Auf die eigene Chronobiologie achten und diese für mehr Wohlbefinden nutzen

Chronobiologie nutzen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 6 Oktober 2015

Die Chronobiologie befasst sich mit der zeitlichen Organisation von biologischen Systemen. Sie untersucht Regelmäßigkeiten und rhythmisch wiederkehrende Faktoren in der Lebensweise von Individuen. Der moderne Lebensstil weicht immer mehr von der ursprünglichen biologischen Uhr ab und unsere Rhythmik wird durcheinander gebracht. Alle diese Faktoren begünstigen das Auftreten von Stress, Unwohlsein und Erkrankungen wie z.B. Depressionen. Chronobiologie Forschungen können helfen, das immer mehr von der natürlichen Rhythmik abweichende Leben besser zu meistern.

Haben Menschen einen unterschiedlichen Biorhythmus oder ist das ein Märchen?
Es gibt Zeiten, in denen wir sehr produktiv sind und andere, in denen wir eher Ruhe brauchen. Das hängt tatsächlich vom individuellen Biorhythmus ab. Chronobiologen benennen unterschiedliche Typen: Eule oder Lerche. Die Basis ist genetisch festgelegt. Die innere Uhr von Eulen und Lerchen kann sich bis zu zwei Stunden unterscheiden. Ob Lerche oder Eule, man bleibt, was man ist. Das ist vergleichbar mit der Augenfarbe.

Natürlich gibt es innerhalb des Alters und unterschiedlichen Lebensphasen auch Verschiebungen. Man kann sich zwar einen anderen Rhythmus angewöhnen, trotzdem bleibt die genetische Prägung gleich. Aus Untersuchungen von Schlafforschern weiß man beispielsweise, dass Frühaufsteher daher meist auch bessere schulische Leistungen aufweisen, während die Nachtmenschen häufiger neugierig, kreativ und offen für neue Impulse sind.

Lerchen schnitten abends bei kreativen Aufgaben am besten ab. Morgens waren sie bei logischen Analyseaufgaben und in der Problemlösung am stärksten. Bei Eulen konnte man ein umgekehrtes Muster beobachten: Abends und nachts war die Fähigkeit zur logischen Analyse am stärksten ausgeprägt während sie in den frühen Morgenstunden die kreativsten Ideen hatten. Über ein Viertel aller Deutschen, so schätzen Chronobiologen, sind entweder ausgeprägte Früh- oder Spättypen.

Vor allem die Eulen leben in einem permanenten „sozialen Jetlag„: Wenn sie vom Wecker früh am Morgen aus ihrer gerade erst begonnenen Nachtruhe gerissen werden, häufen sie im Alltag ein immer größeres Schlafdefizit an. Dieses Schlafdefizit wird meist am Wochenende ausgeglichen. Aber auch Lerchen können unter dem Konflikt zwischen gesellschaftlichen Ritualen und innerer Uhr leiden. Wenn sie sich beispielsweise am Wochenende dem Druck ihrer „Eulen-Freunde“ anpassen und viel zu spät ins Bett gehen, dennoch am Morgen zur gewohnt frühen Zeit aufwachen, können sich auch Schlafprobleme oder Defizite ergeben.

Welche Konsequenzen hat das für Deinen Alltag?
Wer dauernd gegen seine biologischen Uhr lebt, ist anfälliger für organische oder psychische Erkrankungen und greift häufiger zu Nikotin, Süßigkeiten, Koffein und Alkohol. Wer seinen eigenen Chronorhythmus kennt und seinen Alltag daran zumindest in Tendenzen orientiert, kann seine Leistung, Motivation, Kreativität und Produktivität deutlich verbessern. Du kannst schwierige Aufgaben in Deinen Hochphasen erledigen und die weniger wichtigen Aufgaben in den Phasen mit wenig Energie.

Wenn Du weißt, ob Du Eule oder Lerche bist, kannst Du Deine Hoch- und Tiefphasen einschätzen und entsprechend planen. Vielleicht ist es Dir sogar möglich, Deine Arbeitszeit, Termine und Prioritäten entsprechend zu steuern.

Falls Du Deinen Typ nicht kennst: Achte ein bis zwei Wochen lang bewusst darauf, wann Du am leistungsfähigsten bist und zu welchem Zeitpunkt Du nicht konzentriert bist oder Dich nicht so energiereich fühlst. Dokumentiere Deine Beobachtungen und versuche Tendenzen zu erkennen. Hilfreiche Fragen, um Tendenzen zu erkennen, sind unter anderem:

  • Zu welcher Wunschzeit gehst Du Abends gerne ins Bett?
  • Wann entspannst Du in den späten Abendstunden am liebsten?
  • Bis wann kannst Du Abends noch geistig konzentriert arbeiten?
  • Wachst Du morgens ohne Wecker früh oder spät auf?
  • Wie leicht fällt es Dir früh aufzustehen und fit zu sein?
  • Kommst Du nur langsam oder schnell in Gang?
  • Wann fühlst Du besonders viel Energie?
  • Wann bist Du besonders kreativ?

Headerbild © Silkstock (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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