Angstzustände überwinden und Ängste für immer auflösen!

Ängste überwinden und Angstzustände auflösen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 26 Juni 2015

Welche Vorstellung löst in Dir Angst aus? Wovor hast Du Angst? Welcher Situation stellst Du Dich nicht? Was verdrängst Du? Jeder von uns kennt Angst. Und sie hat auch ihre guten Seiten. Sie bildet eine Art „Schutzmauer“. Ohne Angst würden wir keinerlei Bremse verspüren, keinen Sinn für eine mögliche Gefahr haben und damit uns selbst und andere gefährden.

Angst ist eine biologisch sinnvolle Reaktion auf eine Bedrohung, sie mobilisiert Energie für Kampf oder Flucht und sorgt dafür, dass wir Situationen vermeiden oder flüchten. Doch sehr häufig entsteht Angst bei uns ohne tatsächliche Bedrohung und wird zur Belastung und/oder Hindernis und schränkt unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität erheblich ein.
Wir haben eine Angstgewohnheit erzeugt!

Es gibt verschiedene Intensitäten und Formen der Angst. Viele Ängste können wir aus eigner Kraft überwinden und uns
wieder frei fühlen. Es gibt auch Ängste, die nur mithilfe eines Experten nachhaltig bewältigt und aufgelöst werden können. Insbesondere traumatische Erlebnisse in der Kindheit können tief liegende Ängste verursachen. Panikattacken oder phobische Reaktionen sind sehr intensive Angstanfälle. Auch sie können aufgelöst werden. Dort ist es sehr nützlich und effektiv, sich externe Hilfe zu suchen. Nichts muss so bleiben, wie es ist – auch wenn wir die Angst schon lange mit uns herumtragen.

Was kannst Du selbst tun, wenn Du eine Angstreaktion spürst?

Es gibt Strategien, die besonders naheliegen, aber ungeeignet sind, weil sie die Angst nicht an der Wurzel packen. Ganz im Gegenteil, die Angst wächst sogar, hat immer mehr negative Begleiterscheinungen und wir zahlen einen zu hohen Preis, wenn wir langfristig auf nchfolgende Misserfolgs-Strategien setzen: Betäubung, Flucht, Verdrängung, Unterdrückung, Grübeleien, um die Angst vorhersehen, erwarten oder kontrollieren zu können, Aufschieben, Zwänge, Vermeidungsverhalten, übertriebene Sicherheitsmaßnahmen oder Dramatisierung. Was hilft nun wirklich, um die Angstgefühle aufzulösen? Der beste Weg führt mitten durch die Angst hindurch. Angstgefühle entstehen durch Denken.

Wichtig: keine Angst vor der Angst entwickeln. Angstgefühle fühlen sich zwar unheimlich unangenehm an, können aber keinen wirklichen Schaden anrichten oder uns zerstören. Lass die Angst nicht zum übermächtigen Gegner werden, denn im Grunde genommen ist sie nicht gefährlich und bedrohlich. Zunächst einmal ist es wichtig, dass Du Dich mit der Angst beschäftigst. Bringe das Licht des Bewusstseins in Deine Ängste. Wie ist die Angst entstanden? Welche Geschichte erzählst Du Dir dazu? Was ist der wirkliche Grund für die Angst? Was genau löst die Angst aus? Was tust Du, um die Angst aufrechzuerhalten? Was fürchtest Du? Was für Gedanken gehen Dir durch den Kopf? Was fühlst Du? Wie reagierst Du dann?

Keine Angst entsteht von allein!

Wir selbst erschaffen die Angstgefühle und müssen aktiv etwas tun, damit sie entstehen. Kein Auslöser der Welt erschafft direkt ein Angstgefühl, es liegt unsere eigene angstvolle Bewertung und Vorstellung dazwischen. Tausche negative gegen positive oder zumindest neutrale Gedanken und bemerke, dass sich auch Dein Angstgefühl verändert. Begegne Schritt für Schritt Deiner Angst. Wage Dich in die „gefährliche“ Zone. Es geht darum, die Herausforderung in kleinen Steigerungsschritten zu suchen und diese anzunehmen. Beginne mit ganz kleinen Herausforderungen, denen Du Dich stellst und steigere Dich.

