Meist zu Feiertagen schlägt die Stressfalle Nocebo-Effekt zu!

Stressfalle Nocebo-Effekt

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 16 Dezember 2016

Wir alle kennen den Placebo-Effekt, wenn es um die positive Wirkung von Medikamenten geht. So etwas gibt es auch in Bezug auf unsere negativen Erwartungen. Man nennt das „Nocebo“ Effekt. Wir erwarten eine negative Wirkung und verstärken somit die Wahrscheinlichkeit, dass diese eintritt.

Es ist doch verrückt, dass der Mensch das einzige Wesen ist, was allein an seiner VORSTELLUNG krank werden kann. Wir können also an etwas erkranken, ohne, dass es jemals eingetreten ist. Wir stellen uns z.B. vor, wie wir ein Blackout bei der Präsentation bekommen werden und brechen schon eine Woche vorher in Schweiß aus.

Viele Menschen verbringen eine große Zeit des Tages damit, sich negative Gedanken Vorstellungen und Bilder zu machen. Sie gehen mit ihren Gedanken in die Zukunft oder in die Vergangenheit und stellen Spekulationen auf, Vermutungen oder negative Wertungen. Gerade zu dieser Jahreszeit und an Weihnachten gibt es genug Gelegenheiten, sich aufgrund von negativen gedanklichen Geschichten verrückt zu machen und negativ zu programmieren.

Typische Nocebo-Gedanken:

• Ich habe XX vergessen, jetzt wird YY geschehen.
• Ich hätte es besser machen müssen, das kann nur schief gehen.
• Warum hat Herr Meier so reagiert? Er war bestimmt unzufrieden mit meiner Leistung.
• Alle waren viel besser als ich, ich werde die Stelle nicht bekommen.
• Das werde ich niemals schaffen, ich kann das nicht.
• Ich habe Bauchschmerzen, ich habe bestimmt etwas sehr Schlimmes.
• Die Präsentation ist nicht ganz fertig geworden, sie wird mir den Kopf abreißen.
• Das Date wir daneben gehen, ich bin nicht sein Typ.
• Ich bin keine attraktive Frau. Mich wird niemals jemand toll finden.
• Oh, hoffentlich treffe ich bloß keinen Hund im Park, der mich beißt. Ich habe solche Angst.
• Wenn ich weiterhin so faul bin, werde ich niemals Erfolg haben. Ich bekomme meinen Hintern nicht hoch.
• Was wäre wenn der Kunde ansagt / alle Kunden stornieren / ich auf der Straße lebe?
• Was wäre wenn mein Partner fremd geht / meinem Kind etwas passiert / ich überfallen werde?
• Was wäre wenn die Angst wieder kommt / ich einen Unfall baue / ich die Gehaltserhöhung nicht bekomme?
• Auch der nächste Versuch wird nicht klappen, das ist jetzt schon die 10. Diät.
• Das wird ein stressiger Tag werden.
• Der Schmerz wird wieder auftreten, wie immer!
• Was ist, wenn das Flugzeug abstürzt?
• Wahrscheinlich werden wir uns Weihnachten wieder streiten.
• Ich weiß nicht, was ich schenken soll. Meinem Mann kann ich eh nichts recht machen.
• Ich halte den ganzen Stress zu Weihnachten nicht mehr aus.
• Hoffentlich habe ich alles beachtet. Mir darf kein Fehler passieren. Jeder muss zufrieden sein.
• Was ist, wenn wir im Urlaub schlechtes Wetter haben?
• Was ist, wenn ich nach dem Studium keinen Job bekomme?
• Was ist, wenn zu hause eingebrochen wird?
• Was ist, wenn mich mein Partner verletzt?
• Wir werden nichts finden. Ich spüre das.
• Die anderen mögen mich nicht.

Kennst Du diese oder ähnliche Gedanken? Wie viele Deiner Gedanken formulierst Du innerlich in diese Richtung? Frage Dich einmal Folgendes: Kann ich durch diese Gedanken etwas vermeiden, was eintreten wird? Ändert sich dadurch überhaupt etwas? Geht es mir dadurch besser oder helfen mir diese Gedanken? Wenn wir ehrlich sind, können wir alle Fragen mit NEIN beantworten.

Mache Dir Folgendes bewusst:

✓ Jeder negative Gedanke beeinflusst meine Gefühlswelt negativ.
✓ Jeder negative Fokus erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass etwas Negatives geschehen wird.
✓ Ich fühle mich dadurch machtlos, besorgt, ängstlich, gestresst, schwach, unruhig oder minderwertig.
✓ Ich beeinflusse dadurch meine Ausstrahlung und alle Ergebnisse negativ.

Durch unsere negativen Erwartungen, Spekulationen und Bewertungen geraten wir innerlich auf Dauerspannung und unser Stresslevel ist sehr hoch. Und das alles, obwohl noch NICHTS geschehen wird. Versuche zu beobachten, welche Gedanken Du Dir machst und welche Gefühle aufgrund dessen entstehen. Du kannst sie gerne aufschreiben, um Dir ein besseres Bild zu machen. Es braucht etwas Training, bis das funktioniert. Versuche jetzt neue Bewertungen zu finden, die Dir Kraft und Gelassenheit geben.

Wenn Du Dich beim Nocebo-Denken erwischt, versuche diese Gedanken einfach an Dir vorüberziehen zu lassen. Gebe ihnen keine Aufmerksamkeit und atme tief durch. Gedanken kommen und gehen, sie sind vergänglich. Identifiziere Dich nicht sofort mit ihnen. Gehe die Feiertage ohne Erwartungen, alte Geschichten oder negative Gedanken an und konzentriere Dich auf das konkrete Erleben und Tun …

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Headerbild © Gerhard Seybert (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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