Natürliche Achtsamkeit entdecken!

Entdecke natürliche Achtsamkeit

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 18 Oktober 2019

Zu Beginn eines Coachings frage ich meine Klienten oft, was ihnen gut tut, wo sie Energie tanken können oder zur Ruhe kommen. Fast ohne Ausnahme erwähnen sie die Natur. Besonders wohltuend ist für viele Menschen der Wald. Der eine liebt zusätzlich besonders die Berge, der andere das Meer. Schon eine Stunde in der Natur kann Wunder bewirken.

Warum ist die Natur unser bester Helfer?


Zunächst einmal ist die Natur unser evolutionäres Zu Hause. Es liegt in unseren Genen, dass wir die Natur lieben und uns dort wohlfühlen. Alles, was die Natur uns spiegelt, ist auch in uns.

»In der lebendigen Natur geschieht nichts, was nicht in der Verbindung mit dem Ganzen steht« J.W.v. Goethe

Vielleicht kennst Du dieses wunderschöne Gefühle von Ruhe, Einheit und Frieden, welches echte Naturerlebnisse in uns hervor- rufen können. Was ich mit „echten“ Naturerlebnissen meine? Sie sollten unverfälscht sein. Dazu gehört ein stilles, staunendes „sich einlassen“ ohne Ablenkung durch Gespräche, Handy, Musik, Hörbücher oder Grübeleien. Wann hast Du so ein Rendezvous mit Dir selbst gehabt? Wie oft schenkst Du Dir echte Naturerlebnisse?

Die Natur lädt uns zu dieser Reise ein. Sie weist uns direkt den Weg. Gönne Dir Zeit in der Natur. Mache sozusagen Urlaub. Du wirst Dich in Wäldern mehr finden, als in Büchern oder Gesprächen. Genauso, wie lebendige Natur ein knappes Gut geworden ist, bleibt der unverfälschte Kontakt zu uns selbst häufig auf der Strecke. Vieles in der Welt ist laut, hektisch, schnell, künstlich und oberflächlich geworden. Es mangelt uns an Echtheit, Empathie, Ausgeglichenheit, Ruhe und Tiefe.

Wer zufrieden sein will braucht Selbstbalance


Wenn Du Deinen Alltag voller Lebensfreude gestalten möchtest, brauchst Du Selbstbalance. Ein wesentliches Element davon
ist die Fähigkeit, die innere Mitte halten und immer wieder einnehmen zu können. So kannst Du vor allem in schwierigen Situat- ionen Ruhe und eine unvoreingenommene Sichtweise bewahren: Zentriertheit. Diese Zentriertheit ermöglicht Dir, Dich selbst zu spüren und gleichzeitig nicht Opfer der eigenen Impulsreaktionen auf äußere Umstände zu werden. Wer agiert anstatt zu regieren, gestaltet sein „Drehbuch“ des Lebens voller Bewusstheit selbst. Zentriertheit verschafft Dir innere Stärke,
Kreativität und Wohlbefinden.

Im Alltag geht uns unsere Zentriertheit oft verloren. Manche Tage kosten Kraft und Nerven. Wir fühlen uns gereizt und gestresst: der Kopf fährt Karussell. Unzählige Reize überfluten uns, der eine Termin jagt den nächsten und die Liste der un- erledigten Dinge nimmt kein Ende. Viele Menschen verlieren ihre wahren Bedürfnisse aus dem Blick und wälzen Probleme, anstatt zur Ruhe zu kommen. Sie surfen mit ihren Gedanken hin und her und verlieren die Verankerung im JETZT. Viele meiner Klienten beschreiben diesen Alltagstrott als einen Strudel, in dem sie sich gefangen fühlen. Licht und Klarblick fehlen.

Entkomme dem gedanklichen Strudel


Wenn Du dem Strudel entkommen und wieder Selbstbalance finden möchtest, ist es wichtig, dass Du Bewusstheit in Dein Leben einziehen lässt. Bewusstheit wird auch Achtsamkeit genannt und ist eine präsente, offene, absichtslose, wertfreie Haltung zum gegenwärtigen Geschehen. Wer achtsam ist, ist zentriert und hat einen klaren Blick nach außen und innen, der nicht durch gedanklichen Lärm verzerrt ist. Wie gut ist Dein Kontakt zur Gegenwart? Wie lange gelingt es Dir, gegenwärtig zu sein?

Hast Du Dir schon einmal bewusst gemacht, dass das Leben sich ausschließlich im jetzigen Moment abspielt? Wie kannst Du erfüllt leben, wenn Du dort niemals bist, sondern immer automatisch Deinen Gedanken folgst, die woanders sind? Wir können weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft, noch überhaupt durch Gedanken zu uns selbst und unserer Mitte finden, auch, wenn wir das ständig versuchen.

