Was kann ich bei Redeangst tun?

Die Redeangst überwinden

von Brigitta C. Kemner
Veröffentlicht am 9 April 2014

Wie geht es Dir, wenn Du frei vor einer Gruppe sprechen musst? Leidest Du unter Redeangst oder bist Du eine Rampensau? Die Angst vor dem Sprechen vor vielen anderen Menschen ist weit verbreitet. Es ist jedoch spannend, dass fast niemand vor dem Sprechen an sich Angst hat. Wir alle sprechen jeden Tag unter Freunden und Bekannten, erklären Sachverhalte, beraten Kunden und führen Diskussionen. Doch sobald es sich um eine minimal größere Gruppe handelt (z.B. Elternabend) oder um eine kurze Präsentation unserer Person bei einer Besprechung steigt der Puls enorm. Es liegt also selten an unserer Fähigkeit zu sprechen, sondern vielmehr an unserer Bewertung der Situation. Doch was kann ich tun, wenn mich die Angst überrennt?

Bring Dich durch gute Glaubenssätze gedanklich in eine stärkende Stimmung
Den größten Fehler, den man als Mensch (Redner) im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen (Dietrich Bonhoeffer). Deshalb sage Dir vor einer Rede, einem Vortrag oder einem Auftritt beispielsweise so oft wie möglich: „Ich habe anderen etwas anzubieten und kann etwas beitragen“, „Ich bleibe ruhig“, „Alles ist ungefährlich, es gibt keinen Grund zur Sorge“ oder „Ich bin sicher und finde die richtigen Worte“.

Setze deine Sorgen in einen realistischen Rahmen, anstatt zu dramatisieren
Wir neigen dazu, uns selbst durch unsere Vorstellungen hereinzusteigern. Stoppe Dich dabei! Stoppe schlechte Gedanken! Was könnte passieren, wenn Du keine perfekte Rede hältst, stotterst oder den Faden verlierst? Wärst Du in Lebensgefahr? Wäre Deine gesamte Lebensplanung und Karriere in Frage gestellt? Wärst Du runiniert? Natürlich wäre es unangenehm, aber nicht bedrohlich. Keiner wird Dir den Kopf abschneiden. Ganz im Gegenteil, viele Menschen kennen diese Situation.

Nimm eine selbstbewusste und aufrechte Körperhaltung ein
Eine selbstbewusste Körperhaltung verleiht Dir Selbstvertrauen. Bewahre Haltung. So gelingt es Dir, auch besser zu atmen. Das entspannt zusätzlich und nimmt Dir einen großteil der Redeangst.

Nutze erprobte Entspannungsverfahren
Lerne ein Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung. Diese kann Dir helfen, die Nervosität und die damit einhergehenden körperlichen Symptome zu lindern. Eine einfache Atemübung kann helfen, Deine Angst zu reduzieren. Atme bewusst und tief ein und atme in einer Bewegung wieder aus, ohne den Atem nach dem Einatmen anzuhalten. Atme wieder ein, auch ohne Pause, aber ganz tief, langsam und ruhig. Diese ununterbrochene Atmung machst Du etwe 2 bis 3 Minuten. Du wirst staunen, wie Du Dich beruhigen kannst.

Mentales Training und Visualisierung
Mache Vorstellungsübungen, in denen Du Dich sicher und selbstbewusst vor der Gruppe stehen siehst und rede Dir selbst gut zu, während Du Dir das vorstellst: „Du weißt, was Du sagen willst. Du kannst das. Nur ruhig. Jeder ist aufgeregt, wenn er eine Rede hält“. Je öfter du die Situation in der Vorstellung durchspielst, umso gelassener bist du in der realen Situation.

Trainiere Deine rhetorischen Fähigkeiten
Hilfreich könnte auch ein Rhetorik Training oder Seminar sein. Dort lernst Du nicht nur, Deine rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern, sondern lernst auch Tipps kennen, mit deiner Redeangst umzugehen.

Zuhörer sind keine Feinde
Menschen mit einer Redeangst beziehen die Reaktionen der Zuhörer immer auf sich. Gibt es nicht auch andere Möglichleiten? Wenn jemand im Publikum gähnt, heißt das, dass ihn dein Vortrag langweilt? Vielleicht hat er letzte Nacht auch nur schlecht geschlafen oder ist überarbeitet. Und wenn jemand lächelt, lacht er dich unbedingt aus? Wenn im Publikum zwei ihre Köpfe zusammenstecken und miteinander reden, lästern sie unbedingt über dich? Unterstelle anderen nicht, dass sie immer negativ über dich denken oder reden.

Halte immer Blickkontakt
Stelle zu Deinem Publikum Blickkontakt her. Suche Dir eine Person unter den Zuhörern aus, Die Du sympathisch findest und halte Blickkontakt mit ihr. Das wird Deine Nervosität reduzieren.

Bewegung in der Natur
Mache kurz vor Deinem Auftritt einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft und lenke währenddessen bewusst Deine Aufmerksamkeit auf die Umgebung.

Nutze ein Coaching
Wenn die Angst einfach nicht weniger werden will, liegen die Ursachen etwas tiefer. Hier kann ein Coach gut helfen. Häufig ist ein geringes Selbstwertgefühl eine Ursache. Hier kannst Du viel tun. Ein Coach kann Dir sehr hilfreiche Techniken zeigen, um mit der Angst besser umzugehen. Zusätzlich wirst Du daran arbeiten, die Ursachen zu erkennen und zu bearbeiten, um eine neue Haltung zu Dir und Deinen Fähigkeiten zu finden. Oft hilft auch Hypnose, um destruktive Einstellung aufzulösen.

Training, Training, Training
Kein Meister fällt vom Himmel. Jeder braucht Training, um Sicherheit zu finden. Ohne Training keine Veränderung. Jeder Schauspieler hat Lampenfieber. Er begegnet aber dieser Angst und überwindet sie …

Bild © Deckard 1 (Fotolia)

Brigitta C. Kemner

Eine gute Bedürfnisbalance sowie innere Stabilität und Gesundheit sind die wichtigste Basis für stabile Leistungen in einem anspruchsvollen Berufsalltag. Sie können mich als Katalysator, Förderer, Impulsgeber, Erwecker, Berater, Lehrer, Begleiter und Trainer nutzen. Als Expertin für das Thema Leistungskraft und Leadership liegen meine Schwerpunkte in allen Themen, die unser „Menschsein“ betreffen ...

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