Logische Ebenen können unser Wohlbefinden beeinflussen und steuern!

Die Logischen Ebenen nutzen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 22 Mai 2014

Wie erreiche ich erfolgreich mein Ziel? Wie gelingt Veränderung nachhaltig? Unser Gehirn organisiert sich auf unterschiedlichen logischen Ebenen und ordnet dort unsere Realität. Wenn Dir diese logischen Ebenen und ihre Funktionen bewusst sind, kannst Du sie für Veränderung nutzen. Die zentrale Ebene, die unser Verhalten steuert, ist die Ebene der Werte sowie der Einstellungen und inneren Überzeugungen. Ist Dein neues Verhalten dort nicht konstruktiv verankert, ist keine nachhaltige und dauerhafte Verhaltensänderung möglich.

Schon Albert Einstein sagte anno dazumal: “Ein Problem kann man nicht mit der Art des Denkens lösen, die es geschaffen hat“

Die logischen Ebenen sind ein einfaches und elegantes Modell zur Beschreibung von ganzheitlicher persönlicher Veränderung. Ziel dabei war es, ein Instrument zu entwickeln, das einem persönlich hilft, sich und seine Umwelt besser zu verstehen. Das Modell stammt ursprünglich von Robert Dilts aus den 80er Jahren. Er entwickelte es in Anlehnung an die Logischen Ebenen von Gregory Bateson zur Klassifizierung von Hierarchien im Lernen und im Kommunikationsprozess. Zur Veranschaulichung folgende Veränderungssituationen, die jeder kennt:

  • Du würdest Dich gerne selbstständig machen und traust Dich nicht
  • Du willst dem Kunden etwas anbieten und er lässt sich nicht überzeugen
  • Du willst gesünder essen und trotzdem gewinnt der Heißhunger immer wieder
  • Du willst Sport machen und kaufst einen Crosstrainer aber benutzt ihn nicht
  • Du würdest so gerne wieder voll arbeiten aber eine Krankheit jagt die andere
  • Du hast einen lieben Menschen verloren und seitdem macht nichts mehr Sinn
  • Du möchtest auch einmal früher Feierabend machen und es klappt nie
  • Du bist im Job unzufrieden und wechselst immer wieder die Stelle

Die Logischen Ebenen liefern Informationen über den besten Punkt, an dem eine Veränderungsarbeit ansetzen sollte. Laut Dilts organisiert jede Ebene die Informationen der darunter liegenden Ebene. Eine Veränderung auf einer höheren Ebene führt in der Regel meist zu weiteren Veränderungen auf tieferen Ebenen. “Um eine Fähigkeit zu verändern, muss ich auf der nächsthöheren Ebene sein; auf der Ebene der Glaubenssätze. Und um einen Glaubenssatz zu verändern, um aus dem Einflussbereich meiner Glaubenssätze herauszukommen, so dass ich sie mir wirklich anschauen und sie verändern kann, muss ich anfangen, aus meiner reinen Identität heraus zu operieren“ (Dilts, S. 67-68).

Bei einigen Autoren wird zwischen den beiden Ebenen „Identität und Spiritualität“ eine weitere zusätzliche Ebene eingefügt; die Ebene der „Zugehörigkeit“. Andere Autoren verbinden diese Ebenen miteinander, um der Tatsache gerecht zu werden, dass manche Menschen zwar mit Spiritualität nichts verbinden, wohl aber mit der Zugehörigkeit und dem Eingebundensein in ein soziales System.

Beschreibung der Logischen Ebenen


Umfeld: Die logische Ebene der Umwelt enthält alle äußeren Bedingungen, die auf eine Person einwirken. Dies beinhaltet alles, worauf wir persönlich reagieren, bspw. unsere Umgebung und andere Menschen, denen wir begegnen.

Beispiele: Unsere Wohngegend ist zentrumsnah. Der Krach macht Ruhe unmöglich.
Fragen: Wo lebst Du? Wo kannst Du dich entspannen?

Verhalten: Dies sind unsere konkreten Handlungen: Die Ebene des Verhaltens bezieht sich auf alle beobachtbaren Aktionen und Reaktionen einer Person, die von außen, bspw. durch andere Menschen oder Geschehen, wahrnehmbar sind.

