Licht und Dunkelheit sind zwei Gegensätze, die uns ständig umgeben!

Licht und Dunkelheit

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 14 August 2014

Erst, wenn wir den Weg durch die Dunkelheit wagen, können wir dessen gewahr werden, was Licht wirklich bedeutet!

Licht und Schatten sind zwei Gegensätze, die uns in unserer Umwelt und genauso in uns selbst ständig umgeben. Diese zwei Pole sind Teil der Natur, genauso, wie es keine Münze ohne zwei Seiten geben kann. Trotzdem wollen wir uns immer wieder auf die helle Seite konzentrieren und flüchten oft vor den dunklen Seiten in uns selbst, die wir nicht mögen oder aushalten wollen. Wir stellen etwas ins „Licht“ oder in den „Schatten“. Das Spannende daran ist jedoch, dass wir durch diese Flucht vor der Dunkelheit nicht wirklich ins „Licht“ gelangen können. Das EINE bedingt das ANDERE. Wenn wir uns mit der Dunkelheit nicht auseinandersetzen wollen, verschwindet sie natürlich auch nicht.

VERDRÄNGEN ODER DISTANZIEREN heißt nicht INTEGRIEREN UND AUFLÖSEN!

Unsere Außenwelt ist dann ein Spiegel unser inneren Schatten: wir kämpfen gegen etwas oder jemanden, jemand macht uns wütend, neidisch oder ruft Angst in uns auf. Wir schließen dann daraus, dass der „Mensch“ oder dieser „Umstand“ dafür verantwortlich ist. Doch begegnen wir uns eigentlich nur immer wieder selbst: was wir innerlich nicht integriert und aufgelöst haben, nimmt im Außen Gestalt an. Man nennt diesen Schatten, dem wir immer wieder vermeintlich „begegnen“, diesem dunklen Gruß aus unserer Seele und unserem Herzen auch Projektion. Wir werden DEM im Außen begegnen, was wir selbst sind. Woran können wir erkennen, dass wir die dunklen Seiten unseres Selbst in den Schatten stellen und nur die angenehmen Seiten ins Licht rücken?

Frau oder Herr Sonnenschein: Menschen die sich ständig präsentieren wie auf der Bühne, verdrängen krampfhaft ihre dunklen Seiten: sie zeigen anderen (selbst ihrem Partner) ausschließlich die Schokoladenseite, sind täglich extrem gut „drauf“ und demonstrieren jedem Menschen: Ich genieße ständig und immer die Sonnenseite des Lebens, mir geht es blendend! Tief in ihrem Inneren sieht es oft anders aus. Doch gerade dadurch entstehen immer größere Schatten innerhalb dieser Personen. Zerrissenheit und Depression kann die Folge sein. Niemand darf ihr wahres Selbst sehen (sogar sie selbst nicht), weil sie sich selbst so nicht annehmen können. Ihre Schmerzen, ihre dunklen und traurigen Seiten werden oft durch krampfhafte „Überaktivität“ betäubt und mit großer Anstrengung verdeckt!

Frau oder Herr Rechtmacher(in): Das sind Menschen, die ständig mit allem einverstanden sind, keine Widerworte geben und die Harmonie betonen. Diese Menschen versuchen, die hellen Seiten in zwischenmenschliche Beziehungen zu beschützen und ignorieren ihre eigenen Bedürfnisse, Gefühle oder Widerstände. Was sie dabei oft vergessen: Manchmal müssen wir kurzfristig Disharmonie erzeugen, um langfristig Harmonie zu gewährleisten. Der Schatten wird sonst immer größer. Sie vergessen außerdem ihren ureigenen Beitrag zu einem „Wir“ in Beziehungen. Sie machen sich unsichtbar für andere Menschen und sich selbst. Das kann irgendwann zu körperlichen Symptomen führen, weil Bedürfnisse ignoriert werden.

Frau oder Herr Sauber: Das sind Menschen, die immer alles richtig machen und sich nie etwas zu schulden kommen lassen. Sie tun alles dafür, um die Umwelt davon zu überzeugen, dass sie ehrenswerte Bürger sind: 100% ehrlich, fleißig, korrekt, wertekonform, fehlerfrei, höflich, sauber, integer. Oft verdrehen sich diese Personen ihre Realität genau so, dass dieses Image bestätigt werden kann: Ich bin die Sonne und nur andere Menschen haben dunkle Seiten. Sie setzen sich perfekt in Szene, damit andere Menschen nur die glänzende Seite sehen. Dadurch verlieren sie sich aber selbst, weil sie nicht zu sich stehen. Sie verzichten auf tiefe und echte Beziehungen zu Menschen. Es gelingt ihnen niemals, sich zu öffnen.

