Hast Du schon einmal etwas vom French Paradoxon gehört?

French Paradoxon

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 19 Februar 2015

Was fällt Dir als erstes ein, wenn Du an Frankreich denkst? Sicherlich keine missmutigen, gehetzten, stark übergewichtigen und ungesunden Menschen oder?

Franzosen genießen, schlemmen und „sündigen“ für ihr Leben gern. Man sollte annehmen, dass sich dieser „Lebenswandel“ negativ auf die Gesundheit auswirkt. Aber nein, ganz im Gegenteil: Das Herzinfarktrisiko in Frankreich für Männer und Frauen zwischen 40 und 69 Jahren ist nur halb so hoch im Vergleich zu anderen Ländern. Auch die Lebenserwartung ist vor allem in den französischen Weinregionen (Süden und Westen Frankreichs) höher. Ebenso liegt die Zahl der Übergewichtigen auch in Deutschland weitaus höher als in Frankreich.

Dieses Phänomen (niedrigere Sterblichkeitsrate an Herz- Kreislauferkrankungen im Vergleich zu anderen Industrienationen, obwohl die Risikofaktoren wie Zigarettenrauchen, Ernährung mit hohem Fettgehalt vergleichbar hoch sind) bezeichnet man
als „French Paradoxon“. Das Paradox besteht also darin, dass Franzosen nicht als gesundheitsbewusst gelten: Auf ihrem Speiseplan stehen z.B. fettes Fleisch, Gänseleber, gebackene Ente, Käse, fettige Tartes oder Saucen und süße Kalorienbomben oder Gebäck. Zudem rauchen sie überdurchschnittlich und trinken viel Alkohol u.a. in Form von Rotwein.

Trotzdem sind sie gesünder als ihre Nachbarn. Wie schaffen es die Franzosen, ihre vermeintlichen „Laster“ zu kompensieren?
Es ist zum einen der regelmäßige Rotweinkonsum, der für „herzensgute“ Gesundheit sorgen soll. Die Betonung liegt dabei auf regelmäßig. NICHT auf VIEL! Die Franzosen trinken im Jahresdurchschnitt viel mehr Rotwein als wir Deutsche es tun, aber entscheidend ist der regelmäßige maßvolle Alkoholgenuss. Insbesondere ist entscheidend, welche Form von Alkohol
bevorzugt wird (Bier, Schnaps oder Rotwein).

Entscheidend für die positiven gesundheitlichen Effekte des Rotweins soll folglich ein gleichmäßiger, aber mäßiger Genuss sein und natürlich der trockene Rotwein mit vielen Gerbstoffen. Warum Rotwein? Es sind vor allem die bioaktiven Rotwein Phenole (in Gerbstoffen enthalten), die beim Rotwein 0,2% ausmachen. Phenole gehören zur Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe. Rotwein enthält wesentlich höhere Konzentrationen an Polyphenolen (1500 bis 4000mg/ l) als Weißwein (200 bis 500mg/ l).
Sie sorgen für Herzgesundheit, halten jung, wirken antioxidativ, entzündungshemmend und ebenso gefäßschützend
aber auch antikarziogen.

Ein großes Plus der französischen Esskultur ist die große Vielfalt sowie die Variation an Speisen und die Frische der Zutaten. Franzosen legen großen Wert auf Essen und Trinken und zelebrieren das. Fast Food wird selten konsumiert. Es gibt oft mehrere kleine Gänge und Mahlzeiten werden achtsam, mit Genuss und ohne Hektik eingenommen: Savoir vivre!

Ein weiteres Beispiel: Amerikanische Gesundheitsbehörden kämpfen auf allen Fronten gegen die Überfettung im ihrem Land.
Die Anzahl an fettleibigen Amerikanern liegt bei über 22%, während nur etwa 7% der Franzosen fettleibig ist. Ein französisch-amerikanisches Forscherteam hat das „French Paradoxon“ erklärt. Trotz reichhaltiger und fettiger Nahrung sind die Franzosen nämlich immer noch wesentlich schlanker als die Bevölkerung Amerikas. Der Grund sind die kleineren Portionen und den unterschiedlichen „Esskulturen“.

Die Franzosen essen zwar mehr Fett als die Amerikaner, nehmen aber dafür weniger Kalorien zu sich. Die Portionsgrößen der amerikanischen Restaurants und Fast-Food Lokale sind durchschnittlich etwa 25% größer. Hier geht es darum, möglichst schnell extrem gesättigt zu sein. Das gilt auch für Supermärkte. Dort werden fast ausschließlich riesige Portionsgrößen für Nahrungsmittel angeboten und nicht nur die Leber, sondern auch der Magen wächst mit seinen Aufgaben ;-). Viele
Amerikaner verbinden mit „gut“ das Wort „big“. Auf Qualität, Genuss oder Frische kommt es hier nicht an.

Meiner Meinung nach wird das „French Paradoxon“ durch einen weiteren Faktor beeinflusst. Dieser Faktor hat zusätzlich zu der Kulinarik auch dazu geführt, dass ich liebend gerne nach Frankreich in den Urlaub fahre! Hast Du schon einmal einen echten Franzosen durch den Tag begleitet? Wow, ist das relaxt und entspannt. Franzosen gehen mit einer Grundgelassenheit durch den Tag und bekommen trotzdem all das geregelt, was Ihnen wichtig ist.

Laissez-faire ist ein aus dem Französischen entlehnter Begriff. Es heißt übersetzt „lasst machen“ im Sinne von „einfach laufen lassen“…

Damit ist nicht gemeint, dass einem alles egal ist. Es meint vielmehr, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind und sich ohne
Druck auf das zu konzentrieren, was man gerade tut. Du tust einfach das, was gerade in dem Moment geht und mehr nicht! Du brauchst es nicht allen recht machen und begegnest den Herausforderungen des Tages mit ein wenig Charme und Humor.

Was nicht geht, das geht eben nicht. Sicher kennst auch Du viele Menschen, denen ein paar Prozent dieser Einstellung sehr gut tun würden. Vielleicht hast Du auch selbst schon die Erfahrung gemacht, dass viele Probleme sich manchmal von selbst erledigen. Viele Menschen werden von der Vorstellung eines Problems krank, nicht durch das Problem selbst. Lassen wir die Dinge besser auf uns zukommen und reagieren wir dann, anstatt uns vorher durch Horrorvorstellungen zu quälen.

Mein Tipp: Lernen wir ein wenig von den Franzosen! Ein genussvolles Abendessen in guter Atmosphäre und dazu ein Glas Rotwein gepaart mit Gelassenheit und einer guten Portion Humor hält Dich gesünder, als ein verbissenes Sportprogramm, Arbeit im Kopf anstatt Ruhe nach Feierabend, der Burger mit Cola voller Hektik im Auto oder eine strenge Diät …

Headerbild © Hubertus Blume (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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