Die Produktivität der Mitarbeiter durch Aufmerksamkeit einschätzen und fördern!

Durch Aufmerksamkeit die Produktivität der Mitarbeiter fördern

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 10 Oktober 2016

Würdest Du gerne die Produktivität Deiner Mitarbeiter durch Aufmerksamkeit einschätzen können oder verbessern? Wie Dir sicher schon aufgefallen ist, verhalten sich Menschen sehr unterschiedlich und es ist garnicht so einfach, passend anzusetzen. Wer Menschen führt, kann immer wieder beobachten, dass verschiedene Menschentypen auch ein unterschiedliches Verhalten zeigen, wenn es darum geht, Ziele zu erreichen, im Team zu arbeiten, Bestätigung zu erhalten und Leistung zu erzielen.

Grundsätzlich zeichnen sich introvertierte (defensive) Personen durch andere Verhaltensweisen aus als extrovertierte (offensive) Personen. Bei beiden Menschentypen (introvertiert und extrovertiert) können wir weiterhin Verhaltensmerkmale erkennen, die produktiv für das Unternehmen oder
Team sind und Merkmale, die sich nicht-produktiv auswirken.

Je nachdem, wie wir als Führungskraft auf die Verhaltensweisen der Mitarbeiter reagieren, wirkt sich das entweder verstärkend oder hemmend auf das gezeigte Verhalten aus. Natürlich wollen wir gerne ein förderliches Verhalten verstärken und nicht-produktive Verhaltensweisen eindämmen. Deshalb macht es Sinn, mögliche Verhaltenstendenzen zu erkennen und aufgrund dessen angemessen zu reagieren.

Der Macher

Extrovertiert und produktiv

Diese Menschentypen sind Leistungsträger des Unternehmens, die auf sich aufmerksam machen. Sie sehen, wo Arbeit
anfällt und setzen ihre Kräfte sinnvoll und proaktiv ein. Im Normalfall genießen sie ein hohes Ansehen und bekommen oft Anerkennung für ihr Tun, weil sie weder mit ihren Stärken, noch mit Bedürfnissen oder Forderungen hinter dem Berg halten. Gute Arbeit muss auch gut entlohnt werden. Diese Menschentypen wollen Erfolg, sind oft Zugpferd und verdienen sich den Respekt von anderen Menschen für die herausragende Leistung. Arbeit, die anfällt wird erledigt! Probleme sind dazu da, um sie zu lösen! Überstunden sind völlig normal, wenn etwas fertig werden muss und werden nicht beklagt.

Personen mit diesen Verhaltensdimensionen kommen selten zu kurz, da sie nicht darauf angewiesen sind, von außen Lob zu erhalten, sich selbst gut einschätzen können und selbst dafür sorgen, dass die Dinge so laufen, wie sie wünschenswert sind. Das hohe Tempo, die Unabhängigkeit und das nach außen hin spürbare Selbstbewusstsein wirkt manchmal einschüchternd und kann andere unter Druck setzen. Der Macher bleibt nicht lange auf dem Ei sitzen, aus dem das Küken nicht schlüpfen will.

Das solltest Du bei der Führung beachten: Herausforderungen sind wichtig, denn dieser Menschentyp möchte wachsen und sich entwickeln. Er braucht zwar keine enge Führung, aber Ziele, Absprachen und Richtlinien, damit er keine Alleingänge macht oder seine Kompetenzen übersteigt. Hohe Ziele und Konkurrenz wirken leistungsförderlich. Gebe genügend Spielraum und Möglichkeiten für Entwicklung.

Der Blender

Extrovertiert und nicht-produktiv

Diese Menschentypen sind besonders gut in der Selbstdarstellung oder darin, durch Zurschaustellung von „Missständen“, interessanten Geschichten oder anderen Problemen Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten. In der extremen Aus- prägung passt hier sehr gut die Aussage „mehr Schein als Sein“. Personen mit diesen Verhaltensdimensionen stellen das eigene Ego (oft unbewusst) über die Unternehmensziele und sind nicht kritikfähig. Fehler hat grundsätzlich immer jemand anders verursacht und bei allem wird ein Schuldiger gesucht. Es fällt ihnen schwer, mit Macht umzugehen, da sie Macht grundsätzlich schnell dafür einsetzen, selbst gut auszusehen, eigene Unzulänglichkeiten zu vertuschen und andere arbeiten zu lassen. Es ist für sie ebenfalls nur schwer möglich, Führung zu akzeptieren und sich unterzuordnen.

Ein weiterer Hinweis für einen Blender ist, wenn eine Person ständig „über“ andere oder sich selbst, anstatt „mit“ anderen oder über die Arbeit spricht. Politische Spiele, Machtkämpfe, Mobbing, ständige Beschwerden, meckern, lästern, lügen, fehlende Veränderungsbereitschaft, Boykott, Dramatisierung, das Ausbreiten von persönlichen Themen und Gerüchten, oder immer wiederkehrende Krankheiten könnte ein Thema sein. Auf ein Problem folgt das nächste. Der Berufsalltag wird zur persönliche Bühne missbraucht und Produktivität bleibt auf der Strecke und wird durch Endlosdiskussionen, Sticheleien, lange Krankheitszeiten oder Unruhe im Team ersetzt.

