Akzeptiere das JETZT und sage JA!

JA zum JETZT

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 6 Dezember 2018

»Die einzige Möglichkeit, die Zukunft positiv zu gestalten liegt darin, dass wir uns auf die Gegenwart konzentrieren und diese so annehmen, wie sie gerade ist«

Unser Lebensfluss ist keine gerade Linie von A nach B und deshalb nicht kontrollierbar oder mit den Sicherheiten ausgestattet, die unser Verstand so gerne hätte. Wie oft erleben wir nämlich, dass unsere Angst unbegründet war oder alles nicht so läuft, wie wir es geplant haben. Hast Du schon einmal beobachtet, wie viele Deiner Gedanken am Tag in der Zukunft oder Vergangenheit kreisen? Bei den meisten Menschen sind es über 90 %.

Ist doch verrückt oder? Wir können weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft leben und trotzdem sind viele Menschen entweder damit beschäftigt, die Vergangenheit aufzuarbeiten und zu bewerten oder sich Sorgen um die Zukunft zu machen beziehungsweise diese kontrollieren zu wollen. Und was tun wir dann in der Gegenwart oft? Wir wollen dort nicht sein und leisten Widerstand gegen das, was bereits da ist. Eigentlich sinnlos oder?

Warum fällt es uns so schwer, JA zum JETZT zu sagen?

Wir haben Angst, uns dem Leben einfach hinzugeben und wollen die Spielregeln bestimmen. Dadurch blockieren wir uns dabei, wirklich zu leben. Wir warten, hadern, sorgen und ärgern uns lieber, als das anzunehmen und zu gestalten, was ist. Wir streben nach angenehmen Erfahrungen und wollen unangenehme Erfahrungen vermeiden oder bekämpfen. Doch kann ein Glücks- gefühl das andere ablösen oder können wir Glück konservieren? NEIN, das ist ein Irrglaube. Daran werden wir scheitern und ständig dem „glücklich sein“ hinterherlaufen.

»Das krampfhafte Streben nach Glücksgefühlen und die Nichtakzeptanz von Schmerz machen uns unruhig, leer und halten uns davon ab, glücklich zu sein«

Allerdings können wir durch Achtsamkeit und Gegenwartskonzentration ein erfülltes Leben voller Freude, Frieden und Selbstbalance führen. Für die meisten Menschen ist volle Konzentration auf das „Jetzt“ zunächst ganz schön ungewohnt. Es erfordert, sich der ganzen Bandbreite unserer Gedanken und Gefühle zu stellen, ohne darauf zu reagieren, sich damit zu identifizieren oder sie abzuschneiden.

Und doch ist es der Weg, auf dem wir unsere Freiheit erreichen. Unser Verstand lebt nicht gerne in der Gegenwart. Er fühlt sich dort unvollkommen und unruhig. Also denkt und plant er ständig, um diesem Gefühl der Leere zu entkommen. Doch wir müssen uns damit nicht immer identifizieren.

Gedanken sind ein guter Diener, aber ein schlechter Herr

Wir können lernen, unsere Gedanken zu beobachten wie einen Wasserfall. Unser Geist erzählt uns IMMER Geschichten. Doch diese Geschichten sind nicht die Realität. Es sind unsere Projektionen und Vorstellungen. Wir können uns davon losmachen und einfach in Achtsamkeit neu entscheiden und das spüren, was wir sind. Wir müssen dann nicht mehr über alles nachdenken und an unseren Vorstellungen anhaften – das Leben entfaltet sich einfach und wir können das mobilisieren, was in uns liegt – wir sind lebendig.

Plötzlich wird aus Leere Fülle und aus Sinnlosigkeit Wertschöpfung- ganz ohne krampfhafte Anstrengung und Suche. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir durch Konzentration auf die Gegenwart Schmerz vermeiden können. Schmerz und Verlust sind unvermeidbar, sie gehören zum Leben dazu. Ob wir leiden oder nicht, liegt jedoch bei uns. Leid ist unsere Bewertung und Reaktion darauf: Angst, Trauer, Zorn, Frust, Neid, Verwirrung, Unruhe, Depression. Wenn wir uns der Gegenwärtigkeit von Schmerz achtsam stellen, können wir ihn verwandeln und loslassen.

Einer meiner buddhistischen Lehrer fragte mich einmal: „Was geschieht mit dem Unwohlsein, wenn Du nichts dagegen hast, Dich unwohl zu fühlen?“ Spannende Frage oder? Wenn wir das annehmen, was ist, ohne damit zu hadern, kann es uns auch nicht mehr quälen. Wir kommen wieder in Bewegung. Annahme bedeutet nicht „Aufgeben“ oder „Toll finden“. Es bedeutet
nur, dass wir mit der aktuellen Situation unseren Frieden schließen, anstatt uns Energie durch Widerstand zu rauben.

Wie gelingt Konzentration auf die Gegenwart?

  • Erkenne und beobachte, welche Gedanken und Gefühle präsent sind, ohne Dich darin zu verlieren. Beobachte 10 Minuten pro Tag Deine Atmung. Lasse alle Gedanken, die davon abschweifen einfach ziehen. Folge ihnen nicht. Bleibe bei Deiner Atmung.
  • Probiere, Gefühle zuzulassen, anstatt sie wegzudrücken ohne diese jedoch zu dramatisieren. Gefühle sind Gefühle. Nicht mehr und nicht weniger. Sie sind nicht bedrohlich und kommen und gehen. Wenn Gefühle Raum bekommen, werden sie zunächst größer und lösen sich dann auf. Fühle Gefühle und denke nicht über sie nach.
  • Lasse Dich mit allen Sinnen auf den Moment ein, teile Deine Aufmerksamkeit nicht. Bleibe bei dem, was ist. Wenn Du Dich dabei erwischt, schon wieder in Vergangenheit oder Zukunft zu denken, hole Dich wieder ins JETZT zurück.
  • Übe Dich im „Wahrnehmen, ohne zu bewerten“: Stress und Ärger sind dann ausgeschlossen!
  • Suche die Stille auf: Meditiere sitzend oder gehe achtsam spazieren oder einer Tätigkeit wie z.B. kochen nach. Lausche in Dich hinein. Irgendwann entdeckst Du eine bunte innere Welt.
  • Sei Dir bewusst, dass Deine Bewertung nicht die objektive Realität wiedergibt. Überprüfe Deine Gedanken: helfen sie mir oder schaden sie mir?

Wie alles, braucht auch Gegenwartsorientierung etwas Übung. Zunächst wird es Dich wahrscheinlich beunruhigen, wie viele Gedanken und Gefühle plötzlich auftauchen. Scheuklappen abzulegen ist nicht einfach. Achtsamkeit ist zwar natürlich, aber trotzdem nicht gewöhnlich in der heutigen Zeit. Auch Langeweile oder Widerstand könnten erscheinen. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass Deine Gegenwartsorientierung noch nicht wirklich verankert ist. Nutze das JETZT für Dich.
Es ist das beste Heilmittel gegen Unruhe, Stress, Unzufriedenheit, innere Leere, Druck, Neid und Ärger …

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
Bild © patpitchaya / Fotolia #145026759

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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