Zerrissenheit mit dem Inneren Team auflösen!

Zerrissenheit auflösen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 14 Juli 2016

Wer kennt es nicht: Wir sind innerlich zerrissen, können keine Entscheidung treffen oder stehen uns bei einer gewünschten Veränderung ständig selbst im Weg, weil wir nicht das tun, was wir uns eigentlich vorgenommen haben. Oftmals sind wir verwundert über unsere gefühlte Inkonsequenz, das „hin und her gerissen“ sein oder den inneren Nebel, der uns umgibt. Manchmal ärgern wir uns auch über uns selbst und können nicht verstehen, warum wir an dieser bestimmten Stelle einfach nicht weiterkommen oder völlig „unlogisch“ handeln und können uns selbst nicht verstehen. Hier kann es helfen, wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach innen richten, um mit den verschiedenen Teilen in uns Klärung zu erzielen.

Zerrissenheit auflösen mit dem „Inneren Team“

Bei der Methode des „Inneren Teams“ handelt es sich um ein vielfach erprobtes praktisches Werkzeug, das wir vielfältig nutzen können. Durch den Dialog mit unserem „Inneren Team“ (unsere vielen inneren Stimmen) lassen sich innere und äußere Konflikte lösen, Veränderungen erzielen, Ziele besser erreichen und schwierige Entscheidungssituationen klären. Schulz von Thun hat dieses Modell begründet, es basiert auf seinen jahrzehntelangen Erfahrungen als Kommunikationstrainer, Forscher und Klärungshelfer. Grundlage des Modells zum Inneren Team ist seine Kommunikationstheorie, welche wie folgt lautet:

Wir alle haben in uns unterschiedliches Teammitglieder, die für etwas stehen. Jedes Teammitglied besitzt eine eigene Botschaft, die zunächst „gehört„, konkretisiert und wertgeschätzt werden sollte. Ein Beispiel: Eine Frau fühlt den Impuls „Das hätte ich noch besser machen müssen!“ (innere Stimme). Sie stellt sich die Frage: „Wer steckt hinter dieser Aussage?“ (Welches Teammitglied verbirgt sich hinter der Aussage?) Sie sollte dieser Stimme einen möglichst passenden Namen geben: z.B. Zweifler, Kritiker oder Perfektionist. Beachten sollten wir, dass solche Aussagen oft kognitive, emotionale und motivationale Komponenten beinhalten, ebenso Werte und Normen.

In einem inneren Klärungsprozess ist es wichtig, dass alle Stimmen gehört werden (auch die, die wir nicht so gerne mögen), damit später nicht ein Teammitglied die getroffene Entscheidung verärgert boykottiert oder in den Widerstand geht. Als ersten Schritt ist es für Dich hilfreich, die innere Uneinigkeit zunächst zu akzeptieren und anzunehmen. Jedes Teammitglied hat seine eigene Absicht, Weisheit oder Botschaft, die Du nutzen kannst. Hinterfrage alle Teammitglieder zu diesem Thema und arbeite die Absichten heraus. Dann kannst Du die Absichten sortieren. Welche Teammitglieder sind z.B. für eine Entscheidung, welche wehren sich dagegen oder welche haben Bedenken?

Dokumentiere am besten diese Erkenntnisse schriftlich oder erstelle ein kleines Schaubild. Dazu brauchen wir Ruhe, Geduld, Empathie, Spaß, und Bereitschaft zur Ehrlichkeit mit uns selbst. Oft ist es so, dass wir immer nur in Kontakt mit unserem Liebling aus dem Team gehen oder mit dem Teil, der gewohnheitsmäßig die meiste Macht in uns hat. Dadurch kommt es oft
zu einem inneren Gleichgewicht oder Unzufriedenheit, Zerrissenheit und Blockaden. Nur wenn jedes Teammitglied, auch die Teile die wir in uns nicht gerne hören wollen, wirklich gehört werden, können alle die spätere Entscheidung mittragen. Es lohnt sich in jedem Fall, diese Zeit zu investieren, weil wir nur auf diese Weise dauerhaft die Zerrissenheit auflösen können.

