Wie baue ich Vertrauen auf?

Vertrauen aufbauen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 1 April 2018

Oft sprechen wir von Vertrauen. Wir benutzen dieses Wort in unterschiedlichen Lebensbereichen und Zusammenhängen. Wir wünschen uns Vertrauen von unserem Partner, von unseren Kindern, Verwandten, Mitarbeitern, Freunden, Geschäftspartnern, Kunden. Gleichzeitig wollen wir anderen Menschen ebenfalls vertrauen können. Vertrauen ist die wichtigste Basis für gelungene berufliche und persönliche Beziehungen.

Doch was ist Vertrauen überhaupt?

Vertrauen ist als Wort seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Das Wort „trauen“ gehört zu der Wortgruppe „treu“ = „stark“, „fest“, „dick“. Für Thomas von Aquin war Vertrauen durch Erfahrung bekräftigte Hoffnung auf Erfüllung von erwarteten Zu- ständen unter der Prämisse des Vertrauens auf Gott. Seit Beginn der Neuzeit ist Vertrauen auch ein Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten (Selbstvertrauen). Für mich beinhaltet das Wort eine ganz bestimmte innere Haltung: „Vertrauen ist die Bereitschaft, sich verletzlich zu zeigen.“ Dieser Satz sagt viel über die Dimensionen von Vertrauen aus:

•  Vertrauen entsteht in besonders sensiblen Situationen, in denen der Vertrauende mehr verlieren als
     gewinnen kann – er riskiert einen Schaden bzw. eine Verletzung.

•  Man liefert sich dem Vertrauensnehmer aus, weil man in Vorleistung geht, sich öffnet, sich anvertraut,
     etwas Preis gibt oder etwas aus den Händen in die Verantwortung eines anderen gibt. Man gibt die
     Kontrolle auf und vertraut auf die Erfüllung von Zugesagtem.

•  Der Grund, warum man sich ausliefert, ist die positive Erwartung, dass der Vertrauensnehmer die
     Situation nicht zu seinen Gunsten ausnutzt. (Quelle: Wikipedia)

Viele Menschen sehen Vertrauen eindimensional. Sie wollen, dass ANDERE ihnen vertrauen und wollen ANDEREN vertrauen können. Doch ebenso ist der Blick auf sich selbst wichtig: Was tue ich, um vertrauenswürdig zu sein? Kann ich vertrauen oder erwarte ich immer etwas Negatives? Bin ich bereit, mich zu öffnen, verletzlich zu zeigen und Kontrolle abzugeben? Wie fördere ich Vertrauen? Wie gehe ich mit vertraulichen Inhalten um?

Doch was geschieht, wenn die Bereitschaft oder die Fähigkeit, Vertrauen zu schenken nicht gegeben ist oder zerstört wurde? Wie baut man Vertrauen auf zu seinem Partner, Freund, Mitarbeiter, Kunden, Patienten? Zu mir kommen oft Paare mit dem Wunsch, einander wieder Vertrauen zu können. Kann man so etwas überhaupt aufbauen?

Ja, man kann Vertrauen aufbauen!

Die Basis dafür ist Dein eigenes Selbstvertrauen. Dein Selbstvertrauen bestimmt die Qualität des Vertrauens, was Du anderen Personen entgegenbringen kannst. Es ist Dein Fundament. Wenn es wackelt, schleichen sich ständig Zweifel ein. Vertrauen bedeutet aktiv werden. Durch Ausharren oder Wegdrücken des Themas geschieht nichts. Hier hilft uns auch nicht die Zeit. Entweder werden wir aktiv, oder es baut sich niemals Vertrauen auf.

Zunächst geht dem „Aufbau“ die wichtigste Entscheidung voraus: Will ich mich verletzbar machen? Bin ich bereit dazu? Bin ich bereit für neue Erfahrungen oder übertrage ich mein Misstrauen auf alles, was mir begegnet? Nur wenn Du diese Fragen mit JA beantworten kannst aus Deinem tiefsten Inneren, macht es Sinn, mit dem Aufbau zu beginnen. Vertrauen ist nicht Sicherheit! Wer hier absolute Sicherheit will, der sollte sein Herz besser vor allem verschließen.

Wie baut man Vertrauen auf?

Nachfolgend habe ich einen 10-Punkte Plan für Euch:

1)   Tue das, was Du versprichst: Sei verlässlich. Einer der wichtigsten Schritte, um Vertrauen zu bilden, ist es, Dein Wort zu
       halten. Oder wenigstens solltest Du es versuchen. Auch wenn es um „Kleinigkeiten“ geht, kann Versäumnis zu kleinen
       Rissen im Fundament einer Beziehung führen. Brich niemals ein Versprechen.

2)   Die Wahrheit sagen: Hört sich sooo leicht an, ist es aber nicht immer wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Es geschieht
       ziemlich schnell, dass man sich eine kleine Lüge einfallen lässt, um nicht zu verletzen oder den einfachen Weg zu gehen.
       Wenn Du jedoch die Wahrheit sagst, auch wenn sie unangenehm ist, schafft das Vertrauen. Es kommt natürlich darauf
       an, angemessene und respektvolle Worte zu wählen. Du solltest auch nicht die Wahrheit verstecken.

