Disziplin ist das Beherrschen des Willens und der Gefühle, um etwas zu erreichen!

So klappt es mit der Disziplin

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 4 September 2015

Fast jeder von uns wünscht sich in dem einen oder anderen Bereich mehr Disziplin. Wir wünschen uns zwar mehr davon, verbinden mit dem Begriff aber oft eine unangenehme Vorstellung. Für viele ist „Disziplin“ nicht gerade etwas Positives.

Militärdrill
Anstrengung
Mangel an Freiheit
Strenge oder Härte
Überwindung
kein Spaß
Strafen

Doch was genau ist eigentlich „Disziplin“? Im Wörterbuch kann man z.B. Folgendes lesen:
„Disziplin ist das Beherrschen des eigenen Willens, der eigenen Gefühle und Neigungen, um etwas zu erreichen“

Disziplin ist also nichts, was allumfassend sein muss, sondern wir können punktgenau diszipliniert sein, wenn wir z.B. ein Ziel erreichen wollen. Zur Disziplin kann man von außen gezwungen werden und zwar von Menschen, die in einer machtvollen Position sind, wie z.B. Eltern, Lehrer, Vorgesetzte o.ä. Deshalb hat dieser Begriff bei vielen Menschen einen negativen Beigeschmack. Wir müssen etwas tun, was wir nicht wollen! Hierzu ein neuer Gedanke:

Selbstdisziplin hat etwas mit Deiner Macht zu tun!
Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegen- wirken (Def. Wikipedia). Mehrere Langzeitstudien der letzten Jahrzehnte ergaben, dass das in Tests und Untersuchungen ermittelte Maß der Fähigkeit zur Selbstdisziplin in der Kindheit ein sicheres Indiz war für vielfältigen Erfolg im späteren Erwachsenenleben.

Der freie Wille besteht nicht in der Freiheit, das zu tun, was man tun möchte, sondern in der Kraft, das zu tun, was getan werden muss, um das zu erreichen, was man wirklich möchte“. Selbstdisziplin heißt, Macht über sich selbst zu haben…
Das ist doch sehr positiv und erfolgsversprechend oder? Aber warum haben wir oft nicht genug Disziplin?
Dass wir uns so leicht ablenken lassen, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben:

fehlender Sinn
fehlende Anreize
fehlende Motivation
Unehrlichkeit zu uns selbst
anderes ist wichtiger oder angenehmer
unbewusste Widerstände
vorhandener Trotz
Angst zu versagen

Wir disziplinieren uns in einem Bereich zu viel und der Ausgleich oder Entspannung fehlt. Für andere Bereiche bleibt dann
nicht mehr genug Disziplin übrig. In unserem Innern wird jedes Bedürfnis durch einen Persönlichkeitsanteil repräsentiert. Man nennt es auch das „Innere Team“. Alle Entscheidungen werden durch das Team entweder genehmigt oder abgelehnt. Diese verschiedenen Persönlichkeitsteile wirken also alle auf uns ein und können sich gegenseitig im Wege stehen, weil sie z.B. unterschiedliche Interessen verfolgen.

Wie kannst Du Disziplin trainieren?
Der erste Weg zu Veränderung läuft über Selbsterkenntnis. Es ist empfehlenswert, einmal herauszufinden, wie es tatsächlich um Deine Selbstdisziplin bestellt ist. Notiere Deine Vorhaben und Deinen Tätigkeiten. Vielleicht bist Du sogar diszipliniert, bemerkst es aber gar nicht, weil Du nur auf die Dinge schaust, wo es nicht gut klappt. Versuche einmal gezielt, Deine Vermeidungsstrategien zu erkennen: Was tust Du, wenn Du einer Aufgabe oder einem Vorhaben ausweichst? Wie oder womit lenkst Du Dich ab? Und wie fühlst Du Dich vorher, dabei und nachher?

Erkunde Dich selbst sehr genau. Bleibe bei dem, was wirklich möglich ist und verliere Dich nicht in Wunschdenken. Es kommt häufig vor, dass sich jemand etwas vornimmt, was schon rein vom Zeitaufwand her überhaupt nicht zu schaffen ist, weil die Person noch andere wichtige Dinge tun muss o.ä. Ebenso wird es oft zur Gewohnheit, sich mit neuen Zielen zu beruhigen,
aber denn doch nicht aktiv zu werden. Hilfreiche Fragen:

Wie wichtig ist mir die Aufgabe wirklich?
Was genau ist die Aufgabe und wie lange dauert sie?
Was konkret brauche ich, um diese Aufgabe anzugehen?
Wie muss meine Umgebung beschaffen sein, damit es mir möglich ist, diese Arbeit zu erledigen?
Was hält mich möglicherweise davon ab und wie könnte ich das verhindern?
Was genau brauche ich alles, um sie fertig zu stellen?
Was tue ich wann und wo?

So startest Du am besten: Sorge für nötige Motivation. Was ist der Sinn an dieser Aufgabe? Suche einen günstigen Zeitpunkt, um die Aufgabe zu erledigen. Denke nicht darüber nach, ob Du Lust hast, sondern tue es einfach. Werde Dir der negativen Folgen bewusst, wenn Du die Aufgabe nicht erfüllst. Wo wirst Du langfristig landen? Teile komplexe Aufgaben in kleine Stücke und erledige diese Teilstücke so schnell wie möglich. Wie kannst Du die Aufgabe angenehmer gestalten? Suche Dir in Deinem Umfeld einen Mentor, von dem Du lernen kannst oder jemand, der die ersten Schritte begleitet. Belohne und lobe Dich! Belohne Dich nur, wenn Du alles erfüllt hast. Genieße die Belohnung mit vollem Bewusstsein und sei stolz auf Dich.

Hin und wieder wird es vorkommen, dass trotz der genannten Faktoren nicht möglich ist, diszipliniert bei der Sache zu bleiben. In den meisten Fällen werden das innere Widerstände sein oder eine unausgewogene Planung. Welchen Grund kann es haben, dass ich diese Aufgabe nicht machen will (innere Beweggründe, Ängste, Muster)? Habe ich möglicherweise einen Nutzen davon, die Aufgabe nicht zu erledigen (was bleibt mir erspart wenn ich nicht fertig werde)? Welcher Teil in mir blockiert eigentlich? Und welcher will die Aufgabe angehen? Wie kann ich eine innere Einigung erzeugen? Verlange ich vielleicht zu viel von mir? Habe ich genug Entspannungsphasen?

Widerstände aufzudecken, ist oft recht schwierig, da viele von ihnen unbewusst sind. Hier kann ein Coach helfen. Auf jeden Fall ist es sehr hilfreich, Disziplin zunächst in kleinen Schritten zu üben. Gewöhne Dir einfach an, Deine Zeit und Deine Ressourcen realistisch zu planen und Dir nur etwas vorzunehmen, was Du auch umsetzen kannst.

Verschiebe nichts, sage keine Termine oder Verabredungen ab, weil Dir wieder alles über den Kopf gewachsen ist, sondern sage dann lieber nicht zu. Suche keine Ausreden und mache Dir selbst nichts vor. Bleibe konsequent und wachsam.
Gehe liebevoll mit Dir um, aber nicht zu nachsichtig oder unachtsam …

Headerbild © theartofphoto (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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