Der innere Antreiber, ich will es allen recht machen, ist bei vielen Menschen stark ausgeprägt!

Das Bedürfnis es allen recht machen zu wollen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 1 Februar 2015

In meiner heutigen Inspiration habe mich für Euch mit dem Bedürfnis, es allen recht machen wollen, ein wenig intensiver beschäftigt. Denn wenn es zu Diskussionen kommt oder wenn Entscheidungen getroffen werden sollen, ist bei vielen Menschen der innere Antreiber „ich will es allen recht machen“ sehr stark ausgeprägt. Aus diesem Grund möchte ich meine heutigen Inspirationen mit einem Zitat des griechischer Philosoph Platon beginnen, welches wunderbar zu diesem Thema passt:

„Ich kenne keinen sicheren Weg zum Erfolg, aber einen sicheren Weg zum Misserfolg: es allen recht machen zu wollen“

Viele Menschen sind darauf bedacht, ihr Umfeld zufriedenzustellen und die Erwartungen und Ansprüche ihrer Mitmenschen zu befriedigen. Sie richten ihren Selbstwert und ihr Wohlbefinden nach der Bewertung und den Aussagen anderer Menschen aus. Wie sieht es bei Dir aus? Bewerte folgende Fragen einmal mit einer Punktzahl von 1 (trifft nicht zu) bis 5 (trifft vollkommen zu):

• Es ist wichtig für mich, von anderen akzeptiert zu werden.
• Es ist mir wichtig, von anderen zu erfahren, ob ich etwas gut gemacht habe.
• Ich denke oftmals darüber nach, was andere über mich denken oder denken sollen.
• Ich fühle mich verantwortlich, dass diejenigen, die mit mir zu tun haben, sich wohl fühlen.
• Ich versuche oft herauszufinden, was andere von mir erwarten, um mich danach zu richten.
• Wenn jemand sich über mich ärgert, tue ich alles dafür, dass es wieder gut wird zwischen uns.
• Bei Diskussionen lasse ich mich schnell umstimmen, um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
• Wenn jemand nicht meiner Meinung ist, schwäche ich meist meine Äußerungen ab.
• Es fällt mir schwer, Entscheidungen ohne die Zustimmung von anderen zu treffen.
• Ich stelle meine Wünsche und Bedürfnisse zugunsten anderer Personen zurück.
• Es ist mir unangenehm, andere Leute zu kritisieren.

Wie fällt Dein Ergebnis aus? Bei einem Ergebnis von 40 oder mehr Punkten trifft der Antreiber „ich will es allen recht machen“ ziemlich deutlich auf Dich zu. Grundsätzlich ist es eine hilfreiche und gute Eigenschaft, die Bedürfnisse und Erwartungen anderer Menschen im Blick zu haben. Nachteile und Stress bringt es allerdings dann, wenn ein bewusster oder unbewusster Zwang daraus wird. Warum? Ganz einfach: Du wirst es niemals allen recht machen können!!! Es wird immer jemanden geben, dem etwas nicht gefällt. Es gibt noch weitere Gründe, warum Du dieses Bedürfnis ein wenig genauer unter die Lupe nehmen darfst:

– Eine Meinung, Bewertung oder Erwartung ist immer subjektiv. Wenn Du Dich nach anderen richtest, führst Du deshalb kein „richtiges“ Leben, sondern das Leben der anderen Personen. Auf jeden Fall in keinster Weise Deins.
– Menschen, die diesen Antreiber haben, handeln weder frei, noch selbstlos. Dieses Verhalten bringt einen Nutzen: z.B. Vermeiden von Konflikten, Ruhe, kein Druck oder Gegenwind, Beliebtheit, Sympathie (Du bist pflegeleicht), Minderwertigkeitsgefühle oder Schuldgefühle kompensieren.
– Bedürfnisse, die wir ignorieren, kehren oft als Krankheitssymptom wieder zurück. Wir können unsere Bedürfnisse nicht wegdrücken.
– Wer sich nicht wichtig nimmt, ist zwar sympathisch aber nicht geachtet. Andere Menschen werden Dir niemals mehr Beachtung schenken als Du Dir selbst.
– Der einzige Weg zu einem erfüllten Leben führt über die Achtung Deiner Bedürfnisse. Es gibt keine wichtigere Beziehung im Leben als die zu Dir selbst.