Frau oder Herr Stark und Mächtig: Das sind Menschen, die um alles in der Welt ihre Macht und Kontrolle über das Geschehen behalten müssen. Schwäche gibt es nicht und darf es nicht geben. Sie ignorieren ihre Ängste und laufen davon, wenn es innerlich instabil wird, weil sie diese Gefühle nicht aushalten können. Ängste, Schwäche, Verletzlichkeit, Selbstzweifel oder Kontrollverlust müssen auf jeden Fall vermieden werden. Die zerbrechliche und sensible Seite wird abgespalten. Oft brauchen diese Menschen andere Menschen, um das Gefühl von Macht, Stärke und „Potenz“ gespiegelt zu bekommen. Dieses grandiose ICH, der „Sonnenkönig“, ist ein falsches Selbst, dass die inneren Zwiespälte und Schatten weiter wachsen lässt und das „kleine Kind“ in uns immer kleiner werden lässt, weil wir es in die Ecke drängen. Sich „einlassen“ ermöglicht es uns überhaupt erst, Nähe und Liebe in Beziehungen zu teilen. Da diese Personen das nicht können, sind sie sehr einsam.

Eins verbindet alle Beispiele: Wir werden blind für unser wirkliches ICH und leben mit einer Fälschung von uns, weil wir nur die eine Seite in uns erkennen und akzeptieren. Unser krampfhaftes Bestreben, im Licht zu sein, blockiert uns den Weg zum Licht.

Wie können wir wirklich Licht schaffen?

Wir nehmen die Dunkelheit an und stellen uns ihr mutig, anstatt sie zu bekämpfen oder zu flüchten. Wir bringen Licht in alle dunklen Ecken und verwandeln sie dadurch. Oft werden wir überrascht sein, wie schnell sich die Angstgespenster unserer Vorstellung dann auflösen. Wir brauchen Stärke dann nicht künstlich im Außen herzustellen oder zu demonstrieren, wir sind im Inneren stark. Wir können Kontrolle aufgeben, weil wir mit Schmerz und Verletzlichkeit umgehen können. Wir brauchen keinen verzerrten Spiegel mehr, weil wir uns voll und ganz akzeptieren. Wir müssen Harmonie nicht bewahren, sondern wir harmonieren uns immer wieder innerlich selbst, weil wir unsere inneren Signale ernst nehmen und Gegensätze ausgleichen.

Wir ignorieren unsere dunklen Seiten also nicht, sondern setzen uns bewusst damit auseinander. Wir begegnen anderen Menschen echt und nicht mit einem künstlichen Ich. Aus Dunkelheit wird Licht: Aus Schmerz, Ablehnung und Schwäche wird plötzlich Heilung, Liebe und Stärke. Stell Dir, vor, Du würdest eine Taschenlampe auf alle dunklen Seiten halten. Zunächst einmal erschreckst Du, dann beginnst Du klar zu sehen, aufzuräumen, Ordnung zu schaffen und befreist Dich selbst. Plötzlich erkennst Du, dass Deine innere Dunkelheit ein großes Geschenk für Dich bereit hält: Reife, Wachstum, Selbstwertgefühl und eine Quelle der Ruhe, Liebe und Freude. Die Dunkelheit nährt Dein Licht.

Wie könntest Du in Zukunft die Widrigkeiten und die dunklen Seiten in Dir selbst nutzen, um Dich selbst von Leid, Blockaden, Zerrissenheit, innerer Unruhe und Unzufriedenheit zu erlösen? Wo hast Du bisher versucht, die Dunkelheit zu ignorieren? Welche Seiten Deines ICH`s verdrängst Du? Was darf nicht sein? Was dürfen andere Menschen nicht sehen? Wovor hast du Angst? Wer löst Angst in Dir aus? Wie könntest Du Dir selbst anders begegnen und dadurch Grenzen auflösen? Wem gegenüber bist du nicht ehrlich? Warum tust Du das? Was könntest Du gewinnen, wenn Du Dich öffnest? Was verhinderst Du durch Deine Flucht vor Dir selbst? Was verlierst Du dadurch? Lebst Du in einer erfüllten Liebesbeziehung? Wie verhinderst Du das? Was kann sich ändern?

