Der richtige Umgang mit unseren körperlichen Symptomen will gelernt sein!

Körper sei still!

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 12 Februar 2016

Wie gehst Du damit um, wenn Du merkst, dass eine Erkältung im Anmarsch ist oder Du erschöpft bist? Wenn Dich häufig körperliche Symptome wie z.B. Kopfschmerzen, Rauschen in den Ohren, Brustenge, Magen, Kiefer- oder Rückenschmerzen heimsuchen? Wenn Dein Körper Dir durch Schmerzen oder einem Gefühl von Zerschlagenheit signalisiert, dass er Ruhe oder Aufmerksamkeit braucht? Wenn Du Dich gestresst fühlst, müde und schlapp bist oder unter Verspannungen leidest? Oder wenn Du vor lauter Unruhe nicht mehr schlafen kannst?

Viele Menschen gehen bei körperlichen Symptomen so vor, dass sie diese ignorieren oder, wenn das nicht geht, nach einer wirksamen Pille greifen, die den Körper schnell wieder funktions- und einsatzfähig macht. Schwäche darf nicht sein und die Symptome stören. Wir können uns „Ausfälle“ nicht leisten und zwingen den Körper zum Schweigen! Und es gibt ja auch gegen fast alles ein Mittel: gegen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Rückenschmerzen, Gliederschmerzen, gegen Fieber, Sodbrennen und Blähungen, gegen Müdigkeit und gegen innere Unruhe oder Stress.

Die Signale unseres Körpers immer rechtzeitig wahrnehmen! Hast Du Dir schon einmal bewusst gemacht, was wir dort eigentlich tun? Was tun wir uns selbst damit an, wenn wir ständig über die Signale unseres Körpers hinweggehen? Ein Thema ist, dass wir gedanklich den „schwachen“ oder „kranken“ Körper als Teil von uns abschneiden, weil er nervt und nicht so mitmacht, wie wir das für unseren straffen Lebensplan brauchen. Besonders aussagkräftig ist das, was wir uns damit selbst sagen: nämlich, dass wir zu funktionieren haben wie eine Maschine, dass der Körper uns ständig torpediert und ärgert und wir ihn deshalb ignorieren und quälen, betäuben und über das Level hinaus belasten, was er auf natürliche Art leisten kann.

Körperliche Symptome sind hilfreiche und notwendige Zeichen, die wir uns unterbewusst oder bewusst selbst geben. Wir zeigen uns damit beispielsweise, dass etwas zu viel ist, dass wir eine Pause oder Veränderung brauchen, dass wir einen falschen Weg gehen, dass uns etwas nicht gut tut oder dass wir mit etwas kämpfen. Viel sinnvoller als diese Zeichen zu ignorieren oder durch Medikamente zu unterdrücken ist, sich mit ihnen zu befassen. Zu verstehen, was sie uns sagen wollen. Von ihnen zu lernen und sie wertzuschätzen. Doch was ist die Botschaft dieses Symptoms?

Ein Symptom ist immer der letzte Ausweg des Körpers. Lange Zeit davor hat der Körper sich immer wieder selbst geholfen und ist jetzt damit überfordert. Ein Symptom hat also immer eine Entstehungsgeschichte, die länger oder sehr lange zurückreicht und ist ein deutlicher Hilfeschrei Deines Körpers an Dich. Wir können wir unsere Energie nicht dadurch vergrößern, dass wir Schwäche ignorieren. Energie bleibt Energie und wenn wir Raubbau mit uns betreiben, macht sich das später anderweitig wieder bemerkbar. Verdrängung bedeutet nicht Auflösung!

Es geht hier nicht um ein kurzfristiges Verdrängen, weil vielleicht ein besonders wichtiger Termin, eine Präsentation oder Feier ansteht. So etwas kommt vor und löst keine langfristigen Schwierigkeiten aus. Es geht um ein grundsätzliches Prinzip, dass wir ändern können und sollten, weil uns die Haltung der „Ignoranz unserer Symptome“ langfristig in eine Dysbalance bringt und wichtige Bedürfnisse unerfüllt bleiben.

Wir haben nicht einen Körper – Wir SIND der Körper!
Ein neuer Umgang mit Symptomen ist anfangs nicht immer leicht, denn der Griff zu unterdrückenden Maßnahmen ist für uns vollkommen alltäglich geworden. Oft wird sogar im Beruf verlangt, dass wir trotz Kranksein zur Arbeit erscheinen, wenn wir nicht gerade im Krankenhaus liegen. Es ist normal, dass wir immer erreichbar sind und spät abends, am Wochenende oder im Urlaub Emails beantworten. Sich frühzeitiger zurück zu nehmen bedeutet, ein Gespür für sich selbst und die eigene Energie zu entwickeln, eine andere Form der Wertschätzung für sich selbst zu finden, sich abgrenzen zu können und eigene Forderungen an sich gesundheitsförderlicher zu verändern.

Einen Gang zurück zu schalten bedeutet für den Moment, sich selbst Schwäche einzugestehen. Das fällt vielen Menschen nicht leicht, da sie ihren Wert ausschließlich an Leistung bemessen und sich für unabkömmlich halten. Langfristig hilft es uns jedoch, unsere Stärke zu bewahren und zu behaupten, stabilere Leistung zu bringen, uns wohl zu fühlen, gesund zu bleiben und unsere zentralen Bedürfnisse erfüllen zu können. Ein Symptom kann aber auch immer dann auftauchen, wenn wir uns vor Belastung, Themen oder Anforderungen unbewusst schützen wollen.

Hier geht es dann nicht darum, sich noch mehr zurück zu ziehen, sondern zu fragen: Wovor laufe ich durch mein Symptom weg, welchen Gewinn habe ich davon? Wofür steht das Symptom eigentlich und was wäre, wenn dieses Symptom plötzlich spurlos verschwunden wäre? Manche Menschen beschäftigen sich Tag für Tag mit ihren Symptomen und Krankheiten, um vor sich selbst wegzulaufen, Verantwortung abzugeben, eine innere Leere nicht zu spüren oder Aufmerksamkeit zu bekommen.

Wie kannst Du Dir demnächst selbst zeigen, dass Du bereit bist, zuzuhören und dass Du bereit bist, etwas Gutes für Dich zu tun? Wie ist Dein aktueller Umgang mit Symptomen oder Schwäche? Was möchtest Du ändern?

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Liebe Brigitta!

    Danke für Deine Inspirationen, ich lese sie immer wieder sehr gerne. Es sind sehr oft sehr hilfreiche Denkanstöße dabei. Dieses mal habe ich einen Denkanstoss beizutragen:

    Ich bin der Meinung, dass wir keinesfalls der Körper sind, sondern der Körper ist wir. So wie wir sind bzw. unsere Seele ist, so ist auch unser Körper. Schließlich haben sämtliche Krankheiten und körperliche Einschränkungen ihren Ursprung zu allererst in uns. Durch unser Denken, Handeln, Reden …

    Liebe Grüße,
    Cornelia

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