       Es mag manchmal ziemlich belanglos erscheinen, die Wahrheit so zu legen, dass sie etwas angenehmer erscheint. Sollte
       dann die Wahrheit ans Licht kommen, kann dies das Vertrauen völlig zerstören. Wenn du lügst, gib es zu. Manchmal ist
       es fast unvermeidbar zu lügen. Es ist am besten, Lügen so früh wie möglich zu zugeben und die Beweggründe der
       Lüge zu erklären. Wenn Dich jemand beim Lügen erwischt, bestreite es nicht.

3)   Offenheit: Sei nicht zu „nebelig“ mit Deinen Informationen, sondern gib Deinem Zuhörer alle Informationen, und zeige,
       dass du nichts zu verstecken hast. Lasse keine wichtigen Details aus und gebe Begründungen! Gib deinem Gegenüber im-
       mer die Informationen, die er erfahren möchte. Erzähle auch dann etwas, wenn Dein Gegenüber mal nicht gefragt hat.

4)   Sprich über Deine Gefühle: Versuche Dich zu öffnen mit dem, was in Dir vorgeht, was Du denkst oder wovor du Angst
       hast. Lass den anderen an Deiner inneren Welt teilhaben. Vertraue Dich an. Werde verletzlich! Oft setzen wir voraus,
       dass der andere „hellsehen“ kann und es kommt zu Missverständnissen.

5)   Beständigkeit in Deinem Verhalten und der Umsetzung: Das schafft Dir und dem anderen Sicherheit. Bleibe nicht beim
       Wünschen oder in der Vorstellung ( wir sollten mal… ), sondern gehe reale Schritte. Es zeigt außerdem Deine Fähigkeit,
       mit unterschiedlichen Situationen verantwortlich umgehen zu können. Es untermauert, dass es Dir wichtig und ernst
       ist und es schafft die Brücke von Stagnation zu positiver Veränderung.

6)   Zeige keine Doppelmoral: Walk like you talk! Lebe in der Realität nach den Werten, die Dir wichtig sind und sprich nicht nur
       davon. Wenn wir uns daran gewöhnen, unsere Vorstellung von unserem tatsächlichen Verhalten abzuspalten, verstricken
       wir uns mehr und mehr in Zerrissenheit. Da wir uns selbst nicht treu sind, überträgt sich dieses Gefühl oft auf den anderen.

7)   Zeige dem anderen, dass er Priorität hat: Wenn Du wirklich daran interessiert bist, Vertrauen aufzubauen, dann brauchst
       du dafür Raum und Zeit mit dem anderen. Kein Samen wächst zu einer Blüte, wenn Du die Aufmerksamkeit und Deine
       Fürsorge einem anderen Feld widmest. Der Samen verkümmert. Gib dem anderen das Gefühl, dass Du investierst! Eines
       der größten Antreiber des Menschen ist es, bedeutsam zu sein! Zeige Deinem Gegenüber, das sie oder er Bedeutung für
       Dich hat, in dem Du mitbekommst, was ihr oder ihm wichtig ist. So entsteht wahre Nähe, Vertrauen und Erfüllung. Kom-
       muniziere auch Deine Bedürfnisse und Wünsche offen. Spüre die Bedürfnisse des anderen und gehe darauf ein.

8)   Lass Dich nicht von Deinen Ängsten ausbremsen. Angst ist ein Gefühl, dass aufgrund einer Vorstellung auftritt. Und sie
       sagt: „Hier geht es um etwas, es berührt Dich und ist von Bedeutung.“ Sie sagt nicht: „Flüchte und lasse es; vermeide die
       Angst!“ Ganz im Gegenteil: Da, wo die größte Angst ist, ist die größte Wirkung. Wir sollten Platz schaffen und ihr Schritt
       für Schritt begegnen und sie annehmen. Dann löst sie sich nach und nach auf.

9)   Vertrauen kann man nicht erzwingen. Schaffe Raum für Veränderung. Es wird sich dann finden, wenn es sich finden darf
       und nicht, wenn es muss. Dafür braucht es eine freie, aufrichtige und unbegrenzte Entwicklungschance. Löse alle Barrieren
       auf und schaffe im Herzen und im Alltag Raum für das, was Du Dir in Bezug auf Vertrauen wünscht. Prüfe auch, ob die
       andere Person auch bereit ist, diesen Raum zu schaffen.

10)  Gestehe und erlaube Dir und anderen Fehler und Schwächen: Traue Dich, Konflikte und Streit auszutragen, ohne direkt
       alles in Frage zu stellen. Setze Dich mit dem anderen auseinander! Niemand ist perfekt: und das macht ihn zum perfekten
       Menschen. Lerne zu verzeihen! Großherzigkeit ist ein Zeichen von innerer Stärke.

Und womit fängst Du heute an?

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Headerbild © ra2 studio (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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