Haben Ziele etwas mit Zeit zu tun oder macht Zielerreichung glücklich und zufrieden?

Äußere und innere Ziele erreichen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 29 Oktober 2014

Was ist der Unterschied zwischen einem inneren und einem äußeren Ziel? Der wesentliche Unterschied ist, dass ein äußeres Ziel sich durch etwas definiert, was wir tun, erreicht oder geschaffen haben und das innere Ziel etwas über unser „Sein“ berichtet. Es entsteht aus unserem Bewusstsein. Äußere Ziele definieren sich durch Messbarkeit und Zeit, innere Ziele sind zeitlos und immer abrufbar, dafür aber nicht in eine Formel zu bringen oder messbar.

Es gibt eine Wahrheit, die die größte Bedeutung für unser Leben hat: „Innere Zufriedenheit und Erfüllung sind nicht durch äußere Ziele zu erreichen“. Es geht im Leben also nicht um „wenn, dann…“, also um einen Glückszustand, den wir in der Zukunft anstreben, sondern um Glück, das durch Freude aus Dir selbst heraus entsteht: in diesem Moment. Unabhängig davon, ob äußere Ziele erreicht sind oder nicht. Passende Beispiele für äußere Ziele kennst Du bestimmt:

  • Ich will 10kg abnehmen
  • Ich möchte Kinder haben
  • Ich möchte im Jahr XXXX verdienen
  • Ich will in der Firma XXXX erreichen
  • Wenn ich 40 bin kaufe ich mir XXXX
  • Ich will einen Partner finden
  • Ich will XXXX werden

Was ist unser inneres Ziel? Mit einem Wort könnte man „Bewusstwerdung“ dazu sagen. Was ist Bewusstwerdung? Es ist die Erfahrung, wer DU als Mensch wirklich bist. Also, Dich selbst zu erkennen, zu schätzen, zu spüren und zu erfahren. Gelingt uns das, werden wir das Gefühl von Glück und Zufriedenheit erleben, was wir eigentlich das ganze Leben lang an anderer Stelle vergebens gesucht haben. Bedeutet das, dass äußere Ziele unwichtig sind? Nein, ganz im Gegenteil! Es bedeutet nur, dass äußere Ziele ohne Verwirklichung des inneren Ziels eine leere Hülle sind. Dein inneres Ziel bietet das Fundament, das alles trägt.

Jetzt wirst Du sicherlich sagen: „Ok, aber diese Bewusstwerdung, die ist mir noch nicht konkret genug“. Genau genommen, sagt Dir das gerade Dein Verstand durch Deine Gedanken. Der Verstand kann mit dem inneren Ziel nichts anfangen, da innere Ziele für ihn nicht greifbar sind. Dein Verstand braucht etwas, was er fassen und worauf er hinzuarbeiten kann, er braucht „Futter“! Dein inneres Ziel zu verwirklichen bedeutet, dass Du Dich von Deinem Verstand ein Stück weit löst und spürst, dass Du weit mehr bist als der Mensch, der denkt, leidet, Angst hat oder sich auf einen Zustand in der Zukunft freut.

Du erkennst, dass DU nicht aus „denkendem Bewusstsein“ bestehst. Wie Du das genau erreichen kannst und welche Schritte dafür aufeinanderfolgen müssen, kann ich Dir nicht sagen, weil es ein Prozess ist. Es gibt keine Agenda und kein Datum für die Zukunft. Sebstbewusstheit kannst Du sofort in diesem Moment erfahren. Je häufiger Du in diesem Zustand bist, desto schneller näherst Du Dich Deinem inneren Ziel. Plötzlich wird sich etwas in Dir verändern. Möglicherwiese machst Du eine der folgenden Erfahrungen:

• Fragen beantworten sich von selbst
• Du wirst gelassener, die innere Unruhe weicht
• Dein Stressempfinden mindert sich, Du schläfst ruhiger
• Du ärgerst dich nicht mehr über Dinge, die Du nicht ändern kannst
• Du beobachtest positive oder überraschende Veränderungen in Deinem Leben
• Deine schlechte Laune reduziert sich und Du erfährst immer mehr Momente der Freude aus Dir selbst heraus
• Du spürst Dich auch in schwierigen Situationen und bleibst innerlich stark, wo Dich sonst der Mut verlassen hätte und Du unsicher geworden wärest
• Dein Verlangen nach „mehr“ verwandelt sich zu einem Wunsch nach „ehrlicher“, „wertvoller“, „unverfälschter“ oder „echter“ und „intensiver
• Die Qualität Deiner Arbeit, Deiner Freizeitaktivitäten, Deiner Beziehungen und Deiner Gespräche verändert sich
• Du nutzt Deine Gedanken immer mehr als konstruktive Hilfe und lässt Dich nicht durch sie bestimmen
• Du nimmst Dich liebevoll an und erhältst Liebe bzw. kannst diese auch annehmen
• In Dir selbst wird es ruhig, da das Gedankenchaos Dich nicht beherrscht
• Du fühlst Dich wohl und energiegeladen