Beispiele: Ich gehe heute nicht Laufen. Du hast einen leckeren Kuchen gebacken.
Fragen: Was genau tust du? Was machst du?

Fähigkeiten: Dies sind die Gruppen oder Klassen von Verhaltensweisen sowie allgemeinen Fertigkeiten und Strategien, die wir in unserem Leben benutzen: Fähigkeiten sind innere Prozesse, die von außen nicht direkt wahrnehmbar sind. Fähigkeiten sind kognitive und emotionale Prozesse, die eine Person durchläuft, damit ein bestimmtes Verhalten möglich wird.

Beispiele: Ich bin außerstande eine Beziehung zu führen. Du kannst nicht gut Auto fahren.
Fragen: Wie gelingt Dir X nur so gut? Was musst Du noch lernen?

Glaubenssätze: Dies sind die verschiedenen Leitideen, die wir für wahr halten und als Grundlage unseres Handelns benutzen. Die Glaubenssätze, Einstellungen und Werte können sowohl Berechtigungen (Erlaubnis) als auch Einschränkungen (Verbote) beinhalten. Die inneren Kriterien, die dem Handeln (bewusst und unbewusst) zugrunde liegen, sind die höchsten Werte und eigentlichen Motive einer Person. Hier geht es um die Leitideen, die Menschen für wahr halten und die Menschen als Motive für den Einsatz ihrer Fähigkeiten anwenden. Glaubenssätze sind individuelle Theorien, warum etwas so und nicht anders ist.

Beispiele: Nicht zur Wahl zu gehen ist nicht in Ordnung. Wenn Du nicht isst scheint morgen die Sonne nicht.
Fragen: Was ist Dir wirklich wichtig? Warum tust Du das?

Vision & Sinn: Dies ist die tiefste Ebene, wo wir die größten sinngebenden Fragen im Leben betrachten und umsetzen. Warum sind wir hier? Was ist der Sinn des Lebens? Diese spirituelle Ebene leitet und formt unser Leben und gibt unserer Existenz eine Grundlage. Jede Veränderung auf dieser logischen Ebene hat tiefgreifende Auswirkungen auf alle Ebenen.

Beispiele: Ich werde für mehr Gerechtigkeit auf der Welt sorgen. Mit Hilfe von Meditation führe ich ein erfülltes Leben.
Fragen: Wofür tust Du das? Was ist meine Aufgabe?

Identität: Dies ist das grundlegendes Selbstbild und die Vorstellungen, die Menschen von sich als ganze Person in ihrem Verhalten, in ihren Fähigkeiten und in ihren Überzeugungen meist unbewusst mitkonstruieren.

Beispiele: Ich bin ein erfolgreicher Mann. In meiner Sportart bin ich unschlagbar.
Fragen: Wer bist Du? Was denken andere über Dich?

Zugehörigkeit: Auf dieser logischen Ebene geht es um unsere berufliche, familiäre, gesellschaftliche oder wie auch immer geartete persönliche Zugehörigkeit oder grundlegende Verbundenheit.

Beispiele: Ich fühle mich meiner Familie tief verbunden. Du gehörst zu den Veganern.
Fragen: Wem fühlst Du Dich nahe? Wer noch?

Neurologische Aspekte

Dilts führte sein Konzept mit folgenden Worten ein: “Das Gehirn ist wie jedes biologische oder soziale System in Form von Ebenen organisiert. Das Gehirn hat verschiedene Verarbeitungsebenen. Das ist der Grund, weshalb verschiedene Ebenen des Denkens und des Seins existieren“. Wenn wir das Gehirn verstehen oder Verhaltensweisen verändern wollen, müssen wir uns mit diesen unterschiedlichen Ebenen befassen. Doch wie sind die Ebenen im Alltag zu erkennen? Meistens sind nur die letzten beiden Ebenen „Umgebung und Verhalten“ direkt für andere offensichtlich. Alle weiteren Ebenen können wir erfahren, wenn wir uns mit einer Person z.B. durch Fragen näher beschäftigen oder diese Person gut kennen. Wenn Menschen über sich und ihre Ansichten, Erlebnisse oder Wünsche sprechen, dann teilen sie uns auch immer ihre Kategorien mit.