Jetzt ist es wichtig, dass Du genau das tust, was Dir unmöglich erscheint: lasse die Angst vollkommen zu! Nimm sie an, lade sie ein, fühle sie bewusst. Konzentriere Dich voll und ganz auf das Gefühl ohne es zu bekämpfen. Du wirst spüren, dass Angstgefühle nichts weiter als Energie sind. Je intensiver Du sie zulässt, desto schneller verschwinden sie wieder. Verwechsle das Spüren der Angstgefühle nicht mit Angstgedanken. Angstgedanken sollst Du weder intensivieren, noch zulassen, noch ausbauen. Identifiziere alle angstauslösenden Gedanken, stoppe sie sofort und konzentriere Dich auf das körperliche Gefühl. Sammle Erfolgserlebnisse und überschreibe die alte Gewohnheit. Versuche einen Kreislauf einzuüben:

1) Stelle Dich den angstvoll besetzen Situationen, erwische Dich dabei, wenn Du Dir selbst durch Deine Gedanken Angst machst und frage Dich: Welche Gedanken habe ich gerade? Was bringt mir das? Stimmt das eigentlich? Ist das wahr? Wie wahrscheinlich ist es, dass meine Befürchtungen eintreffen? Könnte mir ein anderer Gedanke viel besser helfen? Denke um oder halte stoppe die negativen Gedanken.

2) Die Gefühle, die durch Deine angstvollen Gedanken zunächst noch ausgelöst werden, nimmst Du als körperliche Antwort darauf als Energie bewusst wahr und spürst sie, bis sie wieder verschwunden ist. Das wird in weniger als einer Minute geschehen sein.

3) Atme bewusst dabei tief und regelmäßig in den Bauch. Lasse keine neuen Angstgedanken zu. Regelmäßiges, ruhiges Weiteratmen kann ebenfalls verhindern, dass sich die Angst zur Panikattacke steigert.

Übe diesen Ablauf immer und immer wieder. Du wirst merken, dass die Angst plötzlich kein bedrohliches unbekanntes Monster ist, sondern ein Prozess, den Du erkennst und steuern bzw. unterbrechen kannst. Du wirst immer wieder merken, dass Deine Angstgedanken unbegründet waren. Es bildet sich eine innere Sicherheit. Was sonst noch hilft:

Achtsamkeit und Konzentration auf den gegenwärtigen Moment rückt jeder Angst zu Leibe.

Regelmäßige sportliche Aktivitäten, Yoga, Entspannungstraining und Meditation können Angstreaktionen langfristig stark mindern.

Kommt es zu einer panikbedingten Hyperventilation (starkem Luftholen wegen Atemnot), dann empfehlen Mediziner, in eine Tüte zu atmen, damit sich das Verhältnis von Sauerstoff zu Kohlendioxid im Blut wieder normalisiert.

Mentaler Anker: Stelle Dir eine entspannte, sichere Situation möglichst genau und in allen Einzelheiten vor, in der Du Dich souverän, ruhig und gut fühlst. Siehst Du die Szene klar vor Deinem geistigen Auge und kannst Du das gute Gefühl besonders intensiv spüren, ballst Du die Hand zur Faust. Dies trainierst Du mehrfach. Durch Aktivieren der Faust kannst Du nun in unsicheren Situationen das gute und souveräne Gefühl innerlich ebenfalls aufrufen.

Lenke Deinen Perfektionismus in gesunde Bahnen! Zu hohe Ansprüche und das innere Verbot, Fehler machen zu dürfen, kann in vielen Situationen Ängste auslösen, die nicht nötig sind.

Traue Dich, NEIN zu sagen und reduziere Stressoren eindeutig. Mit einem Gefühl der Überforderung werden Ängste geradezu eingeladen.

Headerbild © Nagel’s Blickwinkel (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Kommentare

  1. Grüße Dich Brigitta,

    guter Artikel. Danke Dir. Besonders gefallen hat mir die schön klare Aussage: „Kein Auslöser der Welt erschafft direkt ein Angstgefühl, es liegt unsere eigene angstvolle Bewertung und Vorstellung dazwischen.“

    Das ist bei mir auch öfter der „Knackpunkt“, an dem ich meine Angst zu packen bekommen.

    Danke + Grüße

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