Das solltest Du bei der Führung beachten: Da diese Menschentypen ein großes manipulatives und kommunikatives Geschick haben, ist es für Führungskräfte oft nicht einfach, dieses Verhalten enttarnen. Zunächst werden die „Notrufe“ ernst genommen und es wird versucht, Lösungen zu finden. Da solche Menschen unbewusst aber gar keine Lösung wollen, kann dieses Unter- fangen sehr zeit- und energieraubend sein und letztendlich nur das Ego des Blenders stärken. Unterbinde die Bühnenshow strikt und stelle klare Regeln für Arbeitsabläufe, Aufgabenverteilung und Kommunikation auf. Auch Leistungskontrollen und Zielvereinbarungen sind wichtig. Weite Führung kann dazu führen, dass Dein Vertrauen missbraucht wird. Achtung: Höre Dir immer zunächst alle Seiten zu einem Problem an, bevor Du handelst. Lass Dich nicht instrumentalisieren oder mit Drama-Gefühlen anstecken.

Der Ackergaul

Introveriert und produktiv

Diese Menschentypen arbeiten still und fleißig vor sich hin ohne zu klagen. Sie sind sehr belastbar, loyal, zuverlässig und
stellen keine Ansprüche. Auch unliebsame Aufgaben werden ohne Widerwillen übernommen und selbst in Situationen der Überforderung wird ein Ackergaul eher zusammenbrechen unter der Last, als stehenzubleiben und sich der Last zu entledigen. Diese versteckten Leistungsträger stellen sich nicht gerne in den Mittelpunkt und werden deshalb oft übersehen oder unter- schätzt. Häufig bringen sie sich durch ihr „Märtyrerverhalten“ und Harmoniestreben immer wieder in die Situation, in denen sie sich ausgenutzt fühlen oder zum Opfer für andere werden. Die Konsequenzen könnten Unterbezahlung, unterschwellige Enttäuschung oder chronische Überlastung sein.

Das solltest Du bei der Führung beachten: Warnsignale wie beispielsweise Magenschmerzen, Bluthochdruck, Allergien, Rücken- probleme, Kopfschmerzen oder Infektanfälligkeit müssen ernst genommen werden. Diese Menschentypen erlauben sich keine Auszeit und brauchen Hilfe dabei, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Ständige Überforderung könnte sonst dazu führen, dass dem Unternehmen ein wertvoller Leistungsträger verloren geht. Suche regelmäßig das Gespräch, rege Kommunikation an und drücke Wertschätzung aus. Verliere nie aus dem Blickfeld, was diese Personen leisten. Fördere ihr Selbstbewusstsein und die innere Stabilität. Probleme sollten ernst genommen werden, da ein Ackergaul nicht übertreibt und sich nur dann meldet, wenn wirklich etwas anliegt.

Der Drückeberger

Introveriert und nicht-produktiv

Diese Menschentypen fallen nicht sofort auf und haben eine Strategie gefunden, sich möglichst geschickt ohne großartige Anstrengungen durch den Arbeitsalltag zu mogeln. Sie jammern nicht und gehen den Weg des geringsten Widerstandes. Auch, wenn es nicht so offensichtlich ist, der Drückeberger steht sich selbst am nächsten und leistet stillen Widerstand gegen hohe Beanspruchung oder gefühlte Ungerechtigkeiten. Dienst nach Vorschrift, Schweigen, beleidigt sein, keine eigenen Ideen zur Lösung, Tunnelblick, Ausreden, Bequemlichkeit, geringe Bereitschaft zu Überstunden und häufige Krankheitstage. Es gibt wenig Bereitschaft dafür, sich auf etwas Neues einzulassen und alte Gewohnheiten loszulassen. Man geht lieber dem gewohnten Trott nach und möchte die Komfortzone nicht verlassen. Diese Menschentypen fühlen sich oft grundsätzlich unfair behandelt und schmoren in der Unzufriedenheit, ohne etwas zur Klärung aktiv beizutragen.

Das solltest Du bei der Führung beachten: Hole den Drückeberger aus dem Versteck. Kommuniziere klare Ziele und fördere das Miteinander durch Gespräche, Feedback, Lob, Kritik und Aufmerksamkeit. Rege das Verantwortungsgefühl an, lasse Ausreden nicht gelten und kontrolliere Arbeitsergebnisse und Qualität. Versuche Störgefühle zu bereinigen und Motivation zu schaffen. Erwarte aber nicht zu viel. Es kann sein, dass keine Veränderungsbereitschaft zu aktivieren ist.

Die Produktivität durch Aufmerksamkeit einschätzen und fördern

Jetzt kennst Du die 4 Verhaltensdimensionen in ihrer extremen Ausprägung. Natürlich gibt es dort nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch noch Grautöne. Ebenso gibt es Mitarbeiter, die zeitweise einen „nicht-produktiven Pol“ einnehmen und sich dann wieder förderlich verändern. Beobachte, sei wachsam und behalte diese Ausprägungen dabei einfach im Bewusstsein. Frage Dich immer wieder, in wie weit ein nicht-produktives Verhalten der Mitarbeiter vielleicht durch Dich sogar unbewusst gefördert wurde. Unterbreche dieses verhalten. Solltest Du trotzdem langfristig keine Veränderung wahrnehmen, frage Dich, ob diese Personen für das Unternehmen langfristig tragbar ist …

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Headerbild © alphaspirit (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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