Verhalten wird aber immer von den darüber liegenden Ebenen beeinflusst und gesteuert. Zum Beispiel beeinflusst meine Einstellung wesentlich, was ich tue. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ich nicht schwimmen kann, dann werde ich nie in einen Schwimmverein eintreten oder nie mit einem Bekannten schwimmen gehen. Irgendetwas hält mich davon ab. Wenn ich diese innere Einstellung überprüfe und annehme, dass ich es aber lernen kann und ich mir bewusst mache, dass es mir viele Vorteile bringt, schwimmen zu können, dann werde ich evtl. meine Chance nutzen und es mir beibringen lassen. Mache ich die positive Erfahrung, dass es mir gelingt, dann werde ich mein Verhalten aufgrund der neuen Überzeugung „Ich kann schwimmen“ verändern.

Wenn wir unser Verhalten verändern möchten, so ist dies leichter möglich, wenn wir unsere Einstellungen prüfen und verändern. Veränderungen passieren im Modell am leichtesten von oben nach unten. Man kann die Ebenen nutzen, um zu klären, wo ein Problem auf der Arbeit oder im Privatbereich angesiedelt ist und auf welcher Ebene die Veränderungsarbeit mindestens ansetzen muss. Sie schaffen Verständnis, wie sich z.B. ein Streit oder eine Diskussion hochschaukeln kann und wie man dem Streit oder der Diskussion rechtzeitig gegensteuern kann. Sie helfen, zu anderen Menschen Vertrauen und eine gute Beziehung aufzubauen und ihre Motive nachzuvollziehen. Sie können bei Verhandlungen oder Verkaufsgesprächen als Grundlage für Überzeugungsarbeit dienen.

Man kann die Logischen Ebenen als Hilfe für Ziele nutzen, indem man sich Ressourcen und positive Qualitäten, die in jeder Ebene enthalten sind, bewusst macht (Was hilft mir dort? Was nutze ich? Was brauche ich?) Es hilft einem selbst dabei, Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln, wenn man ein Ziel erreichen möchte oder in einem Konflikt fest steckt. Man geht in Gedanken z.B. einfach eine Ebene höher und reflektiert das Thema aus dieser Position! Was kann ich ändern? Was müsste sich ändern, damit das gewünschte Ziel erreicht werden kann? Ebenso kann man eigenes Verhalten besser verstehen lernen, wenn man weiß, auf welcher Ebene die dazugehörigen inneren Prozesse ablaufen.

Beispielfragen

Umwelt: Wo bist Du gerade? In welcher Situation bist Du? Welche Reaktionen zeigt die Umwelt? Wie muss Dein Umfeld sein, um das Ziel positiv zu unterstützen? Wo fühlst Du Dich wohl? Verhalten: Welche Aktionen haben geholfen? Was tust Du? Welches Verhalten ist jetzt zielführend? Fähigkeiten: Welcher Zustand hilft Dir? Welche Strategien wendest Du an? Welche Fähigkeiten nutzt Du? Was musst Du noch lernen? Glaube und Werte: Was motiviert Dich? Welche Einstellungen helfen Dir? Was ist dabei wichtig und wertvoll für Dich? Was blockiert Dich? Was darfst Du nicht oder musst Du? Identität: Wie siehst Du Dich? Wer bist Du und wie denkst Du von Dir? In welcher Rolle trittst Du auf? Zugehörigkeit: Wem fühlst Du dich verbunden? Welcher Gemeinschaft fühlst Du Dich nahe? Vision: Was gibt Dir Kraft und Sinn? Wofür tust Du das? Was ist Dein WARUM?

Headerbild © Helder Almeida (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Liebe Frau Kemner,

    ich habe Ihren Beitrag mit großer Neugier und großem Interesse gelesen, und das, obwohl ich die These von Herrn Prof. Gerhard Roth (Hirnforscher) eher teile, nämlich „Es ist schwierig sich und andere zu verändern“.
    Ich persönlich glaube, dass der Mensch Grenzen ausgesetzt ist. Nichtsdestotrotz bin ich auch der Meinung,
    dass jeder versuchen sollte, an sich zu arbeiten. Inwieweit es einem gelingt, hängt sicherlich mit den Genen
    und Vorerfahrungen ab. Es ist schade, dass mein Deutsch nicht übermäßig gut ist, denn gerade in dem
    Bereich „Psychologie“ könnte ich mich stundenlang austauschen. 🙂

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