Lasse Dich aufgrund einer Enttäuschung nicht entmutigen!

Mit Enttäuschungen umgehen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 17 Juli 2014

Warst Du schon einmal richtig enttäuscht von einer Person oder einem Ereignis? Dann weißt Du sicher, wie sich Enttäuschung anfühlt. Enttäuschungen können starke Schmerzen verursachen. Eigentlich ist die Aussage „Jemand hat uns enttäuscht“ nicht korrekt. Wir sind eigentlich deshalb enttäuscht, weil eine Erwartung, die wir hatten, nicht eingetroffen ist. Jemand hat wider unserer Vorstellung gehandelt. Das bedeutet, wir stellen uns vorher genau vor, was wir bekommen werden oder wie sich jemand verhalten soll. Aufgrund dieser Vorstellung entstehen Bedürfnisse und konkrete Wünsche. Wir identifizieren uns oft sehr stark mit dieser Vorstellung. Treten unsere Vorstellungen nicht ein, sind wir ent-täuscht. Wortwörtlich also: wir haben eine Täuschung entdeckt. Die negativen Gefühle, die wir dann haben (z.B. Traurigkeit, Ärger oder Wut), können manchmal sehr stark oder auch weniger stark sein.

Enttäuschungen werden wir immer wieder in unserem Leben erleben. Wenn wir sie für immer vermeiden wollten, würde das bedeuten, wir dürften uns nie wieder auf etwas freuen oder uns auf jemanden einlassen! Vielmehr würden wir vollkommen erwartungslos und emotionslos durch das Leben gehen. Das ist weder realistisch noch gut für uns! Allerdings macht es auch wenig Sinn, an den eigenen Erwartungen zu haften. Jeder Mensch hat das Recht, anders als unsere Vorstellung zu sein oder zu handeln. Nicht alles wird so sein, wie wir es erwarten. Unsere Vorstellung entspricht nicht der objektiven Realität. Wenn wir uns davon frei machen, uns mit unseren Erwartungen zu identifizieren und daran zu kleben, sondern immer mit einem offenen „Anfängergeist“ (Alles ist möglich) durch das Leben gehen, können wir uns vor vielen Enttäuschen schützen. Wenn wir uns mehr auf die Gegenwart konzentrieren, anstatt schon etwas in unserer Vorstellung ständig zu durchleben, was noch nicht eingetreten ist, hilft uns das ebenfalls (Wir haben noch keine riesigen Luftschlösser gebaut, die wir wieder einreißen müssen).

Und wenn wir doch eine starke Enttäuschung fühlen?

Es steht in unserer Macht, schneller über die negativen Gefühle hinwegzukommen. Das gelingt uns besonders gut, wenn wir zunächst die Tatsache und unsere Gefühle aufgrund dessen akzeptieren und sie nicht wegdrücken. Es macht keinen Sinn, mit etwas zu hadern, was schon längst geschehen ist und sich nicht mehr ändern lässt. Unser Ärger kann nicht bewirken, dass sich der Ist-Zustand verändert. Wenn Du Deine Gefühle annimmst, ohne sie zu dramatisieren, hilft Dir das enorm. Fühle in Dich hinein: Wie würdest Du das Gefühl benennen? Wo ist das Gefühl in meinem Körper? Wo spüre ich es besonders intensiv? Wie fühlt es sich an?

Halte das Gefühl aus: Lasse es vollkommen zu! Du wirst bemerken, dass es sich irgendwann auflöst! Achte darauf, das Gefühl nicht durch weitere negative Gedanken anzukurbeln. Kenne ich dieses Gefühl vielleicht schon aus meiner Kindheit? Wenn Dir dieses Gefühl bekannt vorkommt, dann wurde ein „wunder Punkt“ berührt. Es ist verständlich, dass Dein „inneres Kind“ besonders verletzt ist. Lasse auch dieses intensive Gefühl zu und fange es auf. Tröste Dich selbst. Erlaube Dir, verletzt zu sein. Das ist keine Schwäche. Fasse die Enttäuschung besser so schnell wie möglich in Worte: Spreche mit Freunden darüber, diskutiere sie mit einem Experten, schreibe sie auf oder drücke Deine Enttäuschung gegenüber der Personen aus, die damit zu tun haben.

Sage Dir: Ich kann es nicht mehr ändern!! Es ist so, wie es ist! Ich kann nur MEIN Handeln und MEINE Gefühle beeinflussen. Andere sind so, wie sie sind. Jeder darf meine Erwartungen enttäuschen. Mache Dir keine Vorwürfe und akzeptiere die Situation! Es ist kein Zeichen von Unfähigkeit, wenn Du eine Enttäuschung erlebt hast. Nicht alles kannst Du im Leben von Anfang an passend voraussehen. Du kannst Menschen und ihre Beweggründe niemals komplett einschätzen. Überlege Dir, wie Du am besten mit der Situation umgehen kannst. Was kannst Du tun? Gibt es etwas zu klären? Lege Handlungsschritte fest.

Frage Dich weiterhin: Was kann ich für die Zukunft daraus lernen? Waren meine Erwartungen berechtigt? Habe ich etwas übersehen? Kann ich der Situation auch vielleicht etwas Positives abgewinnen? Unsere Enttäuschungen und Niederlagen können unsere besten Lehrer sein. Tiefe emotionale Erschütterungen helfen uns, uns mit unserem tiefsten Inneren zu verbinden. Wir lernen uns immer besser kennen und reifen. Außerdem wächst Schritt für Schritt unser Selbstvertrauen, wenn wir uns wieder „aufrappeln“ und neue Ziele und Ideen verfolgen.

Lasse Dich aufgrund einer Enttäuschung nicht entmutigen! Sie sind einfach Teil des Lebens und bringen Dich zudem in Bewegung. Oft sind diese Gefühle sogar versteckte Engel, weil Du ohne sie nicht dort angekommen wärest, wo Du heute bist. Sie beinhalten also auch immer eine riesen Entwicklungschance …

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Headerbild © Kiuikson (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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