Mit perspektivischen Mitteln neue Lösungsorientierung bieten oder herstellen!

Lösungsorientierung herstellen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 17 März 2017

Oft kommt es vor, dass uns Menschen im Beruf begegnen, die in ihrem Problem festhängen. Das kann beispielsweise ein Mitarbeiter sein, der ständig um Rat fragt, ein Arbeitskollege, der immer wieder eine Frist nicht einhält und Ausreden hat, oder eine andere Kollegin, die Angst vor Entscheidungen hat. Immer wieder begegnen wir Personen, die mit ihrer Aufmerksamkeit leidenschaftlich um die negativen Aspekte der Aufgaben kreisen.

Wenn wir diese Menschen unterstützen wollen, macht es wenig Sinn, uns mit auf die Seite des Problems ziehen zu lassen, das Problem zu unserem Problem zu machen, es mit zu bewundern oder ständig Tipps zu geben. Wir stabilisieren diese Menschen dadurch nämlich immer wieder in ihrer Haltung und geben dem Problemdenken Nahrung. „Probleme erhalten Aufmerksamkeit oder Hilfe und befreien mich von meiner Verantwortung“. Das ist das, was das Unbewusste dieser Mitarbeiter speichert.

Als Führungskraft sollten wir Menschen zur Lösung führen und immer ausschließlich auf der Seite der Lösung bleiben. Das bedeutet keinesfalls, dass wir Probleme ignorieren, kein Verständnis dafür zeigen oder unsere Hilfe verweigern. Es ist wichtig, Menschen darin zu entwickeln, Schritt für Schritt aus der Anhaftung an Probleme oder Schwierigkeiten herauszukommen und selbst Verantwortung für die Lösungsfindung zu übernehmen. Jeder Mensch hat da ein eigenes Tempo und befindet sich aktuell an einem unterschiedlichen Startpunkt seiner Entwicklung. Führen bedeutet, jeden dort abzuholen wo er ist und zum Ziel zu begleiten.

Was können wir also für eine gute Lösungsorientierung tun?

 
Ressourcen ansprechen: Rege die Kreativität an und schicke Deine Mitarbeiter auf Lösungssuche. Wir können zum Beispiel die Person nach Fähigkeiten fragen, die sie für die Lösung brauchen könnte oder sie an ein Erlebnis erinnern, wo sie ein ähn- liches Problem gelöst hat. Was hat geholfen? Wie hat sie /er es damals gemacht? Was könnte jetzt helfen? Was brauchst Du dafür? Wie könntest Du vorgehen? Ebenso können wir nach Ideen, anderen Menschen oder weiteren Möglichkeiten fragen, die der Lösung dienen können.

Nicht nach dem Problem, sondern immer nach der Lösung fragen: Wenn uns die Person immer wieder damit konfrontiert, was sie nicht kann oder will, gehen wir einfach nicht mehr darauf ein. Frage also konsequent: „Was ist dein Ziel? Was willst du stattdessen? Was möchtest Du erreichen? Was wünscht du dir?

Einen Zwischenzustand auslösen (Seperator): Manchmal hat sich ein Mitarbeiter auch emotional in seiner Problemhaltung vergraben. Um Lösung zu ermöglichen, ist es wichtig, den Problemzustand der Person zu neutralisieren. Am besten gelingt uns das, wenn wir die Aufmerksamkeit nach ein paar einfühlsamen Sätzen auf etwas komplett anderes lenken. Durch die Ablenkung verändert sich die Gefühlslage und eine andere Sicht auf das Thema wird dadurch überhaupt erst möglich. Besonders, wenn eine Situation festgefahren ist, kann ein Seperator Abhilfe schaffen. Manchmal kann ein Seperator auch durch eine Unter- brechung des Gespräches geschehen: „Lass uns eine Runde spazieren gehen / einen Kaffee trinken / morgen wieder
darüber sprechen“.

Wenn unser Gegenüber immer wieder hartnäckig deutlich macht, wie schlimm das Problem ist, können wir auch einen Überraschungseffekt einsetzen: Wir zeigen übergroßes Verständnis und geben zu verstehen, dass wir noch niemals ein größeres Problem erlebt hätten. Wir bestätigen jede Aussage und dramatisieren sie sogar. Da die Person damit nicht rechnet, ist sie irritiert und automatisch verändert sich die Haltung. Steige ab und zu aus Deinen typischen Reaktionsmustern aus und überrasche Deine Mitarbeiter. Manchmal hilft es auch einfach, dem Problem mit Humor zu begegnen.

Auf emotionale Ausbrüche (Manipulation) nicht eingehen: Manche Menschen versuchen uns durch Jammern, Klagen, Opfersprache, Weinen, Vorwürfe oder Wutausbrüche dazu zu bewegen, sofort einzulenken. Wir dürfen uns dadurch nicht manipulieren lassen, wenn wir dieses Muster erkannt haben. Wir bleiben einfach immer wieder bei den Fakten und behalten eine konstruktive Einstellung, ohne den Ausbruch mit Aufmerksamkeit zu füttern. Das macht unser Gegenüber machtlos. Auch hier geht es nicht darum, dass Du nicht trösten sollst, wenn es passend ist, sondern darum, ein „Opfermuster“ zu durchbrechen.

Konkrete Ziele vereinbaren: Vereinbare Ziele immer konkret und schriftlich. Gleiche Erwartungshaltungen ab und überprüfe, ob jeder seinen Arbeitsauftrag verstanden hat. So lassen sich Missverständnisse oder Fehlinterpretationen verhindern und jeder weiß genau, um was es geht.

Das Problem als Fähigkeit darstellen: Eine wundervolle Methode ist es auch, dass Problem zu bewundern. „Wie machst du das nur?“ „Bring mir das bei!“ „Wenn ich das auch können möchte, was muss ich tun?“ Menschen mit Problemen fühlen sich ja gerne als Opfer. Tatsächlich tun wir immer etwas, um ein Problem zu behalten. Für Situation können wir manchmal nichts, es liegt jedoch in der Macht eines jeden, zu wählen, wie er mit der Situation umgeht. Problemorientierte Menschen vergessen das oft.

Eine Problemidentität erkennen: Es gibt Menschen, die definieren sich über Probleme und schlechte Gefühle. Sie wollen unbewusst das Problem behalten, weil es ihnen eine „sinnvolle“ Aufgabe gibt, ihnen hilft, den täglichen Fokus zu finden und einen Teil ihrer Persönlichkeit ausmacht. Ohne Probleme wüssten diese Personen nicht, wer sie sind. Diese Mitarbeiter kann man auch nicht aus ihrer Haltung befreien. Gebe dieses Vorhaben aus, das es nur unnötig Frust in Dir auslösen wird.

Versuche eine sachliche, souveräne Haltung zu bewahren über konkrete Ziele eine Möglichkeit der Führung zu finden. Hier kann nur die Ausdehnung dieser Haltung verhindert werden, in dem diese Person merkt, dass sie Dich mit ihren Problemen weder beeinflussen, noch beeindrucken kann. Füttere nicht den Dämonen, sondern lobe immer wieder Momente, in denen sich vielleicht kurzfristig eine andere Haltung zeigt.

Viel Erfolg beim Ausprobieren …

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
Headerbild © TSUNG-LIN WU (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Wie immer inspirierend und motivierend.

    Liebe Grüße
    Peter

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