Die Natur lehrt uns Achtsamkeit


Die Natur ist immer gegenwärtig und voller Ruhe und Fülle. Je intensiver Du Dich auf die Natur einlässt, desto schneller wird sie in Dir das Gleiche aktivieren können. Es ist in der Natur besonders leicht, in die Haltung der Achtsamkeit zu kommen, weil die Natur jederzeit achtsam ist. Du nutzt die Natur dann nicht einfach nur als nette Kulisse, sondern als Tor zu achtsamer Begegnung. Hast Du einen Lieblingsplatz oder Ort in der Natur?

Schaue und fühle, was der Anblick dieses Ortes in Dir auslöst. Nutze alle Sinne, entdecke Farben, Gerüche, Geräusche, Tiere, Formen, Bewegungen und lasse diese Erfahrungen auf Dich wirken, ohne sie gedanklich zu werten. Schaue in den Himmel, auf den Boden, richte den Blick auf Blumen, Bäume, Pflanzen, Moose, Laub und gehe behutsam umher. Spüre den Kontakt Deiner Füße mit dem Boden, nehme Deine Atmung wahr und die Luft, die Du einatmest. Schließe vielleicht sogar für einen Augenblick einmal die Augen.

Übe dadurch, gegenwärtig und im wachen, offenen Kontakt mit Dir selbst und der Umgebung zu sein. Wiederhole diese Achtsamkeitspraxis, wann immer es Dir möglich ist. Lasse Dich freudig und ohne Erwartungen darauf ein. Beginne mit einigen Minuten und steigere die Dauer wöchentlich. Du wirst staunen, wie viel differenzierter Du nach einiger Zeit die natürliche Umgebung wahrnimmst. Wenn Du Deine Achtsamkeitserlebnisse intensivieren möchtest, lohnt sich ein Urlaub in lebendiger natürlicher Umgebung. Durch solche Urlaube und wiederholte Naturbesuche im Alltag kommen Deine Gedanken mehr und mehr zur Ruhe.

In der Haltung der Achtsamkeit grübelst Du nicht über die Vergangenheit, sammelst keine „to do`s“, machst keine Pläne für die Zukunft, ärgerst oder ängstigst Dich nicht, sondern erlebst die Gegenwart ganz bewusst. So schaffst Du Raum in Deinem Bewusstsein und zentrierst Dich. Wenn Du der Natur achtsam begegnest, begegnest Du Dir selbst. Da gibt es keine Trennung. Sie wirst spüren, dass plötzlich wieder Platz ist für Lebensfreude, gute Ideen und neue Perspektiven. Dein Herz öffnet sich und das Loslassen gelingt Dir besser.

Gleichzeitig hilfst Du der Natur, denn auch die Natur ist auf unsere Achtsamkeit angewiesen. Die Zerstörung und Ausbeutung der Natur sind ein Zeichen für die weit verbreitete Unachtsamkeit in unserer Gesellschaft.

Der Wald ist die perfekte Gesundheitsvorsorge


Der österreichische Biologe und Buchautor Clemens Arvay sammelt internationale Forschungsergebnisse zur Wirkung des Waldes auf unsere Gesundheit: „Der Wald hilft uns gegen Depressionen, Angstzustände, Wut, psychische Stressbelastungen und Burnout. Aber er stärkt auch unser Immunsystem, kann uns vor ernsthaften chronischen Krankheiten schützen und sogar vor Herzinfarkt.“ Die vielfältigen Sinneseindrücke, wie das Zwitschern der Vögel und der Geruch von Tannennadeln, stimulieren die Aktivität des Parasympatikus, so Clemens Arvay.

Der Parasympatikus ist ein wichtiger Teil unseres Nervensystems, der für Entspannung und Regeneration bis auf Zellebene verantwortlich ist. In unserem hektischen Leben ist der Gegenspieler des Parasympatikus, der Sympathikus, sehr aktiv. Teilweise kommt er überhaupt nicht mehr zum Stillstand und produziert selbst nachts Stresshormone. Wir modernen Menschen brauchen also den Wald als Ausgleich.

Durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume in die Luft abgeben, wird unser Immunsystem gestärkt. Unser Körper produziert aufgrund der in der Waldluft enthaltenen Terpene verstärkt so genannte Killerzellen, die gegen Krebs wirken können. (Quelle: „Effect of forest environment on human immune function“ (Qing Li))

In Japan sind Waldbesuche seit Jahren schon Teil der Gesundheitsvorsorge. Der Begriff „Shinrin-yoku“ bedeutet übersetzt „Waldbaden“ und ist eine japanische Tradition. 2012 wurde an japanischen Universitäten sogar ein eigener Forschungszweig
für „Waldmedizin“ eingerichtet.

Mein Tipp: Integriere regelmäßige Ausflüge in den Wald als festen Bestandteil Deiner Lebensbalance. Hier geht es nicht um sportliche Anstrengung, sondern um achtsame Spaziergänge oder das Aufsuchen von Ruheplätzen…

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
Bild #183438966 © mooshny / Adobe Stock

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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