Wer nach guten Entscheidungen sucht - trifft nicht unbedingt die Besten!

Gute Entscheidungen treffen

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 27 August 2015

Entscheiden ist eine zentrale Aufgabe in unserem Leben… egal, ob im privaten Alltag oder Berufsalltag im Unternehmen.
Oft ist es nicht leicht, richtig zu entscheiden. Dabei tappen auch erfahrene Entscheider immer wieder in Entscheidungsfallen.
Sie lassen sich verführen vom Nächstliegenden, der Logik, dem Plan, dem Bekannten und Bewährten, von Ängsten oder
von Denkgewohnheiten. Sie stellen frühere Entscheidungen nicht infrage und nehmen Informationen selektiv wahr.

Wer lange und aufwendig nach der richtigen Entscheidung sucht, trifft nicht unbedingt die beste Entscheidung.
Oft wird der Entscheidungsprozess selbst schlecht durchgeführt:

  • Die Informationen werden zu hoch gewichtet
  • Die inneren Instanzen werden nicht alle gehört
  • Die Alternativen der Entscheidung sind nicht klar herausgearbeitet
  • Die entscheidungsrelevanten Informationen wurden nicht gefunden oder missachtet
  • Die Entscheidung fühlt sich im Bauch schlecht an oder das Bauchgefühl wird ignoriert
  • Die Entscheidung ist nicht unbedingt gerecht und ehrlich sondern eher ein schlechter Kompromiss
  • Die Kosten und Nutzenfaktoren wurden schlecht gegeneinander abgewogen oder gewichtet
  • Die Aussagen wurden nicht immer auf Substanz geprüft
  • Externe Berater bekommen eine zu hohe Bedeutung
  • Ich fühle mich überfordert

Was können wir tun, um bessere Entscheidungen zu treffen?
Ein Sachverhalt zur Entscheidungsfindung sollte immer unter mehreren und unterschiedlichen Aspekten besprochen oder durchdacht werden. Bevor Informationen von anderen begutachtet werden oder Du andere Personen um ihren Rat bittest, solltest Du den Sachverhalt für sich selbst bedenken und Dein Gefühl dazu prüfen. Ermittel den Status quo genau, bevor Du anfängst zu bewerten. Prüfe auch Deine eigenen Ängste und „wunden Punkte“ genau, um herauszufinden, wie Du Dich
selbst eventuell blockieren könntest.

Oft haben wir uns eine „Fehlervermeidungskultur“ angewöhnt. Wir trauen uns nicht, frühere Fehlentscheidungen zu revidieren und treffen auf dieser Basis die nächsten Entscheidungen. Wir wollen auf der „sicheren Seite sein“. Oft werden Entscheidungen auch aufgrund von Vorurteilen oder vorgefassten Meinungen getroffen. Hinterfrage das kritisch. Sei Dir bewusst, dass eine Entscheidung immer ein Ergebnis Deiner aktuellen inneren Welt ist. Diese kann und darf sich ändern. Du solltest Dich fragen:

Fühlt sich die Entscheidung richtig an (Bauch und Intuition)? Die Intelligenz des Unbewussten und die Intuition liefern oft gute oder sogar bessere Ergebnisse als es langwierige und formalisierte Entscheidungsprozesse tun könnten. Welchem großen Ziel dient die Entscheidung? Passt sie dazu? Ist sie gerecht und ehrlich (auch mir selbst gegenüber)? Kann ich dem trauen, was mir gesagt wird? Was könnte schief laufen? Was bedeutet was? Habe ich alle Konsequenzen mit ausreichend innerem Abstand bedacht und bewertet? Habe ich vermieden, eine Entscheidung vorschnell aus einem spontanen Impuls zu treffen?

Gibt es etwas, was ich nicht erkennen oder wahrhaben möchte? Es ist hilfreich, eine selbstkritische Position einzunehmen. Eigene Annahmen sollten hinterfragt und andere Menschen, Kollegen oder Experten befragt werden – durchaus mit dem Bewusstsein, dass diese in die gleichen Fallen tappen können. Welche Konsequenzen hat die Entscheidung lang- und kurzfristig. Wer ist von der Entscheidung betroffen? Sind alle Alternativen klar aber nicht zu starr definiert? Entscheidungen brauchen Alternativen, aber nicht zu viele. Es sollte deutlich werden, worin sich diese unterscheiden. Will ich entscheiden oder zögere
ich die Entscheidung nur heraus? Welche Erklärungsmuster versuche ich zu finden, um nicht entscheiden zu können?

Der größte Fehler: Entscheidungen werden ausgesessen, bis es nichts mehr zu entscheiden gibt! Vermeide diese Taktik!
Du wirst spüren, dass nicht nur Deine Entscheidungsfähigkeit, sondern auch Dein Selbstbewusstsein daran wächst.
Folgend findest Du Elemente richtiger Entscheidungen:

1) Du bist optimistisch und verlierst Dich trotzdem nicht in Wunschdenken.
2) Du denkst nicht ständig darüber nach, was schiefgehen könnte.
3) Du kannst ohne unnötige Ängste die Risiken abwägen.
4) Du brauchst nicht immer wieder Bestätigung. Du kannst auch eine Gegenposition einnehmen ohne einzuknicken.
5) Du begegnest Kritik mit Gelassenheit und Fairness.
6) Du bist bereit, vernünftige Risiken einzugehen.
7) Du vertraust darauf, dass es immer eine Lösung gibt, die darauf wartet, sich zu zeigen (auch, wenn es sich nicht übers Knie zerbrechen lässt).
8) Du kreidest weder Dir noch anderen Personen begangene Fehler an.
9) Du ermutigst unabhängiges Denken.
10) Du verlierst Dich nicht in winzigen Details.
11) Du sagst ehrlich die Meinung, ohne den anderen vor den Kopf zu stoßen.
12) Du bist fokussiert und lässt Dich nicht abbringen ohne dickköpfig zu sein.
13) Du lobst positive Beiträge.
14) Du stellst vernünftige Regeln auf, die minimal einschränken, aber trotzdem einen roten Faden vorgeben.
15) Du nimmst mit echter Begeisterung teil.
16) Du erhebst Dich nicht über andere und suchst eine Lösung, die für alle verträglich ist (wenn es nur um Dich geht, dann ignorierst Du kein Gefühl, sondern suchst so lange, bis alle Bedürfnisse integriert worden sind).
17) Du entscheidest nicht unter Druck, sondern lässt die Entscheidung reifen.
18) Du fühlst Dich leicht und frei, nachdem die Entscheidung getroffen ist.
19) Du suchst nicht nach einer schmerzfreien Lösung, die nichts kostet: die gibt es nicht!
20) Du übernimmst zu jeder Zeit Verantwortung.

Wenn Du diese Elemente integrierst, werden Deine Entscheidungen in ihrer Qualität enorm wachsen. Viel Erfolg!!!

Headerbild © Robert Kneschke (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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