Licht und Schatten

Vielleicht könntest Du damit endlich einen langen inneren und äußeren Kampf beenden? Du bekämpfst nichts mehr – Du transformierst! Letztendlich übernimmst Du dadurch Verantwortung für Dich selbst und richtest Dich völlig neu aus, weil Dein Blick sich verändert. Vielleicht können jetzt endlich lang ersehnte Träume wahr werden, weil Du Dich gefunden hast. Plötzlich bist Du nicht mehr Opfer der Umstände, sondern kannst aktiv etwas tun! Du kannst alle Energie für Dich und Deine Träume nutzen, weil Du nicht mehr damit beschäftigt bist, Schutzmauern zu bauen. Du kannst etwas verändern, weil Du den Blick auf die Realität wagst und sie nicht mehr zu Deinen Gunsten bzw. zu Deinem Schutz künstlich veränderst. Du schaust hin und nicht weg, Du ignorierst nichts mehr. Was für ein ungenutztes Potenzial steht Dir plötzlich zur Verfügung?

Wichtig: Allem, was Du nicht mehr haben willst, musst Du zunächst begegnen, damit es sich auflösen kann. Alles, was Du bekämpfst, wird größer. Alles, was Du beiseite schiebst, verfolgt Dich. Es gibt keine Abkürzungen im Leben, genauso wenig, wie es nur Licht gibt oder nur Glück. Schöne Momente werden von Momenten voller Schmerz abgelöst. Das ist nicht so, was Du etwas falsch gemacht hast, sondern weil das Leben einfach so ist. Also, warum solltest Du das ignorieren oder bekämpfen, was schon längst da ist? Das kann nicht gut enden. Wo auch immer Du hinschaust, Du wirst diesen beiden Polen begegnen: Arm und reich, kalt und heiß, schnell und langsam, Glück und Schmerz, Leichtigkeit und Schwere, klein und groß, Festigkeit und Lockerheit, flüssig und fest, weich und hart, Bewegung und Stillstand, Leben und Tod, Mann und Frau. Das Leben ist BEIDES!

Je mehr Du das integrierst, desto schneller entsteht das Gefühl der Einheit, das Gefühl der Dualität löst sich auf, weil es zum Ganzen gehört. Du machst Deinen Frieden damit und gelangst ins „Licht“, weil Du die Dunkelheit nicht mehr negativ bewertest: Das, was ist, IST! Du kannst jede Sekunde neu entscheiden, ob Du dieses Gefühl von Einheit irgendwann erfahren möchtest oder ob Du durch das Gefühl der Gegensätze weiterhin Leid und Begrenzung erfährst …

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Headerbild © Brigitta Kemner

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Danke für deine Inspirationen. Ist immer gut mal andere Blickwinkel zu sehen…
    LG Dino

  2. Brigitta C. Kemner

    Lieber Dino, Danke für Dein Feedback. Es freut mich, wenn ich Dich inspirieren konnte.

  3. Hallo Brigitte, auf diesem Wege bedanke ich mich herzlich für die stets wunderbaren Newsletter, die ich seit geraumer Zeit erhalte. Ich danke dir besonders für diesen interessanten Beitrag, der mich nachdenklich stimmt. Ja es ist wahr, dass wir auch die Schattenseiten betrachten sollten, damit wir das lichtvolle auch schätzen lernen. Nichts ist immer toll und ich bin skeptisch, wenn mir jemand stets mit einem Dauergrinsen begegnet und sagt, alles ist super. Mögen viele den Beitrag konstruktiv nutzen und in sich gehen, da gibt es viel zu entdecken.
    Liebe Grüße Maria

  4. Brigitta C. Kemner

    Liebe Maria. Ja, so ist es. Letztendlich haben wir nichts davon, wenn wir die „Alltagsmaske“ der perfekten Show aufsetzen und darunter verbirgt sich ein einsamer und trauriger Mensch. Die extreme Betonung des eine Pols fördert nämlich auch den anderen Pol. Echt sein ist die Lösung! Ich freue mich, dass Dir mein Thema gefallen hat.

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