittel reichern ihre Produkte zusätzlich mit Nährstoffen an.

Viele Neueinsteiger oder Jugendliche lassen einfach die tierischen Produkte weg und essen dann noch das, was aus ihrer früheren Ernährung übrig bleibt. Diese einseitige Ernährung schädigt den Körper aus Dauer. Morgens Obst, mittags Salat
und abends vegane Nudeln mit Tomatensoße reichen dauerhaft leider nicht aus.

Hier einige weiterführende Links:

https://kosmetik.peta.de
https://www.veganblog.de/restaurants/
http://www.essen-und-trinken.de/vegane-rezepte
http://www.oatly.com/products/germany/haferdrink-barista-edition/
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuelles/aktuelle-beitraege
https://www.avocadostore.de/vegane-schuhe
https://vebu.de/veggie-fakten/
http://www.vegan.eu

Man findet viele schmackhafte vegane Rezepte, in denen Du tierische Produkte nicht vermissen wirst. Es lohnt sich durchaus, sich selbst einmal zu hinterfragen ob der Konsum an tierischen Produkten ohne Geschmackverlust nicht eingeschränkt werden könnte. Vielleicht legst Du einfach einmal einen veganen Tag pro Woche ein und sammelst Deine eigenen Erfahrungen …

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Headerbild © rh2010 (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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