Die Vorbereitungen auf die Vorweihnachtszeit laufen auf Hochtouren doch was ist eigentlich der Sinn von Weihnachten?

Was ist Dein Sinn von Weihnachten?

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 13 November 2014

Schon jetzt können wir draußen die Vorbereitungen auf Weihnachten beobachten. Überall steigt Lärm und Betriebsamkeit, es wird geschmückt, es werden zahlreiche Geschenke präsentiert und gekauft, Termine für Feiern abgestimmt, Weihnachtsmärkte aufgebaut, es werden Karten geschrieben, Reden gehalten und es wird Personal für das Weihnachtsgeschäft eingestellt. Einige Aktionen werden auf das nächste Jahr gelegt, weil es sich in der „Vorweihnachtszeit“ nicht mehr lohnt. Viele Menschen kommen zusammen, mehr oder weniger freiwillig. Was tun wird dort eigentlich und warum tun wir das? Auf der Suche nach dem Sinn von Weihnachten bin ich auf ein Zitat von Jean-Paul Sartre gestoßen:

„Weihnachten ist ein Fest der Freude. Leider wird dabei zu wenig gelacht“

Jean-Paul Sartres Zitat ist heute noch so aktuell wie zu seiner Zeit. Es ist schon auffällig, wie verbissen, gestresst, unzufrieden, hektisch und grimmig viele Leute gerade in der Vorweihnachtszeit durch die Straßen laufen. Es wird fieberhaft überlegt, wem man was schenken und wo man was besorgen kann. Es werden Pläne für die Feier gemacht, die Menüfolge genauestens geplant und viel Arbeit in die Dekoration gesteckt. Es wird gearbeitet, angetrieben, gestritten und gestöhnt. Die 6 Wochen vor den eigentlichen „Fest“ sind wie ein lästiges Hindernis, das überwunden werden muss – keine Zeit! Wir bereiten uns mit einem riesigen Wahnsinn, Aufwand und Lärm auf ein paar Tage vor, die wir in unserem Gehirn als Idee gespeichert haben und die letztendlich rasend schnell vorbeirauschen und unseren Vorstellungen nie gerecht werden.

Was bei all dem auf der Strecke bleibt, ist tatsächlich oft die Freude und Herzlichkeit. Vor lauter Vorbereitung huscht das „Jetzt“ unbeachtet an uns vorbei. Wir haben vor Weihnachten keine Zeit und Ruhe, weil bald Weihnachten ist, am Weihnachtsfest keine Zeit und Ruhe, weil Weihnachten ist und danach nicht, weil jetzt der Alltag wieder beginnt. Freude entspringt weder dem Verstand, noch unseren Vorstellungen, noch dem Datum, noch der Organisation und Planung oder den „Dingen“. Freude ist einzig eine Gabe des Herzens und entspringt dem „JETZT“. Sie ist kein zukünftiges Ereignis, was eintritt, wenn wir darauf warten oder uns darauf vorbereiten. Weihnachten die Geburt des Lebens und der Freude ist täglich.

Wenn wir nicht täglich Freude im „Jetzt“ spüren und uns lebendig fühlen, werden wir es an Weihnachten auch nicht fühlen, weil wir die Fähigkeit dazu nicht in uns erweckt haben. Wir sind dann weiterhin Opfer der unruhigen, gestressten, unzufriedenen und freudlosen Konditionierung unseres Verstandes. Viele würden sich und ihren Lieben einen deutlich größeren Gefallen tun, wenn sie sich weniger Gedanken über das Fest als über die Menschen machen würden. Wenn sie das Miteinander in den Mittelpunkt stellen würden und nicht den Austausch von Geschenken, den Wettbewerb für das beste Menü oder Kleid und die perfekte Location. Sie würden sich viel lebendiger fühlen, wenn sie Nähe zulassen könnten und ihre Gefühle mit Menschen teilen könnten, die ihnen tatsächlich innerlich nahestehen. Wenn sie sich öffnen würden.

Mich bringt Weihnachten immer sehr stark in Kontakt mit den kindlichen Anteilen in mir. Mit meinem Staunen über die vielen Glitzerlichter, mit meiner aufgeregten Neugier, mit besinnlicher Musik und mit meiner tiefen Sehnsucht danach, Geborgenheit zu fühlen und innerhalb der Familie glücklich zu sein. Ich denke aber manchmal auch an die enttäuschten Erwartungen und den Stress, die oft mit diesem Fest verbunden waren – bei mir und bei anderen. Es entsteht dort dieser Wunsch nach „Besinnlichkeit“.

Wie es dem Wort schon zu entnehmen ist, Besinnlichkeit hat etwas mit unseren Sinnen zu tun: fühlen, hören, sehen, riechen, schmecken. Besinnlichkeit gibt es nur im „Jetzt“, nicht dann, wenn wir mit unseren Gedanken schon wieder dabei sind, zu bewerten oder zu planen. Aus der bewussten, wachen, sinnlichen Wahrnehmung des jetzigen Momentes entsteht in uns Freude, und zwar unabhängig vom Datum.

Konzentriere Deinen Einsatz in dieser Zeit vielleicht eher auf die Emotionalität der Weihnachtszeit, auf liebe Menschen, die Du beschenken möchtest und auf das, was möglich ist. Und so entsteht Raum für Freude. Selbst, wenn der jetzige Moment sich gerade nicht schön für Dich anfühlt – spüre die Emotionen, die damit verbunden sind und gib ihnen Raum. Ich möchte Dich ermutigen, die besinnliche Zeit und Weihnachten für Dich zu einem Fest der Freude zu machen. Entziehe Dich all den hohen Anforderungen, aufgebauschten Theaterstücken, Oberflächlichkeiten, dem Stress sowie dem Druck und mache Weihnachten zu Deinem Freudenanlass – für Dich selbst und für die, die Dir besonders wichtig sind.

Vielleicht gibt es stattdessen etwas, womit Du Dir selbst wieder ein Stück Lebendigkeit schenken kannst? Halte ein wenig innere Ausschau nach dem, was Dein eigenes Herz erfreut, investiere in echte Beziehungen, steige aus dem allgemeinen Trubel aus und höre auf, Dir oder anderen etwas vorzumachen. Habe die bewusste Aufmerksamkeit, Dich auch schon vor Heiligabend an Lichterketten und Kerzenglanz zu erfreuen und Plätzchenduft genussvoll aufzunehmen anstatt Dich voller Hektik auf die drei Feiertage vorzubereiten.

Vergiss die Bemühung, es allen recht zu machen, sondern denke daran, zu leben. Vielleicht gibt es jemanden, dem Du mit Deiner Anwesenheit ein viel größeres Geschenk machen kannst, als mit anderen Geschenken. Vielleicht gibt es Menschen, die eine Entscheidung verdient haben, ein offenes Wort, Klarheit, Ehrlichkeit oder Zeit? Welche Menschen öffnen Dein Herz? Welche Rolle spielen diese Menschen momentan in Deinem „Jetzt“? Natürlich bedarf es Mut, Weihnachten zu einem freudigen Fest zu machen. Du wirst belohnt werden, denn Lebendigkeit ist das schönste Geschenk!

B e S I N N l i c h k e i t im jetzigen Moment macht jeden Tag zu Weihnachten

Headerbild © Konstantin Yuganov (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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