Es geht hier also nicht um bedeutsame Errungenschaften oder äußere Erfahrungen, sondern um inneres Erleben, durch das Bedeutsames in Dir entsteht. Bei der inneren Zielsetzung geht es nicht darum, den Lebenssinn zu „suchen“ und irgendwann in der Zukunft gefunden zu haben. Du kannst ihn hier und jetzt in dem finden, wo Du gerade bist, denn er ist Dein Leben. Immer, wenn Du Dich im jetzigen Moment spürst, bist Du mit Deinem inneren Ziel verbunden. Er besteht also nicht aus dem Ergebnis, sondern in der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, mit der Du etwas tust.

Du kannst also zufrieden und erfüllt sein, während Du gerade Unkraut aus einem Blumenbeet Deines Garten zupfst, weil Du dort gerade mit Deinem inneren Ziel verbunden bist und unzufrieden sein, obwohl Du gerade die Beförderung bekommen hast, auf die Du 3 Jahre hingearbeitet hast, weil dieses äußere Ziel nicht mit Deinem inneren Ziel verbunden war. Du hast die Beförderung auf Deiner äußeren „To do Liste“ abgehakt und kannst sie nicht wirklich genießen, weil Dein Verstand schon wieder auf der Suche nach einem neuen Ziel ist oder Angst hat, den neuen Posten nicht gut genug zu erfüllen. Du wirst dementsprechend nicht erfolgreich sein, wenn du etwas erreicht hast, sondern Du bist in jedem Moment erfolgreich und ganz, indem Du ganz bei Dir bist. Dazu brauchst Du nichts, außer Dir selbst.

Dein inneres Ziel kannst Du verfolgen, indem Du

– Deinen Körper spürst und Deine Aufmerksamkeit auf die Lebendigkeit darin lenkst (Atmung beobachten, Herzschlag, Beine oder Hände spüren, bewusste Aktivität)

– Momente der Stille genießt oder die Stille spürst, die alle Geräusche umgibt

– Deine Gedanken beobachtest und Dich nicht mit Ihnen sofort identifizierst oder darauf reagierst

– überprüfst, ob Du Deine Alltagsaktivitäten aus Dir selbst heraus mit Freude und Aufmerksamkeit tust, oder ob sie nur Mittel zum Zweck sind, lästig, belastend oder unangenehm erscheinen (tue ich das, was ich tue mit Freude aus mir selbst heraus oder meine ich, mich erst freuen zu können wenn XXX erreicht ist bzw., wenn XXX überwunden ist). Stellst Du fest, dass Freude oder zumindest innere Zustimmung erst ein Zukunftsprodukt darstellt, bist Du nicht mit Deinem inneren Ziel verbunden.

– Du das Leben als das akzeptierst, was Dir gerade geschieht, ohne es immer wieder in gut und schlecht aufteilen zu müssen und dem Leben vorschreiben zu wollen wie es für Dich zu sein hat (Widerstand zu leisten gegen das, was ist).

– Dich mit Menschen auch auf der Ebene des „Seins“ verbindest. Insbesondere Liebesbeziehungen bekommen eine ganz andere Qualität, wenn das Paar sich nicht nur durch äußere Ziele definiert. Plötzlich bekommt Eure Verbindung eine Unverwechselbarkeit und Tiefe. Spüre Deinen Partner, schweige mit ihm, lasse Dich wirklich auf ihn ein, anstatt von einer „Bespaßung oder Befriedigung“ zur nächsten zu eilen. Fühlt Eure Präsenz als Paar, ohne Euch durch Eure Rollen oder Ansprüche zu definieren.

Du wirst mit der Zeit beobachten, dass sich die Qualität Deiner Beziehungen entweder verbessert oder Deine Veränderung dazu führt, dass sich Beziehungen auflösen, die nur äußere Ziele miteinander verbinden. Das ist dann nicht schlimm, sondern es ist einfach so, weil ihr eine unterschiedliche innere Entwicklung habt. Wie Du siehst, geht es darum, sich überhaupt dessen bewusst zu werden, dass es ein inneres Ziel gibt und das die Verwirklichung dieses Ziels nach völlig anderen Gesetzmäßigkeiten verläuft, als der Verstand es zu fassen mag. Auch, wenn das jetzt völliges Neuland für Dich ist und Dein Verstand etwas skeptisch am liebsten davon Abstand nehmen würde nach dem Motto „alles Quatsch“. Ich kann Dich nur dazu einladen, Dein inneres Ziel zu erschließen und Deine äußeren Ziele als Krönung und als Ausdruck dessen, was in Dir ist, zu verwirklichen …

Headerbild © Ilona Voss (Fotodesign Voss)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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