Das richtige Maß an Geduld bewegt und befreit!

Geduld befreit

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 14 Mai 2016

Wie oft hast Du schon bemerkt, dass Du ungehalten reagierst, dass es Dir schwer fällt abzuwarten oder Du ärgerlich wirst, wenn es Dir nicht schnell genug geht? Dir fehlt einfach die Geduld? Früher hieß diese Tugend auch Langmut. Sie bezeichnet
die Fähigkeit oder Bereitschaft, etwas ruhig und beherrscht abzuwarten oder zu ertragen, ohne dabei Ärger oder Zorn zu entwickeln. Das richtige Maß an Geduld bedeutet jedoch nicht, unbeweglich zu sein.

Geduld ist beispielsweise die Fähigkeit:

Damit umgehen zu können, dass das Leben Höhen und Tiefen mit sich bringt und sich manche Wünsche oder Vorstellungen nicht erfüllen. Gleichmütig zu bleiben trotz unfairen Angriffen oder Provokationen (was nicht bedeutet, dass Du alles tolerieren musst) oder wenn andere Menschen unsere Wünsche vereiteln. Mit Gelassenheit, Durchhaltevermögen und Entschlossenheit auf unserem Weg zu bleiben oder ein Ziel zu verfolgen, auch, wenn Hürden zu überwinden sind. Weitere Fähigkeiten sind:

Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten und zu verzeihen
Akzeptieren zu können, dass Veränderungen so lange dauern, wie sie dauern
Etwas in eine Zielrichtung zu initiieren und den Dingen dann ihren eigenen Lauf zu lassen
Mitmenschen und deren Sichtweise so anzunehmen, wie sie sind und sie ihren eigenen Weg gehen und entwickeln zu lassen
Kunden, Mitarbeitern, Kollegen Zeit und Raum zu geben, sich in Ruhe zu äußern, Fragen zu stellen und ihnen zuzuhören
Kinder, Partner, Freunde, Eltern bedingungslos zu lieben und ihnen Fehler zuzugestehen
Innerlich entspannt zu bleiben, wenn etwas nicht zügig vorwärts geht

Ungeduld kann sehr viel zerstören und von Grund auf verhindern, dass wir Erkenntnis, Freude, Erfüllung und Frieden in uns erleben können. Eine gewisse Veranlagung zu Geduld ist sicherlich mehr oder weniger vorhanden. Auch durch Erziehung und Erfahrungen in Kindheit können wir Geduld entwickeln, oder nicht. Oft können wir auch beobachten, dass Menschen im Laufe des Lebens meist etwas geduldiger werden. Doch das reicht nicht aus, wenn wir wirklich davon profitieren wollen. Wir können auch bewusst Geduld als Fähigkeit entwickeln.

Zunächst einmal brauchst Du die Einsicht, dass Gelassenheit kein Gottesgeschenk ist, sondern dass es Dein aktives Mittun braucht, weil sich Dein „Ego“ von den intensiven Gefühlen, die durch Ärger, Stress oder Widerstand erzeugt werden, nährt. Der natürliche Zustand und die Struktur Deines Verstandes/Ego sind Ungeduld. Bewusstheit ist der Schlüssel! Beobachte Dich und Deine Gedanken, Gefühle und Reaktionen auf gewisse Personen oder Umstände, die bei Dir Ungeduld auslösen. Was ist es, was Dein Ego aktiviert? Was genau lehnst Du ab? Wie fühlst Du Dich dann? Was ist spürbar? Wozu aktiviert Dich die Ungeduld? Was geschieht, wenn Du diesem Impuls nicht nachgehst? Was passiert, wenn Du ihm nachgehst?

Abneigung des Unangenehmen oder Ungewollten führt nicht dazu, dass dieser Zustand sich ändert, sondern hilft ausschließlich Deinem Ego, sein ICH-Gefühl zu verstärken und lässt Negativität in Dir entstehen. Wir sind verantwortlich für unsere Gefühle und können jederzeit die Wahl treffen, die ärgerlichen Gedanken und Gefühle zu stoppen. Was kannst Du noch tun? Löse
Dich von der Haltung, dass alle Umstände oder Menschen Deiner Erwartungshaltung oder Deiner Vorstellung von „richtig“ entsprechen müssen. Nutze jede mögliche Gelegenheit, um Dich in Geduld zu üben.

