Digitaler Stress macht krank, dumm und süchtig!

Nie wieder digitaler Stress!

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 27 November 2014

Wie oft hattest Du heute schon Dein Handy in der Hand? Wie viel Zeit hast Du heute bereits im Internet verbracht? Wie viel SMS und Emails kamen heute an?

Wir müssen uns täglich mit Informationsflut, Arbeitsverdichtung, Termindruck und ständigen Arbeitsunterbrechungen auseinandersetzen. Die digitale Welt bestimmt unseren Alltag mehr, als uns tatsächlich bewusst ist. Wir sind mit unserem Handy verbunden wie mit einer Nabelschnur! Wir widmen digitaler Kommunikation mehr Aufmerksamkeit als Menschen, die wir lieben. Wir investieren mehr Zeit in Mails, als in Priorisieren, Entscheiden und Handeln. Wir versuchen in dieser „digitalen Welt“ täglich etwas zu kontrollieren, was uns schon längst beherrscht.

Unsere Reaktion auf die Masse an Reizen ist, dass wir vieles gleichzeitig machen wollen, oder glauben, machen zu müssen. Wir sind nahezu besessen davon, ständig erreichbar zu sein, um ja nichts Wichtiges zu verpassen und handlungsfähig zu bleiben. Grenzen verschwinden – die meisten Menschen sind bis auf ein paar Stunden unruhigen Schlaf immer „on air“. Ich nenne das „gedankliches Nomadentum“: Wir sind permanent damit beschäftigt, uns auf den nächsten Moment vorzubereiten.
Unser Kopf ist ständig auf Reisen und strebt weg vom jetzigen Moment.

Doch sind die Menschen produktiver, schneller, erfolgreicher, wenn sie parallel mehrere Aufgaben bearbeiten? Sind wir tatsächlich multi-tasking-fähig?

NEIN! Unser Gehirn kann sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren! Müssen wir zeitgleich verschiedene Informationen verarbeiten, wechseln wir bewusst oder unbewusst zwischen den Reizen hin und her: geistiges Zapping!

Wir fällen Entscheidungen immer hintereinander. Zu viele Entscheidungen verursachen einen Entscheidungsstau. Dieser permanente Entscheidungsstau löst Druck aus und das Gefühl, „es nicht mehr zu schaffen“. Der Mensch kann zwar durchaus mehrere Sachverhalte parallel wahrnehmen, sobald wir jedoch im selben Moment auch noch reagieren müssen, scheitert jeder Versuch von Gleichzeitigkeit. Wir sind nur dann Multitasker, wenn wir eine Aufgabe so verinnerlicht haben, dass sie keinerlei Aufmerksamkeit erfordert. Aber wann gibt es das schon? NIE 🙂 Folgend einige Nachteile von „geistigem Zapping“:

  • Nur vordergründige Effizienz
  • Zunehmendes Stressempfinden
  • Höhere Fehlerquote
  • Unzufriedenheit
  • Zeitverluste
  • Druck

Langfristig führt das zu dem sogenannten „Attention Deficit Trait“ (krankhafter Konzentrationsverlust). Nichts geht mehr ins Langzeitgedächtnis. Alle Eindrücke werden nur oberflächlich verarbeitet. Wir sind mit der Datenflut dauerhaft überfordert, weil wir mit dem gleichen Gehirn geboren werden, wie unsere vorgeschichtlichen Vertreter aus der Steinzeit:

Unser Gehirn war in der Steinzeit dafür bestimmt, eins nach dem anderen mit großer Konzentration und Aufmerksamkeit zu erledigen. Natürlich hatten wir damals auch Stress! Damals war es notwendig, auf drohende Gefahren oder Angriffe blitzschnell zu reagieren in Form von Flucht oder Angriff (fight or flight). Dafür hat unser Organismus ein hochleistungsfähiges System geschaffen, das in kürzester Zeit ein hohes Maß an Energie zur Verfügung stellt und das Reaktionsvermögen stark erhöht. Stress ist eine brillante Einrichtung unseres Körpers. Doch im Laufe der Jahrtausende hat sich die Umwelt stark verändert.

Bei den modernen Menschen sind es nicht mehr die klassischen Stressreize wie Angriff, Hunger, Kälte oder starke körperliche Beanspruchung, die den Körper in Alarmbereitschaft versetzen und sich dann nach erfolgter Anpassungsreaktion (Adaptation) wieder beruhigen. Der moderne Mensch trifft auf einen Stressor nach dem anderen und pumpt sich mit Adrenalin voll. Die Stressreaktion baut sich aber nicht ab – chronische Anspannung und Überforderung, Verspannungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Unruhe, Schlafstörungen sind die Folge. Digitaler Stress macht uns krank, dumm und süchtig! Der einzige Weg zu einer gesunden Balance ist nachfolgende Selbstführung in 5 Schritten:

Bewusstsein (die Augen öffnen für dieses Thema)
Selbstverantwortung (dieses Bewusstsein in Taten umsetzen und mich immer wieder daran erinnern)
Gezielte Steuerung der Information (Informationsqualität verbessern, gezielter aussuchen, Informationsdiät)
Fokussierung (an einem Thema bleiben und nicht davon abweichen, NEIN zu multi tasking)
Selbstreflektion (mich bei meinem Verhalten beobachten)

Emails sind z.B. Ablenkungsfaktor Nr. 1. Sie haben Sogcharakter und dadurch torpedieren sie unseren Tagesablauf. Wie viel Minuten schaffst Du es, trotz akustischer Mitteilung nicht nachzusehen? Bestimmen Emails Deine Laune und Deine Prioritäten? Wirst Du nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub unruhig, wenn Du nicht ständig Mails abrufen kannst oder kein Netz vorhanden ist? Trenne die Nabelschnur! Durch einen bewussten Umgang mit Emails wirst Du Stress senken und Effektivität steigern. Hier mein Tipps gegen digitalen Stress:

Sichte Emails zu festen Zeiten 3x am Tag und schließe sie wieder
Starte „nackt“ – gönne Dir in der ersten Zeit des Tages eine medienfreie Zeit
Gehe respektvoll und vorsichtig mit den Funktionen „Weiterleiten“, „CC“ und „Allen Antworten“ um
Bevor Du den PC hochfährst – schreibe die wichtigsten Aufgaben des Tages handschriftlich auf! Und verteidige diese
Stelle alle akustische Signale aus und sorge dafür, dass Emails nur dann im Postfach landen, wenn Du diese aktiv abrufst
Sende weniger Emails – um weniger Emails zu ernten. Sende insbesondere keine Nachrichten, wenn Du ärgerlich bist
Sende keine Aufgabenlisten aus dem Urlaub, nach Feierabend oder am Wochenende
Achte auf präzise Formulierungen, die alle wichtigen Fakten klären

Wie Du siehst, es gibt eine Menge, was Du tun kannst, um Dich selbst stressfrei durch die digitale Welt zu führen. Beginne heute damit und trainiere diesen neuen Umgang. Du wirst staunen, wie viel Raum plötzlich in Deinen Kopf und in Dein
Leben einkehrt …

Headerbild © Alphaspirit (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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