Als Auftakt im neuen Jahr ruhig mal echtes Mitgefühl verschenken!

Echtes Mitgefühl schenken

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 9 Januar 2015

Wie können wir bestmöglich dieses Jahr beginnen? Wie kann die Welt bestmöglich dem neuen Jahr begegnen? Was wünsche ich der Welt für das neue Jahr?

Es gibt dort eine Entwicklung, die ich beobachte, die unsere Welt zerstört. Unserer Welt krankt es an echtem Mitgefühl und ich möchte mein Bestes dafür tun, gegen diese Entwicklung zu steuern. Es ist schön zu beobachten, dass viele Menschen dieses Bewusstsein auch haben und sich ebenfalls dafür einsetzen. Wohin wir unseren Blick auch wenden, wir befinden uns oft in einer Welt voller Egoismus, Oberflächlichkeit, Austauschbarkeit, Besitzdenken und Herzenskälte. Menschen benutzen Menschen, Tiere oder die Umwelt als Mittel zum Zweck. Wir beuten aus, wenden uns ab, wenn es um Schmerz, Schwäche oder Leid geht, flüchten ja sogar vor unseren eigenen Gefühlen. Wir urteilen so schnell, wir sind oft hart zu uns oder anderen Menschen.

Was wir dringend brauchen, ist ehrliches und gesundes Mitgefühl. Mitgefühl bedeutet, Lebewesen zu wünschen, frei von Leid zu sein und ihre Gefühle oder Schmerzen nachempfinden zu können. Es bedeutet nicht, konfliktscheu oder einfach nur „lieb, angepasst, nett und nachgiebig“ zu sein, es erfordert Mut, geistige Klarheit und Intelligenz. Mitgefühl sollte kein Leid in uns selbst verursachen, weil wir uns aufopfern oder abhängig von der Gunst des Anderen machen. Es ist frei von der Motivation, etwas dafür zu bekommen oder verdient zu haben. Es entsteht ohne Absicht oder Zwang tief aus dem Innersten unseres Herzens.

Echtes Mitgefühl bringt uns manchmal auch dazu, in einem angemessenen Moment Schmerz zu verursachen, wenn dieses erforderlich oder nützlich ist oder mit Wahrheit, Verantwortung, Schutz oder Erkenntnis zu tun hat. Es ist eben nicht dasselbe, ob man jemandem Schmerz verursacht oder Schaden zufügt. Durch Mitgefühl haben wir Anteil an der Schönheit, der Freude und den Schmerzen oder Tiefen des Lebens. Wir öffnen unser Herz mit einem Wohlwollen für alles, was Teil des Lebens ist. Man könnte sagen, wir tragen ein Licht durch das Dunkle der Welt. Um echtes Mitgefühl zu zeigen, brauchen wir nicht großzügige Spenden zu leisten oder uns an riesigen Projekten zu beteiligen.

Es beginnt direkt bei uns und bei unserer Grundhaltung, die wir täglich in die Welt tragen. Wir können Mitgefühl z.B. durch Zuhören, liebevolle Worte, eine Umarmung, ein persönliches Gespräch, Zeit, Aufmerksamkeit, Bewusstheit im Umgang mit Tieren und Nahrungsmitteln, Hilfe, Vergeben und Verständnis ausdrücken. Jeder Mensch hat die Fähigkeit dazu, Mitgefühl zu spüren und zu zeigen, allerdings hat nicht jeder Mensch die innere Reife, Entwicklungsstufe, Geisteshaltung und den Mut, den Zugang dazu zu finden. Wer mitfühlt, dessen Verhalten ist durch emotionale Achtsamkeit geprägt. Frage Dich einmal:

Wie viel Mitgefühl habe ich mit mir selbst?
Wie verhalte ich mich anderen Menschen gegenüber?
Bin ich bei Menschen, die mir nahestehen mitfühlender, als bei anderen Personen?
Verwechsle ich im Beruf Mitgefühl mit Schwäche oder Gefühlsduselei und lasse es deswegen außen vor?
Wie viel Mitgefühl habe ich für Tiere oder die Natur, wenn es um meinen persönlichen Konsum oder meinen Geldbeutel geht?
Wie reagiere ich, wenn Ich mit Leid oder Schmerz konfrontiert werde? Flüchte ich oder gehe ich hin?
Wie viel Mitgefühl habe ich mit meinem Partner, wenn ich gestresst oder angespannt bin?
Wann oder bei wem fällt es mir schwer, Mitgefühl zu zeigen?

Was kannst Du tun, um Mitgefühl zu trainieren oder zu zeigen?

1. Verabschiede Dich von hohen oder vorgefassten Erwartungen und gehe anstatt dessen offen auf das zu, was Dir wirklich begegnet.

2. Warte nicht erst, bis Menschen Dich um etwas bitten oder um Rat fragen, sondern fühle, ob Hilfe gebraucht wird und biete Dich an.

3. Lege nicht alles auf die Goldwaage. Lerne zu verzeihen und über Kleinigkeiten hinwegzusehen. Schlechte Tage hat jeder einmal. Wir alle machen Fehler oder vergreifen uns auch einmal im Ton.

4. Worte ersetzen keine Taten und keine Gefühle. Zeige durch Deine Präsenz, dass Du mitfühlst und nicht durch Phrasen wie „Ach, das tut mir aber leid für Dich“.

5. Frage Deinen Partner oder andere Menschen nach einem Gespräch: Hast Du Dich verstanden und ernst genommen gefühlt? Was würdest Du Dir wünschen? Was geht in Dir vor? Habe ich Deine Wünsche, Ängste, Gründe, Themen, Gefühle richtig eingeordnet? Vertraust Du mir als Partner, Freund, Chef? Wie hast Du das genau gemeint? Habe ich das vielleicht missverstanden?

6. Berührungen können wirken wie ein Zauber: eine Hand festhalten oder drücken, eine Umarmung, über die Wange oder den Kopf streichen, die Hände über die Schulter legen. Dein Gegenüber spürt Dein Mitgefühl – Worte sind nicht nötig.

7. Höre wirklich zu und lasse Dich auf die Welt des Anderen ein. Ein Mensch, der da ist und wirklich zuhört ist in unserer heutigen Gesellschaft schwer zu finden.

8. Mitfühlen bedeutet nicht verhätscheln, verwöhnen, bemuttern oder einzuengen. Du bist für den Anderen da, fühlst Dich in ihn hinein, ohne ihm seine Entwicklung zu blockieren, ihn anhängig zu machen oder ihm seine Freiheit zu nehmen.

9. Wähle bewusst Lebensmittel oder Konsumgüter aus, die im Einklang mit der Umwelt produziert wurden, entscheide Dich gegen Massentierhaltung oder Dumpingpreise.

10. Öffne Deine Augen und Dein Herz für die Menschen in Deiner nächsten Umgebung, die Deiner Aufmerksamkeit sonst entgehen. Das kann der Bettler an der Straße sein, Deine Putzhilfe, die Bedienung im Restaurant, der anstrengende neue Mitarbeiter, der gesprächsbedürftige Nachbar oder die alte Dame an der Supermarkkasse.

Eine wichtige Nachricht zum Schluss: Es gibt kein vorgefertigtes Konzept für echtes Mitgefühl. Es ist ein lebendiger Prozess und eine Fähigkeit, die wir situationsabhängig und flexibel in uns aktivieren. Gleichzeitig ist Mitgefühl das schönste und wertvollste Geschenk, was wir uns und der Welt in diesem Jahr machen können. Du wirst sehen, es wird ganz viel zurückkommen in einer Fülle und Form, die Du bisher noch nicht kennengelernt hast …

Headerbild © S. Kobold (Fotolia)
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Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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