Stärke Dein Selbstwertgefühl und baue eine gesunde Beziehung zu Dir selbst und anderen Menschen auf!

So stärkst Du Dein echtes Selbstwertgefühl

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 5 September 2018

Wir brauchen das Bewusstsein für unseren Wert, damit wir eine gesunde Beziehung zu uns selbst und anderen Menschen aufbauen können. Vielleicht hast Du schon mitbekommen, dass Deine Stimme im Kopf Dich ganz schön stresst oder häufig abwertet? Doch was ist das eigentlich ein echtes Selbstwertgefühl?

Häufig sagen Menschen etwas wie: „Du musst Dein Selbstwertgefühl“ aufbauen, oder „Ich habe wenig Selbstwertgefühl“. Richtig würde es eigentlich heißen: „Ich spüre wenig Selbstwertgefühl, ich habe keinen Kontakt zu mir“. Selbstwert haben wir alle, es ist eine angeborene Fähigkeit, dass wir Kontakt zu diesem großen „Urgefühl“ in uns bekommen können.
Nur haben viele Menschen das im Laufe Ihrer Erziehung und Entwicklung verlernt.

Jeder Mensch kommt auf die Welt mit dem Bedürfnis nach Anerkennung, Selbsterfahrung und bedingungsloser Liebe. Er ist
wie ein leeres Gefäß, was damit gefüllt werden möchte. Wir brauchen zunächst unsere Eltern als Spiegel und Übermittler, damit wir dieses „Urgefühl“ in uns selbst spüren können. Bekommen wir die dafür wichtigen Botschaften vermittelt, füllt sich unser ICH-Gefäß mit einer Füllung, die uns dieses große wertvolle „Urgefühl“ spüren lässt. Wir fühlen unseren „echten Wert“.

Was ist der „echte Wert“?

 
Echt bedeutet: Liebe und Wert, der nicht an Bedingungen geknüpft ist: „Ich bin wertvoll, weil ich wertvoll bin. Ich brauche es nicht beweisen.“ „Ich bin vollkommen und ganz, so wie ich bin.“ Bekommen wir Zugang zu diesem echten Selbstwertgefühl, ist das wie eine innere Schatzkammer, aus der wir schöpfen können. Diese Füllung im Gefäß kann uns nämlich niemand mehr nehmen, wir bauen ein Urvertrauen zu uns selbst auf. Egal, was im Außen geschieht, wir können uns selbst auffangen.

Wichtige Kernbotschaften, die wir durch unsere Eltern oder wichtige Bezugspersonen gespiegelt bekommen sollten,
um diesen Schatz zu entdecken wären z.B.:

– Ich liebe Dich genau so, wie Du bist
– Ich habe keine Erwartungen, denen Du gerecht werden musst
– Du bist frei, anders zu sein, als ich. Ich ermutige Dich, Deinen eigenen Weg zu gehen
– Du darfst Fehler machen, Dein Wert bleibt davon unberührt
– Ich sehe, fühle, höre Dich und nehme Dich ernst
– Ich bin für Dich da, Du kannst mir vertrauen
– Du kannst Deiner inneren Stimme vertrauen
– Ich setze Grenzen, um Dich zu schützen
– Ich sorge für Dich
– Ich vertraue Dir

Diese Kernbotschaften verinnerlichen wir und sie prägen unser Selbstbild. Bleiben sie aus, fehlt diese Füllung in unserem ICH-Gefäß. Wir richten unseren Wert nach den Vorstellungen unseres „Egos“ aus und dieses richtet über unser Selbstwert- gefühl. Wir sind davon abhängig, ständig etwas dafür tun zu müssen, dass wir genug Flüssigkeit in unserem ICH-Gefäß haben. Wir lernen also, dass Liebe und Wert an Bedingungen geknüpft ist.

Natürlich wollen wir trotzdem jeden Tag ein gefülltes Gefäß haben und erarbeiten oder erkämpfen uns täglich ununterbrochen ein „oberflächliches“ Selbstwertgefühl. Dieses Selbstwertgefühl ist abhängig von äußeren Bedingungen und schwankt täglich wie eine Aktie, deren Marktwert sich von Minute zu Minute ändern kann.

Unser „oberflächliches“ Selbstwertgefühl, das wir durch Vorstellungen und Gedanken erzeugen, beziehen wir beispielsweise durch: Besitz oder Verdienst, Leistung, Wissen oder Bildung, Aussehen, Alter, Geschlecht, Erwartungen und Ansprüche, die wir erfüllen, die berufliche Aufgabe, Erfolg, Lifestyle, Lob und Anerkennung von Außen, Partner, Kinder oder Freunde.

Unser Marktwert ist niemals stabil

 
Wie Du siehst, ist „oberflächliches“ Selbstwertgefühl niemals stabil, enormen Schwankungen ausgesetzt und erreicht auch niemals ein Optimum, weil immer noch „mehr“ geht. Haben wir etwas erreicht, meldet sich kurze Zeit später schon wieder das Ego mit der Angst und Unruhe, dass es uns genommen werden könnten, dass wir dem nicht gerecht werden, oder, dass es noch etwas anderes geben muss für uns. Wahre und stabile Selbstwertschätzung ist nicht durch äußere Anstrengung zu erreichen, sondern durch Kontakt zu unserem echten Kern.