Würdest Du an diesem Antreiber gerne etwas ändern? Was kannst Du tun? Wichtig: Es geht nicht darum, den Antreiber abzustellen oder ins Gegenteil zu drehen, sondern darum, ihn abzuschwächen. Lerne Dich zunächst kennen, denn Bewusstheit ist die Basis. Du kannst nichts verändern, was Du es nicht genau kennst und erforscht hast.

– Wann neigst Du besonders zu diesem Verhalten? Immer oder nur bei bestimmten Personen oder Situationen?
– Welche Ängste löst die Vorstellung aus, einmal anders zu handeln? Was wäre so schlimm daran? Und was wäre wiederum so schlimm daran? Du kannst diese Frage so oft stellen, bis Du Deine Grundangst herausgefunden hast. Werde Dir bewusst, dass diese Grundangst in Deiner Kindheit entstanden ist. Heute bist Du erwachsen und die Welt sieht anders aus.
– Wie oft kritisiert oder ermahnt Dich Deine strenge Stimme im Kopf: „was denkt er/sie jetzt über Dich?“ „XXX hätte viel besser sein können“, „bloß nicht unbeliebt machen“…. Reagierst Du sofort auf diese Stimme? Muss das so sein?
– Machst du immer den ersten Schritt zur Versöhnung? Warum? Was kannst Du nicht aushalten?
– Wo sagst Du „JA“, obwohl Du „NEIN“ fühlst? Wohin führt Dich das langfristig?

Ertappe und beobachte Dich bei diesem Verhalten immer wieder. Stelle Dir vor, dass Du den Ablauf und Aufbau einer alten „software“ in Deinem Gehirn erfassen möchtest. Versuche jetzt Schritt für Schritt eine neue „software“ aufzuspielen. Wähle kleine konsequente neue Gedanken und Verhaltensweisen.

1. „Ich bin nicht GEGEN jemanden, wenn ich eine andere Meinung habe, sondern ich stehe zu meinem Standpunkt. Ich bin FÜR MICH.
2. Ich darf Grenzen kommunizieren und „NEIN“ sagen, wenn mir danach ist.
3. Meine Bedürfnisse sind genauso wichtig, wie die von anderen Menschen.
4. Ich bin wertvoll, weil ich wertvoll bin. Ich brauche das nicht ständig durch Anpassung unter Beweis stellen.
5. Manchmal muss ich kurzfristig einen Konflikt aushalten oder erzeugen, um langfristig Harmonie und Gesundheit zu schützen.
6. Der Weg des geringsten Widerstandes ist nur eine Kurzzeit-Lösung.
7. Wenn andere etwas ablehnen, was ich tue oder mag, lehne sie nicht mich als Mensch ab. Sie äußern sich nur über sich selbst und teilen mir ihre innere Welt mit. Solange ich mich nicht selbst ablehne, kann mir niemand durch Ablehnung Schmerz zufügen.

Versuche den tieferen Sinn dieser neuen Haltung zu verstehen und zu verinnerlichen. Beobachte auch, welche positiven Ergebnisse durch die neuen Verhaltensweisen entstehen. Das hilft Dir, Deine Unsicherheit und eventuelle Zweifel zu überwinden. Gebe der Entwicklung ein wenig Zeit. Du kannst nicht von heute auf morgen alles verändern. Es ist ein Prozess, der sich nach und nach vollzieht …

Headerbild © Pathdoc (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Danke..man kann es wirklich niemals allen recht sein…Ihre Worte haben mir sehr geholfen besser meine Arbeitssituation zu verstehen.

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