Halte die Situation einfach aus und befreie Dich von Negativität, die Du in diesen Situationen durch Bewertung und Urteile selbst erzeugt. Die Schlange im Supermarkt macht Dich nicht aggressiv. Deine Ungeduld tut es. Lass Dich nicht provozieren, sondern überwinde die Wut und Gereiztheit. Versuche stattdessen Mitgefühl zu entwickeln und trainiere, die Angst, die Schwierigkeiten, Illusionen oder Verstrickungen Deines Gegenübers zu erkennen.

Geduld kann manchmal Wunder bewirken

Geduldiges Arbeiten kann jedes Hindernis überwinden. Lasse Dich nicht durch Misserfolge entmutigen und verurteile Dich nicht sofort, wenn Dir etwas misslingt. Sei ein Fluss, der irgendwann ins Meer fließt und sich nicht davon abbringen lässt. Egal, wie schwer es ist und wie lange es dauert, fließe weiter. Investiere, ohne Dich sofort zu fragen, was Du zurückbekommst. Alles kommt zu Dir, wenn Du bereit bist zu warten! Trainiere es und übe in kleinen Dingen und in alltäglichen Situationen.

Dabei geht es nicht um Passivität, sondern um auf einen Punkt ausgerichtete, ausdauernde Konzentration, die mit der Energie fließt (Gleichmut) und nicht dagegen (Widerstand). Du wirst bemerken, dass dieses Geduldstraining gleichzeitig Wohlbefinden, Selbstvertrauen, Stärke und Ruhe in Dir entstehen lässt. Lerne, Ungewissheit auszuhalten und handle nicht vorschnell oder übereifrig. Sei flexibel und bereit, immer wieder etwas Neues zu lernen. Es gilt also, einen langen Atem zu haben 🙂

Meckere oder jammere nicht, sondern beruhige Deinen Geist und erlaube es ihm nicht, Dich zu kontrollieren oder durch schlechte Laune und Negativität zu manipulieren. Besonders herausfordernd ist das, wenn Du gerade Schmerz oder eine sehr unangenehme Lebenssituation erfährst. Es ist nachvollziehbar, dass unser Verstand es lieber wieder angenehmer hätte und sich „unfair“ vom Leben behandelt fühlt oder beginnt, den „Schuldigen“ zu suchen. Es ist nicht leicht, geduldig anzunehmen, dass das Leben aktuell eine schmerzhafte Lernerfahrung für uns vorgesehen hat.

Geduld und Akzeptanz sind die einzige Möglichkeit, wieder in Bewegung zu kommen und sich zu befreien

Wir können auch durch Ungeduld das Naturgesetz der menschlichen Erfahrung von Dualität nicht aushebeln. Du erfährst Dich selbst nur durch Gegensätze (Freude und Schmerz; groß oder klein; Frau oder Mann). Doch Du selbst kannst entscheiden, ob diese Erfahrung dafür steht, dass Du leidest und alles in gut oder schlecht einteilst, oder ob Du Dich davon lösen kannst und lernst, das alles gleichwertig zu betrachten, weil alles zusammenhängt und einen übergeordneten Sinn hat.

Das klingt jetzt noch sehr abstrakt für Dich?

Übe im Kleinen und irgendwann wirst Du erstaunt sein, dass Du selbst in Lebenssituationen voller Schmerz und Leid Geduld, Kraft und Ruhe spürst, weil Du loslässt, Dich hingibst, das Klagen lässt und plötzlich ein Selbstbewusstsein spürst, was Dir
einen komplett neuen Zugang dazu ermöglicht. So könntest Du anfangen:

Geduld bei Fehlern
Geduld beim Abnehmen
Geduld im Straßenverkehr
Geduld beim Zuhören oder bei Fragen
Geduld und Akzeptanz bei Meinungsverschiedenheiten
Geduld bei geplatzten Verabredungen oder Terminen
Geduld in der Mitarbeiterführung
Geduld bei der Hausarbeit
Geduld beim Einkaufen
Geduld beim Kochen
Geduld beim Wetter

Vielleicht fällt Dir ja noch mehr ein? Womit startest Du?

Meine heutige Inspiration als PDF zum Ausdrucken
Headerbild © Mickyso (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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