Im letzten Schritt solltest Du selbst zu einer klaren Entscheidung kommen, die alle Teammitglieder und dessen Bedürfnisse
und Hinweise berücksichtigt. Wenn wir diese innere Zusammenarbeit in Form eines „Interviews“ der Teampartner oder eines „Meetings“ trainieren, werden wir immer schneller und treffsicherer in der inneren Analyse und brauchen nach und nach keine exakte schriftliche Formulierung oder Benennung des Teils mehr. Zu Beginn ist diese „Skizze“ jedoch wichtig, um einen besseren Kontakt zum inneren Team zu bekommen und die Wahrnehmung dafür zu schärfen.

Die Arbeit mit dem inneren Team können wir in allen Lebensbereichen einsetzen: Im Privatleben, für einen besseren Umgang mit Stressoren, in der Beziehung, mit Kindern, im Beruf, beim Sport, für unsere Zukunftsplanung, bei Ängsten, Entscheidungen oder im Gesundheitsmanagement (körperliche Symptome auflösen). Manchmal ist es hilfreich, wenn wir gemeinsam mit einem Coach oder einer anderen qualifizierten Person die inneren Anteile herausarbeiten, da es insbesondere bei tieferen Konflikten nicht immer einfach ist, die Stimmen zu identifizieren und die Absichten genau zu spüren.

Erkenntnisse, die wir dadurch laut Schulz von Thun gewinnen können:

• Wir sind mit uns selbst keinesfalls immer ein Herz und eine Seele
• Aus der Not eine Tugend machen: das Ergebnis einer Klärung mit dem Inneren Team ist mehr als die Summe aller einzelnen Stimmen
• Arbeit mit Innerem Team nutzt versammelte Weisheit und Energie, volles Potenzial
• In Übereinstimmung mit uns selbst kommunizieren, nicht gegen uns handeln
• Klarheit, Ehrlichkeit, Offenheit, Stimmigkeit
• Geliebte und ungeliebte Anteile zulassen
• Nicht moralisieren, sondern akzeptieren
• Innere Pluralität (zerstrittener Haufen) ist normal, keine Störung
• Arbeit mit dem Inneren Team ist eine Art emotionale „Hebammen-Tätigkeit
• Arbeit mit dem Inneren Team ist eine Analogie zum kooperativen Führungsstil
• Veränderung kann nicht erzwungen werden, wir können die Rechnung nicht ohne den Wirt machen
• Wenn eine Veränderung nicht gelingt, dann wurden nicht alle Absichten herausgearbeitet und beachtet (fehlende Ökologie)
• Zeichen für Konflikte, die mit dem Inneren Team lösbar sein können, sind: ungutes Gefühl, Grummeln in der Magengegend, schlechtes Gewissen, ständiges Hinterfragen, gesetzte Ziele werden wiederholt nicht erreicht, Entscheidungsunfähigkeit, Ängste, Unruhe, extreme Ausbrecher aus dem gewählten Verhalten

Tipps für die Namensfindung:
Antagonisten: Die Großzügige – die Geizige; der Quälgeist – der gute Geist; die Macherin – die Entspannungssuchende; die Außenseiterin – die Angepasste, die Stimmungsmacherin – der Stimmungsverderber, der Stubenhocker – der Freiheitsliebende; der Abenteurer – die Ängstliche; das gebrannte Kind – die Naive; der Kontrollierte – der Gierige / der Hungergeist; der Organisierte – der Kreative Chaot; der Richter – der Verständnisvolle.

Humorvolle oder bildhafte Namen: Ritter, Polizist, fleißige Biene, das Kind, Bequemer Sesselhocker, Beleidigte Leberwurst oder auch Abwehr-Maurer, Neidhammel, Selbstzweifler, Königin, der Lustvolle, der Überlegene, der Künstler, der Frustrierte, die Rücksichtsvolle, die Kämpferische, die Resignierte, der Gekränkte, der Labrador, die Ameise, der Pfau, der Löwe, die Wölfin.

Der Fantasie bei der Namensfindung sind keine Grenzen gesetzt. Hier darfst Du gerne kreativ sein. Wichtig ist, dass Du diesen Namen in Dir fühlen kannst und dass dazu in Dir eine Resonanz (ja, das passt) entsteht …

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
Headerbild © Trueffelpix (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

Teile deine Gedanken und Kommentiere meinen Blickwinkel ...