Was ist mit Gleichmut gemeint und wo liegt der Unterschied zur Gleichgültigkeit?

Gleichmut ist nicht Gleichgültigkeit

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 16 Juli 2019

Sehr häufig wird meinen Klienten innerhalb ihres Coachings bewusst, dass Gleichmut eine sehr erstrebenswerte Eigenschaft ist und die Lösung für viele Probleme und „Leiden“ des Alltags mit sich bringt. Gleichmut ist ein hohes und gleichzeitig lohnens- wertes Ziel für die geistige Entwicklung. Doch was ist damit genau gemeint? Wo liegt der Unterschied zur Gleichgültigkeit?
So etwas werde ich häufig gefragt.

»Gleichmütigkeit ist das Selbstgefühl der gesunden Seele« Immanuel Kant

Gleichmütige Menschen haben eine tiefe Ruhe in sich, ganz unabhängig davon, was im Außen geschieht und ob die aktuellen Umstände wünschenswert oder weniger wünschenswert sind. Wer gleichmütig ist, macht Frieden mit dem jetzigen Moment und urteilt nicht sofort. Er lässt den Dingen ihren natürlichen Raum, sich zu zeigen und zu entfalten.

Bei tieferer Betrachtung findet sich in allem scheinbar Schlechtem etwas Gutes und im scheinbar Guten auch etwas Schlechtes. Man geht MIT dem Fluss des Lebens und nicht dagegen (Widerstand). Gleichmut beinhaltet seelisches Gleichgewicht und die dafür notwendige innere Haltung: Gedanken beständig konstruktiv lenken können, loslassen, Gemütsruhe wahren und achtsam bleiben inmitten beschwerlicher Umstände.

Ganz egal, ob Erfolg oder Misserfolg, ob Glück oder Schmerz, ein Mensch voller Gleichmut haftet an nichts, denn er geht mit der Lebendigkeit, Veränderlichkeit und Vergänglichkeit des Lebens und akzeptiert diese (die Dinge sehen, wie sie wirklich sind).

Gleichmut ist ein dynamischer innerer Zustand

  
Gleichmütige Menschen sind mitfühlend und aufmerksam zu anderen und zufrieden mit sich selbst. Sie sind nicht passiv, sondern handeln weise und nutzen ihren Einflussbereich. Wir müssen nicht mit allem einverstanden sein und können viel bewegen, ohne uns vor Wut oder Ärger zu zerfressen.

Im Buddhismus ist Gleichmut (Upekkhā) einer der vier höchsten Emotionen (Liebe, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut). Durch sie erhalten wir die Kraft, unheilsame Geisteszustände wie Unruhe, Ablehnung (Ärger, Hass), Anhaftung und Gleichgültigkeit zu überwinden.

In dieser Welt der Dualität wird der Mensch hin- und hergeworfen durch die verschiedenen Gefühlswellen. Eben erhält er Gewinn, Erfolg, Glück, Lob. Im nächsten Moment erleidet er Fehlschläge, Verlust, Schmerz und Enttäuschung. Wer Gleichmut besitzt, lässt Anhaftung und Erwartung los und kann im Diesseits freudig und friedvoll weiterziehen.

Gleichgültigkeit ist starr und bewegungslos

  
Der Begriff Gleichgültigkeit besteht aus zwei Wörtern: aus gültig und gleich. Gleichgültigkeit heißt also, dass für jemand alles gleich gültig ist, also alles den gleichen Wert hat. Obwohl diese Aussage in ihrer ursprünglichen Bedeutung nicht negativ ist und viel Gemeinsamkeit mit Gleichmut hat, steht Gleichgültigkeit heute in Verbindung mit Teilnahmslosigkeit oder Desinteresse, also einem Zustand, in dem einem alles egal ist.

Häufig ist sie eine Vorform oder Folge von Depression. Die Wurzel dafür liegt oft in nicht überwundenem Verlust, Trauer oder Enttäuschung. Man baut eine Barriere für jede Form von Gefühlen auf und verbarrikadiert sich dahinter. Somit versteckt man sich hinter Desinteresse, Passivität und Unbeteiligt sein. Das gleichgültige Denken ist gewissermaßen egozentrisch, jedoch nicht aus Bosheit, sondern aus Desinteresse und einer gewissen „Abgestumpftheit“ (alles geht an ihm vorbei).

Es gibt keinen Grund, Angst davor zu haben, in Gleichgültigkeit zu verfallen, wenn man unheilsame Anhaftungen loslässt und den Geist für Gleichmut öffnet und diesen trainiert. Gerne möchte ich Dir im nächsten Motivationsletter (Gleichmut lernen) beschreiben, wie es Dir gelingen kann, gleichmütiger zu werden …

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
Bild #48388417 © djama / Adobe Stock

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Ganz wunderbar geschrieben, beim Lesen wurde ich schon entspannter. Sehr gut wurde der Unterschied beschrieben zwischen Gleichmut und Gleichgültigkeit. Ein Text für die Meditation.

Teile deine Gedanken und Kommentiere meinen Blickwinkel ...