Was wäre, wenn von heute auf morgen Dein Beruf, Deine Beziehung, Deine Kinder, Dein attraktives Äußeres oder etwas anderes in Deinem Leben verlieren würdest? Was wäre dann noch übrig? Woraus beziehst Du Deinen Wert? Solange der „oberflächliche“ Selbstwert ein Teil von Dir ist, ist das gesund und vollkommen normal. Ungesund wird es, wenn Du Dich fast ausschließlich dadurch definieren musst, weil Du den echten Kern nicht spürst. Wie kannst Du lernen, Deinen ECHTEN Kern
zu spüren und Dich unabhängig vom „oberflächlichen“ Selbstwert zu machen?

Zunächst einmal kannst Du Dir die Wahrheiten über ein gesundes Selbstwertgefühl immer wieder vor Augen führen und zu Deinem täglichen Vokabular machen, insbesondere in Situationen, die Dein Selbstwertgefühl auf die Probe stellen. Jeder Satz davon braucht mindestens 1000 Wiederholungen, um verinnerlicht zu werden. Das ist wie beim Erlernen einer neuen Fremdsprache:

– Ich bin wertvoll, weil ich wertvoll bin
– Ich brauche nicht perfekt sein oder etwas beweisen
– Ich bin frei, das zu tun, was für mich gut und wichtig ist
– Ich darf Fehler machen, mein Wert bleibt davon unberührt
– Ich sorge für mich auch, wenn andere nicht für mich da sind
– Ich liebe mich für das, was ich bin und nicht für das, was ich tue
– Ich beschütze mich und setze Grenzen; ich darf NEIN sagen
– Ich vertraue mir und brauche keine Angst zu haben
– Egal, was geschieht, ich helfe mir immer wieder auf
– Ich bin stolz auf mich

Weiterhin ist wichtig, dass Du lernst, Dich von der kritischen Stimme im Kopf zu lösen, wenn sie Dich abwertet aufgrund von „Fehlern“, „Misserfolgen“ oder „Kritik“. Die Stimme berichtet niemals über die objektive Realität, sie spult nur ihre konditionierte Software ab. Beispiel: Du hast einen Fehler gemacht. Die Stimme meldet sich sofort: „Du schon wieder, das darf Dir nicht passieren!“ Es stellen sich Schuldgefühle ein. Agiere ab sofort wie folgt:

1) Distanziere Dich, indem Du die Stimme beobachtest.
  
2) Bestätige sie, kämpfe nicht gegen sie und sage: „Stimmt, in Deiner erlernten Welt ist das so! Da darf man keine Fehler machen. Mag sein.“
  
3) Übernehme die Führung für eine neue Haltung: „Und trotzdem bin ich wertvoll, obwohl ich diesen Fehler gemacht habe. Ich darf Fehler machen, jeder macht Fehler. Fehler ermöglichen Fortschritt.“
  
4) Wiederhole diesen Ablauf so oft wie möglich, wann immer Du ähnliche Situationen erlebst.
Lasse Dich nicht durch unangenehme Gefühlen davon abbringen.

Ein neues Bewusstsein wird sich ausbreiten: „Tief in meinem Inneren bin ich unverletzlich“. „Ich bin nicht in Gefahr“. Eine weitere Möglichkeit, den echten Kern zu stärken, ist, immer wieder mit ihm in Kontakt zu kommen. Verbringe Zeit mit Dir selbst ohne externe Beschallung durch Handy, Gespräche, Musik oder den Fernseher. Komme regelmäßig zur Ruhe, indem Du einfach eine Stunde in der Natur spazieren gehst. Suche also gezielt die Stille auf, auch, wenn Du dann zunächst beobachten wirst, wie viel Lärm die Stimme im Kopf macht.

Genieße das Alleinsein, übe Dich darin, Entscheidungen selbst zu treffen ohne externe Referenz. Wenn Du gerade eine Leere durch einen Verlust in Deinem Leben gibt: halte ihn aus, ohne ihn direkt wieder auffüllen zu wollen, denn Du triffst gerade auf DIE Gelegenheit, Deinen Kern zu berühren und zu stärken. Halte das Gefühl von Leere, Traurigkeit oder Angst aus! Irgendwann wirst Du spüren, dass genau diese Leere, die Du zunächst als bedrohlich empfindest, zu echter Fülle führt. Nehme die Lernaufgabe an und gehe durch die Einsamkeit hindurch.

Spüre, was Du möchtest, was Du fühlst und was in Dir vorgeht. Nimm Kontakt zu Deiner inneren „Welt“ auf. Nach einiger
Zeit wirst Du feststellen, dass Dein Inneres Dir deutliche Signale gibt. Dieses Gespür stärkt Dich innerlich und macht Dich viel unabhängiger von der Bewertung, den Ratschlägen oder dem Urteil anderer. Übung für Dein echtes Selbstwertgefühl:

Spüre Deine Füße und deren Kontakt mit dem Boden. Richte Deine Aufmerksamkeit einfach nur darauf. Spüre die Lebendigkeit in Deinen Füßen und die Kraft, die dadurch aufsteigt. Spüre diese Energie nach und nach im ganzen Körper. Fühle Dich und Deine Energie in diesem Moment – nur das!

Anwenden kannst Du Präsenz immer dann, wenn Du spürst, dass Du aus der Balance geraten könntest: wenn Du Druck oder Stress spürst, wenn Konzentration gefordert ist, bei Vorwürfen oder Manipulationsversuchen, bei Provokation oder emotionalen Angriffen, wenn Wut, Ärger oder Enttäuschung aufkommt, wenn Angst oder Panik entsteht, wenn Du unruhig, traurig oder unzufrieden bist. Probiere es aus und spüre Deinen echten Wert, Du wirst Dich wundern, was geschieht.

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Bild © Benschonewille/Fotolia #121112823

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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