Vertrauen finden und aufzubauen beginnt immer mit eigenem Selbstvertrauen!

Vertrauen finden

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 16 Oktober 2015

Wir alle wünschen uns im Umgang miteinander Vertrauen. Wenn man Menschen fragt, was ihnen in einer Beziehung besonders wichtig ist (und dabei ist es egal, ob es sich um eine persönliche oder Geschäftsbeziehung handelt), dann ist es: VERTRAUEN! Doch was genau ist nun Vertrauen? Vertrauen ist nicht Sicherheit! Vertrauen ist ein subjektives Gefühl oder ein Glaube an die Richtigkeit und Wahrheit von Menschen, Handlungen oder Aussagen eines anderen oder von sich selbst (Selbstvertrauen).

Kann man denn überhaupt jemanden trauen?“ Sicherlich hast Du Dir diese Frage auch schon einmal gestellt und besonders dann, wenn Du enttäuscht worden bist. Viele Menschen, die tief enttäuscht worden sind, als Kind kein Vertrauen zu Menschen aufbauen konnten, kein Selbstvertrauen spüren, gelernt haben, die Kontrolle behalten zu müssen oder nie gelernt haben zu vertrauen, werden misstrauisch gegenüber anderen Menschen. Das Misstrauen ist für sie eine Art Panzer oder Schutzmauer, das sie vor neuen schlechten Erfahrungen oder Fehlern bewahren soll:

Vertrau niemanden, dann kannst Du auch nicht verletzt oder enttäuscht werden!“, „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“, „Keiner kann mir das Wasser reichen?“ oder „Menschen sind schlecht und wollen mich ausnutzen!“ Dieser Panzer schützt uns jedoch nicht nur vor schlechten sondern auch vor guten Emotionen oder Erfahrungen. Er hindert uns daran, eine wirkliche Bindung zu Menschen einzugehen, über uns hinauszuwachsen, uns zu entwickeln und gaukelt uns falsche Sicherheit vor.

Vertrauen beginnt mit Selbstvertrauen
Wenn wir uns selbst vertrauen, dann glauben wir an unsere eigene Fähigkeit, mit emotionalen Hindernissen oder Konflikten, die auf uns zukommen, umgehen zu können. Damit umgehen können bedeutet nicht, Gefühle zu verdrängen oder immer stark und unverletzbar zu sein. Wer Selbstvertrauen besitzt, der traut sich selbst zu, sich mit den eigenen Ängsten und Gefühlen auseinanderzusetzen, sie zuzulassen, daran zu wachsen und eine Lösung zu finden. Wir erlauben uns Fehler zu machen und daraus zu lernen. Wir gehen liebevoll und verantwortlich mit uns um.

Durch Misstrauen versuchen wir das Verhalten anderer Menschen schon vorher unter Kontrolle zu haben, um damit umgehen zu können und nicht überrascht zu werden. Ebenso urteilen wir genauso scharf und unempathisch über andere Personen, wie über uns selbst, wenn wir wenig Selbstvertrauen haben. Wir fällen harte moralische Urteile über uns und andere, weil wir uns selbst nicht annehmen und tolerieren können. Unser Vertrauen bzw. Selbstvertrauen kann schon als Kind einen Riss erhalten haben. Wir sprechen dann von Urverletzungen, welche sich bei folgenden Situationen bemerkbar machen können:

Wenn wir Angst haben und keiner uns beisteht
Wenn wir Hilfe brauchen und uns allein gelassen fühlen
Wenn wir bewusst getäuscht werden und es bemerken
Wenn wir durch Missbrauch oder mit Gewalt konfrontiert werden
Wenn wir ständig kritisiert werden und uns deswegen minderwertig fühlen
Wenn wir ständig dem Vergleich mit „perfekten Personen“ standhalten müssen
Wenn wir uns ungeliebt fühlen oder nur dann geliebt werden, wenn wir etwas leisten
Wenn andere alles für uns regeln und wir nicht lernen für uns selbst verantwortlich zu sein
Wenn wir Erwartungshaltungen erfüllen müssen oder bestraft werden, wenn das nicht der Fall ist
Wenn wir durch „Überbehütung“ von Liebe und Bestätigung durch andere abhängig werden
Wenn wir kein Urvertrauen aufbauen konnten und immer auf uns allein gestellt waren
Wenn wichtige Bezugspersonen durch Krankheit, Tod oder Trennung verschwinden
Wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen oder grundlos bestraft werden
Wenn andere ihre Versprechen regelmäßig nicht einhalten
Wenn wir nie mit Konflikten konfrontiert werden

Diese Kindheitserfahrungen übertragen wir ungefiltert auf unser Leben als Erwachsener. Welche Erfahrungen hast Du als Kind gemacht und welche Konsequenz hat das für Dich heute? Du erhältst das, was Du erwartest und sendest. Wenn wir also voller Misstrauen und Unsicherheit sind, werden wir auch genau diese Erfahrungen in unserem Leben machen. Das bedeutet nicht, dass wir blauäugig durch das Leben gehen sollten. Überlege Dir, wie für Dich ein wertschätzendes Miteinander aussieht.

Lerne, Dich an Menschen zu verschenken und nicht voller Misstrauen nur etwas zu fordern. Gehe voraus, lerne zu tolerieren, loszulassen, zu lieben und zu verzeihen! Gib anderen Menschen die Chance, Dein Vertrauen zu erhalten und entziehe es erst dann, wenn Deine Vorstellungen immer wieder enttäuscht worden sind. Bringe diesem Menschen dann nicht dauerhaft Bosheit und Misstrauen entgegen, sondern wende Dich einfach ab, weil er andere Wertmaßstäbe hat als Du. Versuche auch in anderen Menschen Ängste und innere Hindernisse zu erkennen, anstatt sie zu verurteilen.

Öffne Dich und werde lebendig. Der erste Schritt zu vertrauen, ist die Bereitschaft, neue Erfahrungen zu sammeln und nicht die alten Erfahrungen zu bestätigen. Vertrauen kommt auch durch sich-an-ver-trauen. Das bedeutet: Vertraue einem Menschen, dem Du vertrauen möchtest und von dem Du Dir Vertrauen wünschst. Werde diesem Menschen gegenüber offen. Vertraue ihm zunächst Deine Gefühle, Wünsche, Enttäuschungen, Bedürfnisse und Ängste an. Offenheit schafft Nähe wie auch wirkliche Bindung und Vertrauen. Stehe zu dem, was Du sagst und fordere es umgekehrt auch von anderen Menschen ein.

Manchmal ergibt sich Misstrauen auch durch ein Missverständnis oder ein zu schnelles Urteil. Nimm Deine Sicht der Dinge nicht als objektiven Maßstab an. Vertrauen ist ein wunderschönes Gefühl für den, der es schenkt und auch für den, der es erhält. Suche Dir einen Menschen aus, zu dem Du Vertrauen aufbauen möchtest: Fange bei Deinem Selbstvertrauen an, trau Dich dann neue Erfahrungen zu machen und vertraue Dich an. Du wirst staunen, was geschehen wird …

Headerbild © Drubig Photo (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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